vergrößernverkleinern
Martin Schmitt wurde 2000 und 2001 Dritter bei der Vierschanzen-Tournee © getty

Martin Schmitt arbeitet an seinem Comeback. Laut Bundestrainer Schuster wird er "nie mehr an seine großen Siege anknüpfen".

München/Lillehammer - Als die Youngster Severin Freund und Richard Freitag nach ihrem Flug in die Weltspitze am Montag auf dem Heimweg waren, trainierte Altstar Martin Schmitt in Lillehammer für sein Weltcup-Comeback.

Der 33-Jährige wird wohl bei den Springen am Wochenende in der norwegischen Olympiastadt von 1994 ins deutsche Team zurückkehren.

Ob der Team-Olympiasieger und viermalige Weltmeister von einst allerdings noch eine Verstärkung ist, darf nach dem guten Auftritt seiner Nachfolger in Kuusamo bezweifelt werden. (DATENCENTER: Ergebnisse Skispringen)

Schmitt nicht mehr unantastbar

"Wenn einer in Zukunft mal zu einem richtigen Siegspringer wird, dann einer von den Jungen", sagt Bundestrainer Werner Schuster.

Unantastbar ist der große Martin Schmitt längst nicht mehr, deshalb hatte der Österreicher beim Weltcup-Auftakt auch wegen Formschwäche auf seinen prominentesten Mann verzichtet.

Zu lange hatte der Schwarzwälder an einer Knieverletzung laboriert, seine Trainingsleistungen waren nicht einmal gut genug für die Top 30 der Welt.

Schuster wartet noch ab

Jetzt jedoch übt der Routinier mit seinem Heimtrainer Stefan Horngacher in Lillehammer und erhofft sich am Wochenende durch die Trainingssprünge auf dem kleinen Bakken einen kleinen Vorteil gegen die junge Konkurrenz.

"Es war gut, die Leute zu Hause zu lassen und dann nach Lillehammer zu schicken, damit sie einen optimalen Einstieg haben. Allerdings ist die letzte Entscheidung über unser Team in Lillehammer noch nicht gefällt", sagt Schuster.

Er will noch die Trainingsleistungen von Schmitt in Lillehammer abwarten und dann abwägen, ob er ihn wirklich einsetzt.

"Sehr zufrieden mit unserer Situation"

Schmitt ("Ich will mir die letzte Sicherheit erarbeiten") möchte dort in jedem Fall ins sechsköpfige deutsche Team zurückkehren.

Die Latte liegt hoch, denn beim ersten Einzel-Weltcup von Kuusamo schafften fünf deutsche Athleten den Sprung in die Top 30 der Welt. "Fünf Leute in den Punkten - das hatten wir so beim Auftakt noch nie. Ich bin sehr zufrieden mit unserer Situation", erklärte Schuster dazu.

Mit Severin Freund (23) auf Platz sechs und Richard Freitag (20) als Neunter sprangen zwei junge Leute in die absolute Weltspitze.

"Reifeprüfung bestanden"

"Sie haben beide ihre Reifeprüfung bestanden. Sie sind in die Top Ten gesprungen - ohne technisch Glanzlichter zu setzen", kommentierte Schuster.

Wenn seine beiden neuen Vorflieger irgendwann wirklich Glanzleistungen abliefern, dann können sie nach Meinung des Chefcoachs "auch mal um den Sieg mitspringen".

Die Aussage zeigt das gewachsene Selbstbewusstsein im deutschen Team, schließlich hatten die Österreicher am Polarkreis mit einem Dreifachsieg einmal mehr überlegen triumphiert.

"Ein paar Springer auf dem Level der Österreicher"

"Ich sehe ein paar Springer, die auf dem Level der Österreicher springen können. Der Pole Stoch, Olympiasieger Simon Ammann", sagt Schuster: "Aber dann kommen schon sehr, sehr schnell unsere Leute."

Damit meint er selbstverständlich Freund und Freitag, nicht Martin Schmitt. Dessen letzter von insgesamt 28 Weltcup-Siegen liegt bereits fast zehn Jahre zurück, und Schuster ist sich sicher, dass Martin "nie mehr an seine großen Siege anknüpfen wird". (EXKLUSIV: Bundestrainer Schuster: "Den Gesamtsieger Martin Schmitt wird es nie mehr geben")

Er braucht Schmitt aber als Führungsfigur im Team und vielleicht auch als Teamspringer: "Der Prozess des Generationswechsels ist im Gange, aber noch nicht abgeschlossen."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel