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Severin Freund feierte in Willingen den zweiten Weltcup-Sieg seiner Karriere © getty

Der Bundestrainer würde seinem Überflieger gern eine Pause gönnen. Er lobt die Routiniers, stellt ihnen aber ein Ultimatum.

Willingen - Werner Schuster würde seinen neuen Überflieger am liebsten einsperren.

"Wir stecken Severin jetzt in einen Kühlschrank. In Klingenthal darf er dann wieder rauskriechen", sagte der Skisprung-Bundestrainer.

Shootingstar Severin Freund war zuvor im Tollhaus Willingen mit einer überragenden Show zu seinem zweiten Weltcup-Sieg binnen zwei Wochen geflogen. (DATENCENTER: Ergebnisse Skispringen)

Eine Erfolgsserie, die seit Sven Hannawald im Jahr 2003 kein DSV-Adler mehr geschafft hatte - und die Schuster nur allzu gern verlängert sähe.

Olympischer Gedanke zählt nicht mehr

Am liebsten bis zur WM Ende Februar in Oslo, denn spätestens seit Sonntag zählt Freund dort zu den Medaillenanwärtern.

Der Überflieger ließ sich siegestrunken sogar zu einer kleinen Kampfansage hinreißen. "Das Motto 'Dabei sein ist alles' gilt dort nicht mehr. Denn man versucht im Wettkampf immer, seine beste Leistung zu bringen", sagte Freund.

Rummel nimmt zu

Bis dahin soll Schusters Schützling jede Pause nutzen, die sich ihm bietet. Die erste Unterbrechung nach Willingen fällt allerdings recht kurz aus - 24 Stunden, um genau zu sein. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Schon am Dienstag wird die Team-Tour im sächsischen Klingenthal (Mi., ab 18 Uhr LIVE-TICKER) mit der Qualifikation fortgesetzt, am Wochenende folgt das Skifliegen in Oberstdorf.

Zwei weitere Heimspiele, bei denen der Rummel um den 22-Jährigen aus Rastbüchl enorm sein wird.

"Ein Freund, ein guter Freund"

Schon in der Party-Hochburg Willingen hatte sich alles um den Newcomer gedreht. "Nach dem Sieg ist alles auf mich eingeströmt. Ich habe nur versucht, den Augenblick auszukosten", sagte Freund, nachdem er von über 10.000 Fans gefeiert worden war.

"Ein Freund, ein guter Freund" war der Hit des Wochenendes, zumal "Sevi" auch am Samstag beim zweiten Platz im Teamspringen der Matchwinner war.

Erster Top-Ten-Platz im Dezember

Kaum zu glauben, dass besagter Freund erst am 19. Dezember erstmals in seiner Karriere in die Top Ten eines Weltcups gesprungen war.

Sechs Wochen später hat der glänzende Stilist, der in Willingen die besten Haltungsnoten aller Teilnehmer erhielt, stolze vier Podestplätze geholt.

Lob für alte Generation

Bundestrainer Schuster will sich auf dem Aufschwung jedoch nicht ausruhen.

"Wir werden weiter hart arbeiten, damit in Zukunft pro Jahrgang einer aus der jungen Garde nach oben kommt. Das ist Knochenarbeit, die hört nie auf", sagte der 41-Jährige.

Gleichzeitig lobte der Österreicher ausdrücklich die ältere Generation um Martin Schmitt für ihre Kooperation: "Das sind alles keine Stinkstiefel. Diese Jungs lieben ihren Sport wie am ersten Tag und geben ihre Erfahrung gerne weiter."

Die Konstanz fehlt

In Willingen allerdings überzeugte hinter Freund niemand. Mit Platz 20 war Schmitt schon zweitbester Deutscher, drei Wochen vor der WM in Oslo ist die Form der meisten DSV-Adler noch immer höchst sprunghaft.

"Diese Lücke ist mir nicht verborgen geblieben", sagte Schuster, der bis zu den Titelkämpfen in Norwegen mehr Konstanz forderte.

Letzte Chance Klingenthal

Die Wackelkandidaten Schmitt, Pascal Bodmer und Stephan Hocke haben nur noch eine Chance, auf den WM-Zug zu springen. Nach dem Weltcup in Klingenthal will Schuster sein Team für Oslo bekannt geben.

Dem Skifliegen in Oberstdorf misst der Österreicher im Hinblick auf die WM keine große Bedeutung mehr zu.

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