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Andreas Wank gewann 2008 bei der Junioren- WM im Einzel und mit dem Team Gold © getty

Eigentlich ist Andreas Wank viel zu groß für einen Skispringer. Bei der Skiflug-WM wird der 1,90-m-Mann mehr denn je gebraucht.

München - Andreas Wank hätte auch Basketballer werden können. Oder vielleicht Leichtathlet.

Mit seinen 1,90 m ist der Athlet aus Sachsen-Anhalt für nahezu jede Sportart geeignet - nur nicht unbedingt für das Skispringen.

Zu lang, zu schwer, zu starr, so heißt es. Doch der 24-Jährige trotz jeder Regel und ist im Windschatten von Severin Freund und Richard Freitag zur deutschen Nummer drei aufgestiegen.

Bei der Skiflug-WM in Vikersund (ab Freitag im LIVE-TICKER) ist Wank der vielleicht entscheidende Baustein im Kampf um eine Team-Medaille.

"Andi hat ein Löwenherz"

"Skispringer mit dieser Übergröße haben ganz klar einen Nachteil. Sie dürfen sich keinen Fehler leisten", sagt auch Bundestrainer Werner Schuster.

2,72 Meter messen die Ski seines Schützlings, schon ein kleiner Patzer in der Stellung kostet schnell 20 Meter.

Doch genau diese Fehler leistet Wank sich derzeit nicht. Bei der WM-Generalprobe in Oberstdorf zeigte der Sportsoldat mit 209,5 m sogar den weitesten Sprung seiner Karriere.

"Andi hat ein Löwenherz. Diese Leistung ist so hoch zu bewerten wie ein Sieg", lobte Schuster.

Keine Liebe auf den ersten Blick

Dabei mochte Wank das riskante Skifliegen zunächst überhaupt nicht.

"Am Anfang war es etwas schwierig für mich, mittlerweile macht es mir richtig Spaß. Heute sage ich: Ich kann Skifliegen", sagt Wank, der verrückte Wochen hinter sich hat.

Anfang Februar führte er beim Weltcup im italienischen Predazzo völlig überraschend nach dem ersten Durchgang, dann flatterten die Nerven. Ein Griff in den Schnee, am Ende wurde es "nur" Rang neun (DATENCENTER: Die Saison 2011/2012).

Aus Fehlern gelernt

Dieses Auf und Ab, es passt zur bisherigen Karriere des Andreas Wank.

2008 wurde der damals 19 Jahre alte Doppel-Weltmeister bei den Junioren, doch der Durchbruch blieb zunächst aus.

2010 holte er in Vancouver Olympia-Silber mit der Mannschaft - und fiel wieder in ein Loch. "In der Phase des Erfolges kann es sein, dass Andreas sich mal verläuft. Das ist ihm nach Olympia passiert", sagt Schuster: "Aber er hat aus diesen Fehlern gelernt."

Keine Party zum Geburtstag

Den besten Beweis lieferte er in Oberstdorf, wo er vor seinem 24. Geburtstag auf eine Party verzichtete und vor Mitternacht ins Bett ging.

"Ich stelle das Handy aus und lass mich erst zum Mittagessen wecken", sagte der Jubilar, der seinen Geburtstag sogar fast vergessen hätte.

"Erst bei der Anreise bin ich daran erinnert worden. Irgendwie vergesse ich das immer", sagte er und lachte.

Selbstständiger Perfektionist

Dabei bezeichnet sich Wank eigentlich als "Perfektionisten". Und erhält in dieser Einschätzung Bestätigung von seinem Trainer.

"Andreas ist ein sehr eigenständiger Mensch. Er hat eigene Ideen, er kümmerte sich um alles. Er ist auch beim Umgang mit dem Material der Selbstständigste, den wir haben", sagt Werner Schuster: "Das ist sehr beeindruckend."

Lob von Severin Freund

Beeindruckend ist auch Wanks derzeitige Form. "Andi wird immer besser. So kurz vor der WM ist es gut, dass wir einen Mann mehr haben", sagt der deutsche Vorflieger Severin Freund.

Einmal erst holte eine deutsches Quartett bei einer Skiflug-WM eine Medaille, als es 2006 zu Bronze reichte.

Davor und danach gab es nur Blech. 2012 soll sich das ändern, auch dank Wank: "Die Konkurrenz ist groß, aber natürlich wollen wir eine Medaille. Vielleicht haben wir das nötige Glück."

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