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Martin Schmiit will mit Hilfe des neuen Bundestrainers an alte Erfolge anknüpfen © getty

Gemeinsames Kochen, ein uriger Hüttenabend - es sind neue Wege, die Deutschlands Skispringer an die Spitze zurückführen sollen.

Lillehammer - Nach dem ersten Team-Podestplatz seit 657 Tagen verordnete der neue Chefcoach und Chefkoch Werner Schuster seinen Fliegern beim Sondertrainingslager in Lillehammer ein Wohlfühlprogramm für das Nervenkostüm.

Beim Weltcup in Trondheim, der am Freitag (ab 17 Uhr ) mit der Qualifikation beginnt, soll es weiter aufwärts gehen.

"Es war wie Weihnachten in Lillehammer. Es hat leicht geschneit und wir sind als Team wieder ein gutes Stück zusammengewachsen", berichtete Schuster nach zwei intensiven Tagen im norwegischen Winterwunderland.

Wo vor knapp 14 Jahren Goldschmied Reinhard Heß und seine Springer mit zwei Olympiasiegen die Dekade der Deutschen begründete, bat sein inzwischen dritter Nachfolger zum Teamaufbau der speziellen Art am Kochtopf. "Alle haben zusammen im Wok gekocht. Hat richtig gut geschmeckt", berichtete der 39-jährige Österreicher.

Der Kapitän hält das Schiff auf Kurs

Für die kalorienbewussten Flieger ging es dabei nicht in erster Linie um den Gaumengenuss, sondern viel mehr darum, gemeinsam den "durchwachsenen und ziemlich bescheidenen" Weltcup-Auftakt im finnischen Kuusamo zu verdauen.

"Das war das bisher schwierigste Wochenende in meiner Ära. Danach war ich als Psychologe gefragt, um das Schiff als Kapitän auf Kurs zu halten", bilanzierte Schuster seine Premiere als deutscher Chefcoach.

Zwar hatte es im windumtosten Kuusamo mit Platz drei im Team einen versöhnlichen Abschluss gegeben, aber das Einzelspringen mit einem zwölften Rang von Michael Neumayer als Topresultat zeigte die Defizite auf.

"Nicht sofort alles in Frage stellen"

"Nach den tollen Ergebnissen im Herbst war eine Erwartungshaltung in der Mannschaft da, die gelähmt und nicht beflügelt hat", analysiert Schuster: "Also mussten wir allen klar machen, dass man nicht sofort alles in Frage stellen darf. Unser Weg ist richtig, und wenn alle daran glauben, werden wir auch belohnt werden."

So gab es bis zum heimeligen Abschlussabend in den rustikalen Blockhütten von Lillehammer viele Gespräche mit Martin Schmitt und Co., einen halben Tag frei und "nebenbei" ganz individuelle Trainingsflüge.

Lob für Neumayer

Im Vergleich mit den überragenden Österreichern und den wiedererstarkten Japanern konnte Schuster dabei Erfreuliches vermelden: "Wir haben den Rückstand deutlich verringert. Michael Neumayer ist richtig gut gesprungen, Martin Schmitt und Michael Uhrmann haben einen Schritt nach vorn gemacht."

Jetzt hofft der ideenreiche Mann, der das Wir-Gefühl im Nationalteam nach seinem Amtsantritt im März mit einer gemeinsamen Radtour begründet hatte, auf Top-Ten-Platzierungen: "Die Hierachie in der Skisprung-Welt wird erst in den nächsten Wochen gebildet. Wir wollen bei der Vierschanzentournee in Höchstform sein."

Dass vor dem ersten Saisonhöhepunkt die Weihnachtsgans gemeinsam präpariert wird, ist freilich bislang nicht geplant

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