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Der Bakken in Vikersund ist 134 Meter lang - die Springer fliegen acht Sekunden © imago

Die neue Riesenschanze in Vikersund ermöglicht Flüge über 250 Meter. Für die einen ist das "Wahnsinn", andere sind begeistert.

München - Wahnsinnig spannend, wahnsinnig furchteinflößend oder doch wahnsinnig gefährlich? Im Lager der Skispringer sind die Meinungen gespalten.

Für Severin Freund jedenfalls war Schluss mit lustig. Der deutsche Vorflieger entschied Mitte der Woche, beim Skiflug-Weltcup auf der neuen Riesenschanze im norwegischen Vikersund am Wochenende aus Vernunftsgründen nicht an den Start zu gehen. (Springen, Sa., ab 16 Uhr im LIVE-TICKER)

Obwohl man eigentlich unter Zugwang sei, "diesen Wahnsinn mitzumachen", wie Bundestrainer Werner Schuster so schön formulierte.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Weiten von über 250 Meter

Wahnsinnig ist es allemal, was ab Samstag auf der neu gebauten größten Schanze der Welt möglich ist.

"Das Herz rast schon ein bisschen schneller, wenn man den Kopf aufrichtet und sieht, wie weit es noch geht", beschreibt Shooting-Star Freund das besondere Gefühl des Skifliegens.

Es ist ein Rausch, in dem man sich als Skispringer wiederfindet, wenn man über 200 Meter fliegt.

In der Qualifikation am Freitag fiel dann bereits der inoffizielle Weltrekord: Der Norweger Johan Remen Evensen sprang zunächst im Training auf 243 Meter und übertraf damit die alte Bestmarke seines Landsmannes Björn Einar Romören aus dem Jahr 2005 um vier Meter. In der Qualifikation setzte Evensen mit 246,5 Meter dann seine Rekordjagd fort.

"Sollte Pampers nicht vergessen"

"Ich habe das Gefühl, dass man seine Pampers nicht vergessen sollte", sagt Michael Neumayer (Berchtesgaden) und spricht vielen Springern aus der Seele.

Es sei ein Gefühl zwischen "Freude und tierisch Bammel", erklärt Neumayer, denn eigentlich sei man auf der bisher weltgrößten Schanze in Planica schon "am äußersten Rande der Anspannung".

Absagen will der 32-Jährige trotzdem nicht: Neumayer ist der einzige deutsche WM-Fahrer, der knapp zwei Wochen vor Beginn des Saisonhöhepunkts in Oslo (23. Februar bis 6.März) die Reise nach Vikersund antritt.

"Ich will mir das geben", sagt er selbstbewusst. Maximilian Mechler (Isny), Felix Schoft (Partenkirchen) und Andreas Wank (Oberhof) füllen die übrigen DSV-Startplätze.

Vorfreude bei Schlierenzauer

Eingeweiht wurde das 10,2-Millionen-Projekt vom norwegischen Lokalmatador Vegard Svenson schon am Mittwoch. (DATENCENTER: Ergebnisse Skispringen)

Der 24-Jährige "hüpfte" nur auf 162 Meter, damit wird sich die Flug-Elite bei den beiden Weltcups am Samstag und Sonntag sicherlich nicht zufrieden geben. Die Neugierde ist groß, sie scheint zumindest bei den meisten Springern den Respekt zu übertreffen.

"Mich müsste man schon einsperren, dass ich da nicht hinfahre", sagt etwa Oberstdorf-Sieger Martin Koch (Österreich).

Sein Teamkollege Gregor Schlierenzauer will sich "unbedingt einen eigenen Eindruck machen. Das wird ein unglaubliches Feeling", hofft der Skiflug-Weltmeister von 2008.

Schneller, höher, weiter

Möglich wurde der Bau der Rekordschanze erst durch eine Regeländerung der FIS.

Der Höhenunterschied zwischen Schanzentisch und Auslauf darf jetzt 135 Meter betragen - fünf Meter mehr als vorher. Der Anlauf des "Monster Bakken", wie norwegische Journalisten die Rekordschanze getauft haben, ist nun 134 Meter lang, bis zu acht Sekunden werden die Springer in der Luft sein.

"Schneller, höher, weiter" lautet wohl das Motto der FIS zu diesem Neubau - die bekannten Worte werden in diesen Tagen nicht selten mit vorwurfsvollem Unterton gesprochen.

Zwar sei die Schanze laut Schuster "bei einem guten Profil nicht unbedingt gefährlicher als eine kleinere", dennoch würden sich einige Springer vor Neugierde jetzt überschätzen.

"Man muss auf Autopilot schalten, vollkommen bereit sein. Man muss vor Selbstbewusstsein strotzen, um dort zu fliegen", sagt Schuster.

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