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Richard Freitag sprang beim Tournee-Auftakt 2010 in Oberstdorf auf Platz 13 © getty

Nach der jüngsten Erfolgsserie der DSV-Adler schafft es Richard Freitag ins WM-Aufgebot. Schmitt bleibt Sorgenkind.

Klingenthal - Die Würfel sind gefallen.

Youngster Richard Freitag ist bei den Skispringern in letzter Sekunde noch auf den WM-Zug aufgesprungen, dafür gehen die Titelkämpfe in Oslo ohne Stephan Hocke über die Bühne.

Der Team-Olympiasieger von 2002 hat den Sprung ins sechsköpfige Aufgebot der wiedererstarkten deutschen Adler verpasst. Angeführt wird die Mannschaft vom neuen Überflieger Severin Freund und Altmeister Martin Schmitt.

Leicht gemacht hat sich Werner Schuster die Nominierung keineswegs. Hatte sich der Bundestrainer noch bis Ende Dezember die Nächte um die Ohren geschlagen, weil seine Skispringer meilenweit von der Weltspitze entfernt waren, hatte er urplötzlich die Qual der Wahl.

Freund gewann jüngst zwei Springen, Michael Uhrmann flog aufs Podest und die Talente kamen immer besser in Fahrt.

Freitag nutzt Chance

Eigentlich sollte die Entscheidung direkt nach dem Springen am Mittwochabend in Klingenthal fallen, doch Schuster musste nochmal in sich gehen.

"Die Situation war klar. Freund, Uhrmann und Michi Neumayer hatten die Norm erfüllt, Martin Schmitt und Pascal Bodmer hatten die Nase ebenfalls vorn", sagte Schuster noch am Mittwoch: "Nun hat uns Richard Freitag wieder zum Nachdenken gebracht."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Und der erst 19-jährige Freitag nutzte seine Chance mit Platz 17 in Klingenthal.

Punktuelle Highlights setzen

Das Luxus-Problem bereitete Schuster aber keine Sorgen.

"Ich bin ja heilfroh, dass es uns gelungen ist, junge Springer zu entwickeln", sagt er. An die möglichen vier Kandidaten für das Teamspringen der WM verschwendet er keinen Gedanken:

"Wir werden zurecht registriert, aber wir wissen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Momentan können wir nur punktuell Highlights setzen."

Vorsprung in Sand gesetzt

Einen dieser Höhepunkte setzte Uhrmann in Klingenthal mit seinem Schanzenrekord von 146,5 m, der 32-Jährige führte mit einem gewaltigen Vorsprung.

"Dann hat er den Fokus viel zu sehr auf das Resultat gelenkt und nicht auf das, was er eigentlich machen muss", analysierte Schuster.

Es folgte der Absturz auf Platz 13.

"Was soll ich mich jetzt eingraben?"

Uhrmann trauerte der verpassten Chance jedoch kaum nach, viel zu berauscht war er von seinem Rekordsatz. "Was soll ich mich jetzt eingraben? Es sind noch vier Wochen bis Oslo, erst da muss ich zwei gute Sprünge bringen", sagte der Bayer.

Auch Schuster nahm es seinem Schützling nicht allzu übel: "Er wird sicher kurz giften, aber Michi hat gezeigt, dass ein Killer in ihm steckt. Wenn er noch einmal in die Situation kommt, wird er es besser machen."

Sorgenkind Schmitt

Lediglich Martin Schmitt, der in Klingenthal im ersten Durchgang ausschied, bereitet Schuster momentan kleine Sorgen.

"Er kämpft und probiert, aber das war natürlich enttäuschend", sagte der Bundestrainer: "Es wird ihn hoffentlich nicht aus der Bahn werden. Jetzt aufzugeben, wäre der falsche Zeitpunkt. Dafür hat er zu lange Geduld gehabt."

Zwei Skifliegen noch

Schmitt wird vor Oslo jedoch kaum noch Gelegenheit haben, mit Wettkampfsprüngen in Form zu kommen. Nach dem Skifliegen in Oberstdorf steht nur noch das Skifliegen in Vikersund im Weltcup-Kalender.

Wer vom WM-Team die Reise zur größten Schanze der Welt überhaupt antreten wird, ließ Schuster offen. Darüber will er noch ein wenig grübeln.

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