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Martin Koch gewann im Skifliegen 2008 und 2010 WM-Gold mit der Mannschaft © getty

Nach seinem Sieg in Oberstdorf schlüpft der Österreicher bei der Skiflug-WM in Vikersund in die Favoritenrolle.

Vikersund - Manchmal reichen drei Wörter, und alles ist gesagt.

"Given to fly", die "Gabe des Fliegens", heißt der Hit der US-Rockband Pearl Jam, den Skispringer Martin Koch nach seinem Sieg in Oberstdorf auf seiner "Facebook-Seite" verlinkte.

"Mehr brauche ich nicht zu sagen", schrieb der Österreicher, der mit seinen langen Haaren selbst ein wenig wie ein Rocker aussieht.

Kurz zuvor war der 30-Jährige mit 218 und 221,5 Metern zweimal Bestweite geflogen - aus dem Sorgenkind war plötzlich der Favorit für die Skiflug-WM am Wochenende in Vikersund (Fr., ab 16.30 Uhr im LIVE-TICKER) geworden.

Koch "für diese Disziplin geboren"

Die Gabe des Fliegens - nur wenige Skispringer sind damit so gesegnet wie Martin Koch.

"Bei ihm ist das ein Urinstinkt. Auf den größten Schanzen der Welt fühlt er sich wohl", sagt Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner, und sein deutscher Kollege Werner Schuster sprach nach der Flugshow in Oberstdorf von einem "Qualitätsnachweis allererster Güte" (Österreicher knacken Jackpot - DSV-Adler Vierte).

Koch habe gezeigt, dass er "für diese Disziplin geboren wurde", so Schuster.

Probleme mit dem "normalen" Springen

In der anderen Disziplin, dem "normalen" Skispringen, wollte es dagegen zuletzt nicht so recht klappen.

In Zakopane schaffte es Koch Mitte Januar nicht einmal mehr unter die besten 50 (DATENCENTER: Die Saison 2011/2012).

"Ich bin in dieser Saison von ganz hinten gekommen. Viel weiter hinten wäre phasenweise nicht mehr gegangen", sagt Koch.

Die Rolle als WM-Favorit sei ihm da schon lieber: "Damit kann ich leben. Schließlich ist Vikersund seit dem vergangenen Sommer mein großes Ziel."

Koch kämpft mit Rückenproblemen

Ende Januar verzichtete Koch, den in Österreich alle nur "Mascht" nennen, wegen Rückenproblemen auf die Reise nach Sapporo.

"Martin Koch zittert um seine Karriere", titelten prompt die Zeitungen in der Heimat, was den Kärntner bis heute ein wenig ärgert.

"Wenn ich aufpasse, sollte der Rücken schon noch durchhalten. Also keine Angst, ich finde schon einen Weg, um noch ein wenig länger dabei zu sein", sagte Koch.

Wahr ist aber auch, dass sich seine Wirbelsäulen-Schiefstellung immer mehr bemerkbar macht.

Skifliegen nicht jedermanns Sache

Noch aber kann Koch seiner Leidenschaft nachgehen.

Acht Sekunden durch die Luft segeln, das Adrenalin spüren, dem Drang zu landen auch nach 200 Metern widerstehen - das alles ist nicht jedermanns Sache.

Es gibt genügend große Namen, die vor dieser Hürde passen mussten. Der Finne Janne Ahonen etwa holte fünf WM-Titel, aber keinen im Fliegen.

Auch Jens Weißflog oder Thomas Morgenstern sucht man vergeblich in den Siegerlisten der Skiflug-WM, sie alle scheiterten am zu großen Respekt.

"Für mich ist das Gefühl sensationell. Nach jedem Flug weiß man, warum man sich diese Strapazen antut", sagt dagegen Koch.

Koch träumt von WM-Gold

Doch der WM-Titel im Einzel, der fehlt dem Neffen des ehemaligen Skiflug-Weltmeisters Armin Kogler noch.

2008 reichte es immerhin zu Silber, in Vikersund soll es nun endlich Gold werden.

"Es wird eine schwere Aufgabe. Aber ich habe das Potenzial", sagt Koch.

Und vielleicht ist er am Ende der Protagonist, um den es in der letzten Song-Zeile des Pearl-Jam-Hits geht: "Manchmal sieht man einen seltsamen Punkt am Himmel. Einen Menschen mit der Gabe des Fliegens."

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