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Severin Freund begann seine Karriere 1993 zunächst mit der Nordischen Kombination © getty

Vor einem Jahr ging in Willingen der Stern von Severin Freund auf, nun kehrt der 23-Jährige an die Mühlenkopfschanze zurück.

Willingen - Stadion-DJ Frank Seidel hat die Musik schon ausgewählt.

"Heidi" für den Schweizer Simon Ammann, ein Wiener Walzer für den Österreicher Gregor Schlierenzauer und eine schmissige Fanfare für Severin Freund.

Wenn der Weltcup-Zirkus am Wochenenende in Willingen Station macht (ab Sa., 16 Uhr im LIVE-TICKER), hat jeder Skispringer traditionell seine eigene kleine Hymne.

Offen ist nur, welcher Song ganz am Ende gespielt wird - wenn auf der Mühlenkopfschanze der neue Sieger gekürt wird.

Durchbruch an die Weltspitze

Vor einem Jahr war das Freund. Nur zwei Wochen nach seinem überraschenden Premierensieg in Sapporo gewann der deutsche Shootingstar seinerzeit auch in Willingen und schaffte den endgültigen Durchbruch in die Weltspitze.

Seither hat der 23-Jährige aus Rastbüchl zwar kein Springen mehr gewonnen, aber immerhin vier Podestplätze verbucht - den letzten vor einer Woche im italienischen Predazzo.

Die Chancen auf einen erneuten Coup stehen daher gar nicht schlecht. "Ich bin zuletzt wieder auf einem guten Niveau gesprungen. Willingen wird cool, ich hoffe auf eine paar richtig schöne Sprünge", sagt der DSV-Adler.

"Man fängt immer bei Null an"

Doch Freund hat auch ein warnendes Beispiel: Sapporo. "Auch da bin ich als Titelverteidiger angetreten - und habe prompt den zweiten Durchgang verpasst. Man fängt eben immer wieder bei Null an", sagt Freund, der in Japan den Tiefpunkt seiner Berg- und Talfahrt erlebte (DATENCENTER: Die Saison 2011/2012).

Dann kam Predazzo mit den starken Rängen zwei und fünf.

"Severin hat eine enorme mentale Stärke. Er steht nach Misserfolgen am nächsten Tag auf und fängt wieder bei Null an", sagt Bundestrainer Werner Schuster über das Comeback des WM-Siebten.

Mini-Tief überstanden

Und so scheint es, als hätte Freund sein Mini-Tief durchschritten.

"Nach Sapporo war ich schon ein wenig angefressen. Wenn man Leistungssportler ist und vorne dabei sein will, dann muss einen so etwas auch aufregen. Predazzo hat mir daher sehr gut getan", sagt Freund, der im Gesamtweltcup auf Platz acht geklettert ist.

Diesen Rückenwind will er nun mit nach Willingen nehmen: "Unabhängig von meinem Vorjahressieg bin ich hier immer gern gesprungen. Wenn man ins Fliegen kommt, kann man hier Spaß haben."

Generalprobe für Skiflug-WM

Apropos Fliegen: Die Team-Tour mit ihren Stationen Willingen, Klingenthal und Oberstdorf dient nicht zuletzt als Generalprobe für die Skiflug-WM in Vikersund (23. bis 26. Februar), und das weiß auch Freund (Team-Tour: Mit Heimvorteil gegen Austria-Adler)

"Die Schanze in Willingen kommt einer Flugschanze am nächsten, daher wird das Springen doppelt wichtig", sagte der deutsche Hoffnungsträger, der in Norwegen auf eine Medaille hoffen darf - ebenso wie sein Zimmerkollege Richard Freitag (Aue), der zuletzt ebenfalls aufsteigende Form bewies.

Wie zu Schmitts und Hannis Zeiten

Zumindest in Willingen sind die deutschen Vorflieger gefragt wie lange nicht.

Als das deutsche Team am Donnerstag im Sauerland ankam, warteten wie zu Zeiten von Martin Schmitt und Sven Hannawald zahlreiche jugendliche Fans auf ihre Stars.

Zwar stand Richard Freitag da noch im Stau, doch Freund sprang in die Bresche und erfüllte brav die Autogrammwünsche. "Der Rummel ist hier schon groß, aber dafür werden wir auch eine tolle Unterstützung im Stadion haben", sagte Freund.

Insgesamt 30.000 Zuschauer werden am Wochenende in Willingen erwartet, die Temperaturen sollen auf zehn Grad unter Null fallen. Dicke Ohrenwärmer könnten da nicht schaden. Auch wenn die Hymne für den Sieger dann etwas leiser ausfallen wird.

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