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Severin Freund gewann letzte Saison Springen in Sapporo und Willingen © getty

Severin Freund sieht sich vor dem Auftakt in Kuusamo als gefährlichen Außenseiter. Von Dieter Thoma erntet er bei SPORT1 großes Lob.

Von Rainer Nachtwey

München - Es war sein Jahr, sein Durchbruch.

Der erste Weltcupsieg, die Bestätigung 15 Tage später, nach Platz 42 im Vorjahr - unter anderem hinter Lukas Rotkowski oder Fumihisa Yumoto - zum siebtbesten Skispringer des Winters.

Severin Freund hat es geschafft.

Zwei Weltcup-Triumphe in einer Saison gelangen einem deutschen Skispringer zuletzt in der Saison 2001/2002. Das war Sven Hannawald.

Dass daher die Erwartungen an ihn vor dem Saisonauftakt in Kuusamo (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) gestiegen sind, weiß er. "Klar kommt von außen mehr Druck", sagt Freund mit einem Lächeln auf den Lippen, als ginge es ihn nichts an.

"Man muss seine Leistungen vor sich selbst verantworten", sagt Freund. "Und letzte Saison ist für mich ja richtig gut gelaufen."

Video-Studium im Sommer

Wenn Freund auf den Winter 2010/11 zurückblickt, sieht er jedoch nicht nur das Glitzern und Glänzen mit den zwei Siegen. (DATENCENTER: Ergebnisse Skispringen)

"Wenn man das Ganze mit Abstand betrachtet und sich Videos ansieht, dann sieht man nach wie vor Verbesserungsbedarf. Daher ist mir im Sommer sicherlich nicht langweilig geworden, wir haben einiges ausprobiert", sagt Freund und kündigt an, an die erfolgreiche Saison anknüpfen zu wollen.

"Wenn man ganz oben auf dem Podium steht, ist es der absolute Hammer. Das möchte man unbedingt wiederholen."

Alles, was ein Spitzensportler auszeichnet

Dass ihm das gelingen wird, davon ist Bundestrainer Werner Schuster überzeugt. "Wenn er sein Paket schnürt, kann er einer der besten, an speziellen Tagen sogar der beste Springer der Welt sein", sagt der Österreicher im SPORT1-Interview ("Den Gesamtsieger Martin Schmitt wird es nie mehr geben").

Und auch Dieter Thoma glaubt an die Fortsetzung von Freunds Aufschwung. "Seine Leistungen im Sommer waren sehr vielversprechend", schätzt der Tournee-Sieger von 1990 bei SPORT1 ein. "Wenn er gesund bleibt, ist er auf jeden Fall vorne dabei."

"Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er arbeitet sehr akribisch", beschreibt Thoma den 23-Jährigen aus dem bayrischen Wald.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Schuster: "Ihn zeichnet eine Beharrlichkeit und Konsequenz aus, die Spitzensportler wirklich brauchen."

Abschaltenbeim Lernen

Gleichzeitig strahlt Freund eine unglaubliche Ruhe aus, wirkt locker und gelöst.

Dabei bleibt ihm selbst in der Skisprung- und trainingsfreien Phase nicht viel Zeit zum Entspannen. "Ich habe im Sommer ein paar Prüfungen für die Uni geschrieben ", erzählt der, der Student für International Management ganz beiläufig und schiebt hinter her: "Im Winter nehme ich wieder ein Urlaubssemester".

Es klingt, als wäre es das Natürlichste der Welt. "Beim Lernen kann ich sehr gut abschalten", begründet es Freund.

Gefährlicher Außenseiter

Mit dieser Lockerheit und Beharrlichkeit hat es Freund an die Weltspitze geschafft. Zu den großen Favoriten zählt er sich in der kommenden Saison dennoch nicht, aber er will die Hauptrolle als Jäger einnehmen.

"Ich sehe mich nicht in der Favoritenrolle, sondern in der des gefährlichen Außenseiters. Favoriten sind Morgenstern und Schlierenzauer, die Weltcups in Serie gewonnen haben", schätzt Freund seine Chancen vor dem Auftakt im Norden Finnlands ein.

Morgenstern und Schlierenzauer oder Schlierenzauer und Morgenstern - die beiden Namen fallen immer, sobald es um die Aussichten für den Winter geht.

Schlierenzauer einen Tick vor Morgenstern

Die beiden Österreicher gelten für die kommende Saison wieder als das Nonplusultra.

"Das sind Ausnahmeerscheinungen. Wenn diese beiden Ausnahmesportler in Form sind, wird es für jeden Springer schwer sie zu schlagen", prophezeit Schuster.

Freund und Schuster schätzen den Tiroler Gregor Schlierenzauer einen Tick stärker ein als den Kärtner Thomas Morgenstern.

"Schlierenzauer scheint groß in Form ", meint Freund und Schuster sagt: "Schlierenzauer ist stärker als im vergangenen Jahr, obwohl er da am Ende Weltmeister wurde."

Schwärmen von der Tournee

Wer auch immer es ist, der besser in Form ist oder zu sein scheint, Freund will sie eh beide schlagen. Am liebsten bei der Vierschanzen-Tournee, dem Höhepunkt im sogenannten Zwischenjahr.

"Die Vierschanzen-Tournee hat einen enormen Stellenwert. Die Tradition, die Atmosphäre. Wenn man einen Sprung verhaut, kann alles schon vorbei sein. Das ist alles der Wahnsinn", schwärmt Freund, beginnt zu strahlen und fährt voller Begeisterung fort vom Auftaktspringen in Oberstdorf zu erzählen.

"Wenn man auf dem Backen sitzt, runterschaut und die Nebelschwaden dann hochsteigen, ist das Wahnsinn."

Und wenn man ihm zuhört, glaubt man auch, dass er wieder etwas schaffen kann.

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