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Schmitt lag nach dem ersten Durchgang des Neujahrsspringens noch auf Platz drei © imago

Wie in Oberstdorf kostet den Deutschen ein schwächerer zweiter Sprung alle Chancen. Wolfgang Loitzl feiert seine Sieg-Premiere.

Garmisch-Partenkirchen - Als Martin Schmitt auch beim Neujahrsspringen an seinen Nerven gescheitert war, hockte er als Achter tieftraurig im Schnee.

Wieder einmal hatte der 30-Jährige den Sprung aufs Podest verpasst.

Stattdessen wurde der "ewige Zweite" Wolfgang Loitzl nach dem ersten Weltcup-Sieg seiner langen Karriere auch als neuer Gesamt-Spitzenreiter der 57. Vierschanzentournee auf den Schultern seiner Kollegen durchs Stadion von Garmisch-Partenkirchen getragen.

"Die Enttäuschung ist riesig"

"Die Enttäuschung ist riesig. Wie in Oberstdorf hat einfach der letzte Kick Selbstvertrauen gefehlt. Ich weiß auch nicht, was da passiert ist", sagte Schmitt zerknirscht. Nach seinem blitzsauberen Sprung auf 135 Meter lag er auf Platz drei und hatte wie schon beim Auftaktspringen in Oberstdorf seinen ersten Tournee-Podestplatz seit acht Jahren vor Augen.

Dann jedoch folgte der Absturz auf 124 Meter und 26.000 Zuschauer inklusive Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner waren frustriert. "Ich war gelöst und klar im Kopf, habe angegriffen und es hat doch nicht geklappt", meinte Schmitt: "Es wird einige Zeit brauchen, das zu verarbeiten."

Loitzl auch in der Gesamtwertung vorne

Mit 245,2 Punkten lag er am Ende deutlich hinter Sieger Loitzl (276,3), der mit einem tollen Sprung auf 136,5 Meter noch den nach dem ersten Durchgang deutlich führenden Oberstdorf-Sieger Simon Ammann (274,6) bezwang. In der Tournee-Gesamtwertung führt Loitzl in einem Zweikampf jetzt mit 0,5 Zählern Vorsprung vor Ammann.

"Das ich den ersten Sieg meiner Karriere ausgerechnet beim wichtigsten Springen der Saison feiere, ist geil. Ich bin in der Form meines Lebens und will die Tournee gewinnen", sagte Loitzl.

Bundestrainer mit Zweckoptimismus

Schmitt hat in der Gesamtwertung als Sechster mit 42,5 Zählern Rückstand wohl bereits alle Chancen verspielt. Bundestrainer Werner Schuster machte dennoch auf Zweckoptmismus:

"Der Loitzl hat 29 Jahre auf seinen ersten Weltcup-Sieg warten müssen, da wird es der Martin doch auch wieder zum Podest schaffen. Er wollte es unbedingt, aber er muss warten können. Er hat bei der Tournee noch alle Chancen." Sportdirektor Thomas Pfüller war enttäuscht: "Natürlich war nach der guten Ausgangsposition mehr drin. Aber Schuster wird die Mannschaft wieder aufrichten."

Nur Schmitt unter den Top Ten

Das deutsche Team, das in Oberstdorf noch mit drei Springern unter die Top Ten geflogen war, konnte nicht an die starken Leistungen des Auftaktspringens anknüpfen und ist bis auf Schmitt nicht mehr unter den besten zehn der Gesamtwertung vertreten.

Michael Uhrmann belegte Platz 14 in Garmisch-Partenkirchen. "Die Bedingungen waren schwierig, aber meine Leistung ganz o.k. Es ist nur bitter, dass es Martin nicht aufs Podest geschafft hat", erklärte er.

Stephan Hocke, Team-Olympiasieger von 2002, landete auf Platz 20 erneut in der erweiterten Weltspitze. Der Vorjahresdritte Michael Neumayer warf dagegen nach einem schwachen zweiten Sprung und Platz 24 enttäuscht seine Ski in den Schnee: "Ich hatte ganz schlechten Wind".

Wank gewinnt Duell gegen Malysz

Junioren-Weltmeister Andreas Wank holte wie schon in Oberstdorf als 30. einen Weltcup-Punkt und besiegte dabei im K.o.-Duell im ersten Durchgang den ehemaligen Tourneesieger Adam Malysz (Polen). "Das war schon ein gutes Gefühl, wenn so eine Persönlichkeit wie Malysz einem die Hand drückt", sagte Wank.

Neben dem erfahrenen Quartett um Martin Schmitt nominierte Chefcoach Schuster die Talente Felix Schoft (32.), Tobias Bogner (38.) und Pascal Bodmer (45.) für die restlichen beiden Tourneespringen. Wank und Severin Freund kehren dafür beim Skiflug-Weltcup am kommenden Wochenende in Bad Mitterndorf/Österreich ins deutsche Team zurück.

Ammann im Gesamtweltcup vorn

Schmitt war zum letzten Mal am 29. Dezember 2000 als Sieger von Oberstdorf aufs Tournee-Podest geflogen. Nach seinem ersten Sprung war er noch gelöst gewesen: "Innerlich habe ich gelächelt. Es war toll da oben auf dem Balken zu sitzen und die Unterstützung der Zuschauer zu spüren. Das pusht." Dann jedoch versagten wieder einmal die Nerven.

"Ich werde erstmal eine Nacht drüber schlafen. Die Welt ist noch nicht untergegangen. Es ist nicht alles in Ordnung bei mir, aber fast alles. Realistisch betrachtet ist ein Platz unter den besten Fünf möglich. Mein Hauptziel ist es, weiter konstant Sprünge auf hohem Niveau zu machen", gab er an.

Im Gesamtweltcup führt Ammann mit 765 Zählern weiter souverän, Schmitt ist als Siebter auch für das dritte Tourneespringen in Innsbruck am Sonntag vorqualifiziert.

Der Skisprung-Grand-Slam wird am 6. Januar mit dem Dreikönigsspringen in Bischofshofen abgeschlossen. Für den Gesamtsieger gibt es einen 30.000 Euro teuren Geländewagen - zumindest über den muss sich Martin Schmitt jetzt keine Gedanken mehr machen.

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