vergrößernverkleinern
Martin Schmitt schaffte fünf Top-Ten-Plätze in Serie © imago

Martin Schmitt hat unter dem neuen Bundestrainer Schuster ein tolles Comeback erlebt. Jetzt peilt er den Tournee-Sieg an.

Engelberg - Geheimfavorit Martin Schmitt verabschiedete sich mit einem Lächeln in den Weihnachtsurlaub.

Viele hatten ihn schon abgeschrieben, doch pünktlich vor der Vierschanzen-Tournee ist der viermalige Weltmeister so gut in Form wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Der neue Bundestrainer Werner Schuster hat Schmitt im Herbst seiner Karriere noch einmal beflügelt, und schon glaubt die Skisprung-Welt wieder an die Rückkehr des 28-maligen Weltcupsiegers aufs Siegerpodest.

"Martin Schmitt ist einer, der weiß, wie man gewinnt. So etwas verlernt man nicht. Er kann auch bei der Tournee angreifen", sagt Skisprung-Chef Walter Hofer vom Internationalen Skiverband FIS.

Fünf Top-Ten-Plätze

Fünf Top-Ten-Plätze in Serie hat der 30-Jährige abgeliefert, zuletzt war er nach einem stetigen Aufwärtstrend Vierter bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg und auf Augenhöhe mit dem Favoritentrio Simon Ammann (Schweiz), Gregor Schlierenzauer und Wolfgang Loitzl (beide Österreich).

Alle drei bezeichnen Schmitt vor dem Auftakt am 28. Dezember in Oberstdorf als "einen, der die Tournee gewinnen kann", doch der Routinier fühlt sich wohl in der Rolle des Jägers.

"Ich setze mich doch nicht unter Druck und sage: Ich siege. Der nächste Schritt wäre erstmal ein paar Mal auf dem Podest zu landen, dann kann man über Siege reden. Ich weiß, was dafür nötig ist", sagt Schmitt.

Nerven behalten

Bei der Tournee ist es entscheidend, die Nerven zu behalten, das hat der Schwarzwälder bei bislang 13 Teilnahmen gelernt.

Schon mehrmals war er als haushoher Favorit wie jetzt Ammann oder Schlierenzauer angetreten und gescheitert.

Für den Olympiasieger und Weltmeister ist es der größte Traum, einmal in der Gesamtwertung des Skisprung-Grand-Slams ganz oben zu stehen.

In Oberstdorf und Garmisch gewonnen

Die Einzelspringen in Oberstdorf (1998 bis 2000) und in Garmisch-Partenkirchen (1999) hat er schon gewonnen, in Innsbruck und Bischofshofen stand er schon auf dem Podest.

Er denkt aber nach Engelberg nicht daran, sondern freut sich auf Weihnachten mit der Familie. (Alle Wintersport-News)

Damit er die nötige Kraft schöpfen kann, musste er am Montag nicht wie ein Teil des deutschen Teams in Oberstdorf trainieren: "Ich habe schöne Erinnerungen an die Siege bei der Tournee. Aber ich werde Abschalten und nicht zu viel nachdenken. Du musst heiß sein, wenn es losgeht."

Schuster macht Schmitt stark

Chefcoach Schuster weiß um die guten Außenseiter-Chancen seines Vorfliegers, doch er will ihm "keinen zu großen Rucksack" aufbinden. Es ist fast wie eine Liebe auf den ersten Blick zwischen dem im April angetretenen Trainer aus Österreich und dem deutschen Routinier.

"Beim ersten Gespräch habe ich gemerkt: Der will ja wirklich und nicht nur die Zeit absitzen. Martins Entwicklung ist phänomenal, es ist eine Freude, ihm zuzuschauen", sagt Schuster.

Schmitt sagt, dass er unter die Enttäuschungen der letzten Jahre endlich einen Schlusstrich gezogen und durch "neue Ideen und die andere Philosphie von Werner einen emotionalen Neubeginn" gemacht hat.

Flug umgestellt

Er stellte im Sommer fast alles an seinem Flug um. Jetzt fühlt er sich vom Grundniveau fast so gut wie zu seinen besten Zeiten. So wie in der Saison 2001/2002, als er Team-Olympiasieger und Vizeweltmeister im Skifliegen wurde, zum bis dato letzten Mal fünfmal in Serie unter die Top Ten sprang und am 1. März 2002 in Lahti seinen letzten Weltcup gewann.

In den sieben Jahren seitdem hatte er immer wieder mal ein kurzes Aufflackern wie seinen letzten Podestplatz am 11. März 2007, "aber diesmal ist meine Qualität wesentlich besser".

Was Schmitts neuer Höhenflug für das erfolgsentwöhnte deutsche Skispringen bedeutet, beschreibt Michael Neumayer: "Er kann die Medien beruhigen, und wir können im Hintergrund ruhig arbeiten. Das ist das Beste für das deutsche Skispringen, wenn unser Vorzeigeathlet vorn mitspringt."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel