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Richard Freitag gab sein Weltcup-Debüt im Dezember 2009 bei der Vierschanzentournee © getty

Der "Monster-Bakken" wartet, doch die Generalprobe misslingt: Die deutschen Skispringer segeln in Oberstdorf am Podest vorbei.

Oberstdorf - Ein zehnter Platz im Einzel durch Hoffnungsträger Severin Freund, Rang vier mit der Mannschaft - mehr war wenige Tage vor der Reise zur größten Schanze der Welt im norwegischen Vikersund für die DSV-Adler in Oberstdorf nicht drin.

In die Favoritenrolle schob sich überraschend der Österreicher Martin Koch, der in seiner Heimat schon abgeschrieben worden war.

"Wir waren mit unseren Top-Leuten nur in der Nebenrolle. Wir sind zu fehlerhaft gesprungen, das müssen wir akzeptieren", sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Schuster fordert WM-Medaille

Am WM-Ziel ändere das aber nichts. "Es bleibt bei der Ansage: Wir wollen mit der Mannschaft eine Medaille. Davon rücken wir keinen Millimeter ab", sagte Schuster.

Auch im Einzel sieht der Österreicher seine Schützlinge "nicht ganz chancenlos, auch wenn das eine große Überraschung wäre".

Zumindest im nach einem Durchgang abgebrochenen Teamwettbewerb ließen die deutschen Vorspringer ihr Können noch einmal aufblitzen:

Freitag stand mit 213 Metern den weitesten Sprung seiner Karriere, Freund landete bei 211 m. Doch für mehr als Rang vier reichte auch das nicht (BERICHT: Freund und Freitag abgekocht).

"Es lief noch nicht rund", sagte der 23 Jahre alte Freund. Auch in der Endabrechnung der Team-Tour landeten die DSV-Adler "nur" auf dem vierten Platz.

Den Sieg und damit einen Scheck über 100.000 Euro holten sich zum dritten Mal in Folge die Österreicher.

Kochs Flugshow

Eine wahre Flugshow zeigte Martin Koch, dem Ende Januar wegen Rückenproblemen noch ein drohendes Karriereende angedichtet worden war.

Der 30-Jährige gewann wie im Vorjahr überlegen die Einzelkonkurrenz und überzeugte auch mit der Mannschaft.

"Ich bin in dieser Saison von ganz hinten gekommen, viel weiter hinten wäre fast nicht mehr gegangen", sagte der neue WM-Favorit.

Prevc bricht sich Schlüsselbein

Für seinen Konkurrenten Peter Prevc ist der WM-Traum dagegen vorbei. Der Slowene erlitt bei einem Sturz, in dessen Folge er kurz das Bewusstsein verlor, einen Schlüsselbeinbruch.

Der deutsche Hoffnungsträger Richard Freitag zeigte derweil in Oberstdorf, dass ein guter Springer nicht unbedingt ein guter Flieger ist.

Noch in der Entwicklungsphase

Nur Platz 18 im Einzel, eine gelungene WM-Generalprobe sieht anders aus. "Ich bin natürlich unzufrieden. Mal schauen, ob wir das noch hinbekommen", sagte der 20-Jährige, bevor er sich am Sonntag mit einem starken Auftritt doch noch ein wenig Rückenwind holte (DATENCENTER: Die Saison 2011/2012).

"Richie ist im Skifliegen noch in einer Entwicklungsphase, da muss man ihn in Schutz nehmen", sagte Schuster.

Für eine Medaille im Team bedarf es ohnehin vier guter Springer.

Der Höhenflug von Andreas Wank kommt da gerade recht: Platz 13 an seinem 24. Geburtstag bewies die aktuelle Topform des 1, 90-Meter-Riesen, der als Nummer drei hinter Freund und Freitag zur WM fährt.

WM-Paket geschnürt

Ebenfalls ihr Ticket nach Norwegen erhielten Michael Neumayer und Maximilian Mechler, auf eine sechste Nominierung verzichtete Schuster.

"Ich denke, ich habe für die WM mein Paket geschnürt. Derzeit läuft es einfach", sagte Wank, dem an seinem Geburtstag mit 209,5 Metern eine persönliche Bestleistung gelang.

Von Bundestrainer Schuster erhielt er dafür ein Extralob: "Andreas hat ein Löwenherz. Mit 2,72-Meter-Ski über 200 Meter zu springen ist eine fantastische Leistung. Das ist fast wie ein Sieg."

Erster 250-Meter-Flug der Geschichte erwartet

Noch weiter hinaus soll es bei der WM in Vikersund gehen, die am Donnerstag mit der Qualifikation startet.

Nach einem erneuten Umbau erwarten die Organisatoren den ersten 250-Meter-Flug der Geschichte. "Es muss alles passen: der Sprung, die Bedingungen, die Anlauflänge. Dann ist so ein Flug möglich", glaubt auch Schuster.

Seine eigenen Schützlinge wird er dabei eher nicht im Kopf gehabt haben.

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