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Werner Schuster war selbst von 1987-1995 aktiver Skispringer © getty

Vor dem Weltcup-Auftakt in Kuusamo spricht Neu-Bundestrainer Werner Schuster über die neue deutsche Welle bei den DSV-Adlern.

Von Andreas Kloo

München - Der Österreicher Werner Schuster trat im März dieses Jahres die Nachfolge von Peter Rohwein als Skisprung-Bundestrainer an - zu einer Zeit, als die ehemaligen Aushängeschilder und Quoten-Garanten des Wintersports an ihrem Tiefpunkt angekommen waren.

Nur einen Sommer hat Schuster gebraucht, um gemeinsam mit seinem Ex-Weggefährten Horst Hüttel als Sportdirektor die deutschen Skispringer aus dem Tal herauszuführen.

Beim Sommer-Grand-Prix sprangen vier Deutsche unter die ersten Zehn, Georg Späth war sogar ganz vorne dabei, ehe er einen Kreuzbandriss erlitt.

Vor dem Weltcup-Auftakt am Wochenende im finnischen Kuusamo (ab Fr., 18 Uhr LIVE) spricht der Vorarlberger über Medaillenchancen bei der WM in Liberec, den österreichischen Wunderspringer Gregor Schlierenzauer und junge Wilde im deutschen Kader.

Sport1.de: Beim Sommer-Grand-Prix haben Michael Uhrmann und Martin Schmitt vielversprechende Leistungen gezeigt. Was haben Sie konkret in der Trainingsarbeit geändert, damit es bei den beiden wieder bergauf ging?

Werner Schuster: Wir haben das Rad nicht neu erfunden, aber sicherlich einige Veränderungen im Gesamtsystem herbeiführen können. Dazu gehört die zentrale Führung der Disziplin genauso wie eine verbesserte Kommunikation über alle Ebenen hinweg und der offene Umgang mit Trainerkollegen und Aktiven.

Sport1.de: Warum lief es bei den beiden zuletzt nicht so gut?

Schuster: Beide sind sensible und feinfühlige Athleten, die natürlichen Leistungsschwankungen unterliegen. Das ist nichts Außergewöhnliches. Unsere Aufgabe ist es, den Athleten die Möglichkeit zu bieten, diese Schwankungen möglichst gering halten zu können.

Sport1.de: Sind den beiden im Winter Podestplatzierungen zuzutrauen?

Schuster: Wir wollen mit einer verbesserten Mannschaftsleistung das Selbstwertgefühl der Athleten steigern. Wichtig ist, dass wir wieder das Gefühl haben, in Schlagdistanz zur Weltspitze zu sein. Wenn uns das gelingt, besteht auch die Chance für einzelne Springer, nach oben auszubrechen und Podestplatzierungen zu erreichen.

Sport1.de: Höhepunkte der Saison sind die Vierschanzentournee und die WM in Liberec. Wie lautet Ihre Zielsetzung im Hinblick auf diese beiden Events?

Schuster: Unser übergeordnetes Ziel ist es, die Trendwende zu schaffen. Zum einen den Negativtrend der letzten Jahre zu stoppen und die Top-Ten-Platzierungen im Weltcup wieder zu erhöhen. Zum anderen wollen wir parallel dazu die jungen Talente an die Weltspitze heranführen.

Sport1.de: Problematisch könnte der Team-Wettbewerb bei der WM sein. Georg Späth fällt die ganze Saison aus, Stefan Hocke ist nicht in Form. Eine Medaille wird so schwer möglich sein, oder?

Schuster: Das sehe ich anders. Unsere größten Chancen, Podestplatzierungen zu erreichen, haben wir bei den Mannschaftsspringen, da wir auf viele gute Springer im Team zurückgreifen können.

Sport1.de: Stefan Hocke ist in Kuusamo nicht am Start. Warum? Welche Probleme hat er derzeit?

Schuster: Ich schätze Stephan Hocke sehr. Seine Leistungen stagnierten im Herbst allerdings etwas und er ist dann in der internen Qualifikation für die ersten Weltcup-Einsätze gescheitert. Jetzt gilt es für ihn die Ärmel hochzukrempeln, sich mit guten Kontinental-Cup-Ergebnissen wieder für den Weltcup zu empfehlen.

Sport1.de: Die ganze Saison nicht mit von der Partie ist nach seinem Kreuzbandriss Georg Späth. Wie schwer wiegt sein Ausfall?

Schuster: Natürlich fehlt uns Georg, der beim Sommer Grand Prix als stärkster Springer im Team die Orientierung vorgab. Trotzdem können wir auf einen erfolgreichen Sommer zurückblicken und versuchen, den Schwung nun mitzunehmen. Wir hoffen natürlich, dass Georgs Verletzung gut ausheilt und er im nächsten Jahr wieder mit dabei ist. Jetzt aber konzentrieren wir uns auf die Athleten, die gesund sind.

Sport1.de: Im Kader für den Auftakt in Kuusamo sind dagegen die Jungen Andreas Wank, Felix Schoft, Severin Freund und Erik Simon. Wem trauen Sie aus diesem Quartett am ehesten den Sprung in die Weltcup-Ränge zu? Wer hat längerfristig betrachtet das größte Potential?

Schuster: Das Ziel für dieses Quartett ist es, zu punkten. Wir freuen uns über jeden erreichten Finaldurchgang. Neben diesen vier jungen Springern gilt es aber noch viele andere Nachwuchsathleten zu fordern und zu fördern. Wer letztlich den Sprung in die höchste Liga des Skispringens schaffen wird, ist nicht entscheidend. Wichtiger ist, dass es jemand schafft."

Sport1.de: Sie haben auch in Österreich mit vielen Talenten gearbeitet. War Gregor Schlierenzauer grundsätzlich ein solches "Über-Talent"? Oder hat er sich erst durch die gute Ausbildung in Österreich dazu entwickelt?

Schuster: Gregor Schlierenzauer ist ein außergewöhnlich talentierter Skispringer und dieses Talent wurde gefördert. Wenn sich wie bei Gregor Talent, Willenskraft und Fleiß paaren sind das ideale Voraussetzungen für den Erfolg im Skispringen."

Sport1.de: In dieser Saison führt wohl nur schwer ein Weg an Schlierenzauer vorbei. Wer werden seine größten Konkurrenten sein?

Schuster: Er hat sicher hervorragende Voraussetzung, auch in der kommenden Saison ganz oben zu stehen. Ich bin mir aber sicher, dass die Konkurrenz ihm das Leben schwer machen wird.

Sport1.de: Was ist für Sie der größte Wunschtraum für diese Saison: als österreichischer Trainer mit einem deutschen Springer am Berg Isel oder in Bischofshofen zu siegen?

Schuster: Ich konzentriere mich ganz pragmatisch auf meine Aufgaben. Meinen Wunschtraum hüte ich wie einen Schatz - in dem Moment, in dem ich ihn ausspreche, verliert er an Wirkung.

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