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Martin Schmitt rangiert nach zwei Springen auf Platz sechs der Gesamtwertung © getty

Den großen Wurf hat Martin Schmitt bei der 4-Schanzen-Tournee noch nicht geschafft. Wo die Ursachen dafür liegen, ist bekannt.

Garmisch-Partenkirchen - Bundestrainer Werner Schuster hat das Wort Enttäuschung verboten, und Martin Schmitt glaubt auch nach seiner Flattereinlage am Neujahrstag weiter an seine Rückkehr aufs Podest.

"Ich sehe das nicht als psychologisches Problem an und lasse mich nicht verrückt machen. Ich habe große Lust, nach Innsbruck zu fahren und Ski zu springen", sagte Schmitt.

Seinen Blick richtet er bereits auf die dritte Station der 57. Vierschanzentournee am Sonntag (So., ab 13.45 Uhr LIVE)

Der Kopf macht nicht mit

Den großen Frust nach seinem achten Platz beim Neujahrsspringen (DATENCENTER: Ergebnisse Garmisch-Partenkirchen) schwitzte der viermalige Weltmeister am Freitag nach der kurzen Fahrt nach Innsbruck beim Athletiktraining und einem Spiel in der Halle aus.

Wie schon beim Auftaktspringen in Oberstdorf hatte er auch in Garmisch-Partenkirchen als Dritter nach dem ersten Sprung den ersten Tournee-Podestplatz seit acht Jahren vor Augen, doch dann spielte der Kopf verrückt.

"Natürlich steigt die Erwartungshaltung bei mir und der Öffentlichkeit. Aber es geht halt nicht mit der Brechstange", meinte Schmitt am Tag danach.

Jetzt sei Selbstdisziplin gefragt, um sich nicht runterziehen zu lassen: "Aber ich mache eine gute Entwicklung durch und die wird weitergehen." In der Tournee-Gesamtwertung hat er als Sechster mit 42,5 Punkten Rückstand auf Neujahrssieger Wolfgang Loitzl - das sind umgerechnet 24 Meter - wohl alle Chancen verspielt. (Schmitt im Pech)

Duell um den Gesamtsieg

Der Österreicher duelliert sich mit den 0,5 Punkte oder 28 Zentimeter zurückliegenden Schweizer Simon Ammann um den Triumph beim Skisprung-Grand-Slam.

Das, so glaubt zumindest der viermalige Tourneesieger Jens Weißflog, wird den als Geheimfavorit angetretenen Schmitt "vom Druck befreien und ihm die Situation einfacher machen".

Zumal er in Österreich jetzt nicht mehr so unter Beobachtung der deutschen Skisprung-Fans steht, von denen in der Spitze bis zu 7,65 Millionen beim Neujahrsspringen zugeschaut hatten.

Ein Lächeln auf Schmitts Lippen

Der gelernte Psychologe Schuster richtete den tief enttäuschten Schmitt wieder auf und zauberte sogar ein Lächeln auf seine Lippen: "Ich kann mit dem Wort Enttäuschung nichts anfangen, die Zeit war für Martin einfach noch nicht reif. Wir dürfen jetzt nicht beginnen, die Dinge schlecht zu reden. Wir sind weiter auf einem guten Weg."

Schmitt habe eine große Sehnsucht nach einem Podestplatz als Motor - und stehe sich dabei manchmal selbst im Weg: "Es genügt ihm nicht, wieder viele lila Kappen zu sehen. Er will nach ganz vorn."

Und mit jeder Situation, in der er in Rufweite des Sieges sei, steige die Wahrscheinlichkeit auf den langersehnten Triumph.

Dass es nach dem Rückschlag beim Sprung ins neue Jahr jetzt ausgerechnet nach Innsbruck geht, ist für das deutsche Team ein Segen.

Reunion des Aufschwungs

Im vergangenen Sommer gewannen Schmitt und Co. auf der Bergiselschanze sensationell einen Skisprung-Länderkampf gegen die Überflieger aus Österreich mit 3:2 - der Anfang des Aufschwungs unter dem neuen Chefcoach Schuster. "Da haben die Jungs gemerkt, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen. Ich werde sie daran erinnern", sagt Schuster.

"Nerven im Griff haben"

Der Österreicher hält das derzeitige Zwischenergebnis nach einem starkem Auftritt mit drei Deutschen unter den Top Ten in Oberstdorf und dem Rückschlag am Neujahrstag für eine realistische Widerspiegelung des Leistungsvermögens.

"Wenn wir bei den restlichen beiden Tourneespringen mit Schmitt, Uhrmann und Neumayer wieder unter den Top Ten sind, können wir mehr als zufrieden sein", sagt Schuster: "Aber wie man in Österreich sagt, müssen wir schauen, dass alle ihre sieben Zwetschgen beisammen haben." Zu deutsch: Sie müssen ihre Nerven im Griff behalten.

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