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Severin Freund gewann bisher zwei Weltcup-Springen © getty

Severin Freund gilt bei seiner ersten WM als deutscher Hoffnungsträger. Der Bundestrainer versucht, Druck von ihm zu nehmen.

Oslo - Severin Freund hat die Frage erwartet. Er nickt kurz, schlägt die Augenlider nieder, schmunzelt kaum erkennbar in sich hinein.

"Hoffnungsträger" - mit diesem Stempel hat der Skispringer zu leben gelernt.

Er hat als einziger deutscher Athlet in diesem Winter im Weltcup gewonnen, klar, dass nun alle von ihm auch bei der nordischen Ski-WM etwas erwarten.

"Ich habe deutlich gemacht, dass ich mich da oben breit machen will", sagt er.

"Aber um am Tag X vorne zu sein, müssen 100 Faktoren stimmen, von denen ich nicht alle beeinflussen kann."

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"Bin gut drauf"

Deshalb hat sich der 22-Jährige für seine erste WM, die am Mittwoch mit den ersten Trainingssprüngen begann, eine ganz besondere Taktik zurechtgelegt.

"Ich denke nicht großartig darüber nach, was passieren könnte. Dass ich gut drauf bin, habe ich in diesem Winter schon gezeigt, dass ich vorne sein kann auch", gibt sich Freund selbstbewusst.

Unter Druck setzen möchte er sich nicht: "Ich habe mir nicht das Ziel gesetzt, eine Medaille zu gewinnen oder sonst was." Das tun schließlich andere für ihn. Aus gutem Grund.

Erfolg hart erarbeitet

Mitte Januar schlug er im japanischen Sapporo die versammelte Weltelite um Tournee-Gewinner Thomas Morgenstern und den viermaligen Olympiasieger Simon Ammann.

Es folgten zwei weitere Podestplätze und Ende Januar der Heimsieg in Willingen. "Er kann mit jedem Sprung die anderen zum Nachdenken bringen", sagt Bundestrainer Werner Schuster über den Shootingstar.

Anders als es derzeit in der Öffentlichkeit den Anschein hat, ist Freunds Stern aber nicht über Nacht aufgegangen.

"Er ist nicht reingeplatzt in die Weltspitze", sagt Schuster. Freund sei kein Wunderkind wie Morgenstern oder Gregor Schlierenzauer.

Die Österreicher feierten mit jeweils 16 ihren ersten Weltcup-Sieg, Freund war in Sapporo 22 Jahre und acht Monate alt. "Er ist einen langen, steinigen Weg gegangen, hat stetig an sich gearbeitet", sagt Schuster.

"Es wird nicht einfacher"

Diese Beharrlichkeit soll Freund auch in Oslo weiterhelfen. (DATENCENTER: Ergebnisse Skispringen)

Er weiß: "Es ist nicht so, dass es einfacher wird, wenn man einmal vorne dabei ist - es wird eher noch schwieriger. Wenn man oben bleiben will, muss man sich verbessern."

Mit diesem Vorsatz geht er in jeden Tag, jeden Sprung. Auch in Oslo.

Schuster will Freund nicht zusätzlich unter Druck setzen. "Ich erwarte von ihm, dass er ordentlich springt und sich nicht irgendwo reindrängen lässt", sagt er.

Einsatzgarantie für Freund

Um Freund Ruhe zu geben, hat er ihm wie seinem Rastbüchler Klubkollegen Michael Uhrmann für die erste Entscheidung am Samstag auf der Normalschanze (ab 14.45 Uhr im LIVE-TICKER) eine Einsatzgarantie gegeben.

Die vier weiteren Springer um Martin Schmitt (Furtwangen) können sich im Training bis Donnerstagnachmittag für die beiden weiteren Startplätze empfehlen.

"Die kleine Schanze müsste uns ganz gut liegen, von unserer Sprunganlage her sind wir da neben den Österreichern sehr gut aufgestellt", sagt Schuster. Eine Medaille ist das Ziel, in den beiden Teamwettbewerben haben Freund und Co. sehr gute Aussichten.

Doch auch im Einzel könnte was gehen. "Es ist nicht so, dass ich mir die Sprünge von Sapporo aufschreiben könnte und mitnehmen kann in die WM", sagt Freund.

"Aber dass man mit mehr Selbstvertrauen reingeht, wenn man es mal geschafft hat, ist klar." So spricht nur ein echter Hoffnungsträger.

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