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Michael Uhrmann holte bei Olympia 2002 in Salt Lake City Gold © getty

Uhrmann wird bei seinem Ausstand zum Pechvogel und vergeigt die Führung. Bundestrainer Werner Schuster ist sauer auf die Jury.

Oslo - Michael Uhrmann blickte entsetzt auf die jubelnden Slowenen und war untröstlich (DATENCENTER: Ergebnisse Skispringen).

Mit dem letzten wirklich wichtigen Sprung in seiner langen und erfolgreichen Karriere hätte er Deutschland zum ersten Mal seit zehn Jahren Team-Gold auf der Großschanze bescheren können.

Doch Uhrmann hüpfte am windumtosten Holmenkollen auf lächerliche 110 Meter - und sogar noch am Podest vorbei. 0,7 Punkte, umgerechnet rund 39 Zentimeter, fehlten Uhrmann und Co. zu Bronze, das beim Abbruch nach dem ersten Durchgang Slowenien holte.

Uhrmann frustriert

"Ich habe überhaupt kein Gefühl gehabt, ich kam einfach nicht ins Fliegen", stammelte Uhrmann, als er wieder Worte gefunden hatte. Als er als drittletzter Springer der Abschlussgruppe in die Spur gegangen war, lag Deutschland sogar noch in Führung.

Doch Gold gewann wie gewohnt Österreich. Norwegen sicherte sich Silber vor Slowenien, das niemand auf der Rechnung hatte.

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Schuster sauer

Bundestrainer Werner Schuster haderte mit dem Jury-Entscheid, das Springen nach nur einem Durchgang abzubrechen.

"Das hat mich überrascht. Für mich war das fragwürdig und nicht nachvollziehbar. Das Ergebnis ist für uns alle sehr enttäuschend, Platz drei steht uns sportlich eigentlich zu", sagte er.

Besonders Pechvogel Uhrmann tat Schuster "persönlich richtig leid. Er ist sehr konsterniert". Auf der Normalschanze hatten seine "Adler" noch den dritten Rang belegt, diesmal blieb Martin Schmitt, Richard Freitag, Severin Freund und Uhrmann nur Blech.

Dabei hatte speziell Uhrmann, der seine Laufbahn im Frühling beendet, auf mehr gehofft.

Rekord für Österreich

Österreich schrieb indes Geschichte: Nach Gold durch Daniela Iraschko bei den Frauen gewannen die Alpenrepublik alle vier Wettbewerbe bei den Männern.

Seit Einführung des Teamspringens 1982 hatte es bei einer WM bisher noch nicht einmal ein Triple gegeben. Normalschanzen-Weltmeister Thomas Morgenstern holte gar schon seinen siebten WM-Titel - auch das ist ein Rekord.

"Wir können stolz sein, dass wir so eine WM hingebracht haben", sagte Morgenstern.

"Es tut mir leid für ihn"

Der Tournee-Sieger fühlte aber auch mit Uhrmann. "Es tut mir leid für ihn, er war eigentlich sehr gut drauf."

ÖSV-Chefcoach Alexander Pointner, dessen Springer Andreas Kofler seinen eigenen Schanzenrekord um eineinhalb auf 141 Meter steigerte, betonte:

"Wir sind verdient Weltmeister geworden, aber man muss sagen, dass es sehr an der Grenze war. Jeder hatte bei diesem Wettkampf Bauchschmerzen." Das galt wohl besonders für Uhrmann.

Trost von Freund

Klubkollege Freund spendete Trost. "Das ist halt Skispringen, und das ist halt auch der Holmenkollen", sagte er eingedenk der schwierigen Bedingungen an eine der trotz Schutzwällen windanfälligsten Anlage der Welt: "Wir machen das an der frischen Luft, da kann das passieren."

Freund zeigte im deutschen Team die zweitbeste Leistung hinter dem starken Freitag, der den viertbesten Sprung der gesamten Konkurrenz bot.

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