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Der Anlauf in Vikersund beträgt 134 Meter bei einer Absprunggeschwindigkeit von 105 km/h © getty

Die DSV-Adler starten als Underdogs in die Skiflug-WM in Vikersund. Dem neuen Weltrekordler winkt eine hübsche Prämie.

Vikersund - Für die einen ist es kompletter Wahnsinn, für die anderen die größte Flugshow der Welt:

Wenn am Donnerstag die Skiflug-WM im norwegischen Vikersund beginnt, gerät die Suche nach dem Weltmeister fast schon zur Nebensache (DATENCENTER: Die Saison 2011/2012).

Denn noch heißer als die Chancen von Severin Freund und Co. wird in Norwegen diskutiert, ob auf dem neuen "Monster-Bakken" endlich die magische Schallmauer von 250 Metern durchbrochen wird (Fr., ab 16.30 Uhr im LIVE-TICKER).

"Der erste 250-m-Flug ist definitiv möglich", versprechen die Veranstalter schon seit Monaten.

Wohl auch, um Zuschauer an die größte Schanze der Welt zu locken.

Großer Anreiz für den Weltrekord

10,2 Millionen Euro hat das eher verschlafene Vikersund ausgegeben, um den Weltrekord dem slowenischen Planica zu entreißen.

Das gelang im Februar 2011, als der Norweger Johan Remen Evensen auf 246,5 m flog. Nun soll der erste "250er" folgen, im Sommer wurde dafür der Hang erneut umgebaut.

Möglich machte den Bau der spektakulären Rekordschanze eine Regeländerung des Ski-Weltverbandes FIS.

Acht Sekunden Flugerlebnis

Der Höhenunterschied zwischen Schanzentisch und Auslauf darf inzwischen 135 Meter betragen - fünf Meter mehr als vorher.

Bis zu acht Sekunden werden die Springer nun in der Luft sein.

"Schneller, höher, weiter" lautet wohl das Motto der FIS zu diesem Neubau - die bekannten Worte werden in diesen Tagen nicht selten mit vorwurfsvollem Unterton gesprochen.

Dabei erkennt die FIS Weltrekorde offiziell gar nicht an.

"Hochmodern und halbwegs berechenbar"

Gut möglich, dass die Bestmarke schon in der Qualifikation am Donnerstag fällt.

"Wir haben vier Tage. Irgendwann wird es einen Durchgang geben, wo ein Sportler ans Limit gehen kann", sagt Bundestrainer Werner Schuster.

Dafür müsse aber alles stimmen - Wetter, Anlauflänge und nicht zuletzt der Mut des Athleten.

"Evensen wäre 2011 auch auf die Sturzlinie geflogen. So entschlossen muss erst wieder einer sein", sagt der Österreicher, der die Schanze als "hochmodern und halbwegs berechenbar" bezeichnet. Das sei besser als eine "umgestückelte Schanze wie in Planica".

Koch in der Pole-Position

Erster Favorit auf den historischen Flug ist der Österreicher Martin Koch, der am vergangenen Wochenende die WM-Generalprobe in Oberstdorf überlegen gewann.

Als weitere Gold-Kandidaten gelten Titelverteidiger Simon Ammann (Schweiz), Vierschanzentournee-Sieger Gregor Schlierenzauer (Österreich) und als Außenseiter auch Severin Freund:

"Wenn es an die 250 m geht, dann sag ich sicher nicht nein. Solche Flüge fühlen sich extrem geil an", sagte der deutsche Hoffnungsträger bereits.

Premieren-Flüge für Freund und Freitag

Freund hat allerdings, genau wie der ähnlich ambitionierte Richard Freitag (Aue), noch nie einen Sprung in Vikersund absolviert.

"Beide müssen sich erst auf die Schanze einstellen", sagt Werner Schuster, der die beiden Zimmerkollegen im Kampf um Edelmetall "nicht ganz chancenlos" sieht.

Zumal bei dem ungewohnten Modus mit vier Durchgängen, je zwei am Freitag und Samstag, ein schwächerer Sprung nicht automatisch das Ende aller Träume bedeutet.

Team-Medaille als Ziel

Spätestens am Sonntag im Teamwettbewerb soll dann eine Medaille her.

"Von diesem Ziel rücken wir keinen Millimeter ab. In Oberstdorf hatten wir drei Springer unter den besten 20, und die andere Nationen müssen auch erst einmal ihre Leistung bringen", sagt Schuster.

Dabei helfen soll der zuletzt starke Andreas Wank (Oberhof).

Noch offen ist, ob Maximilian Mechler oder Michael Neumayer den vierten Startplatz einnimmt.

Deutscher Rekord wackelt

Als weiteres Ziel hat der Bundestrainer den deutschen Rekord ausgegeben.

Den hält seit 2005 Neumayer, als er in Planica auf 227,5 m segelte.

"Nach den Erfahrungen im letzten Winter bietet der Riesenbakken in Vikersund eine Möglichkeit, um diese Rekordmarke nach oben zu schrauben", sagt Schuster.

Es dürfte nicht die einzige Bestmarke sein, die in den kommenden Tagen auf dem Monster-Bakken pulverisiert wird.

Alle vier DSV-Adler qualifiziert

Bei der Qualifikation am Donnerstag qualifizierten sich alle vier DSV-Adler für die Einzel-Entscheidung am Freitag.

Maximilian Mechler landete nach einem Flug auf 186 m als bester Deutscher auf Rang zehn, Richard Freitag (178,5 m) wurde Elfter.

Schwächster Deutscher war Andreas Wank mit 164 m auf Platz 19. Severin Freund (184 m) war als Neunter des Skiflug-Weltcups automatisch qualifiziert.

Da nur vier Athleten pro Nation zugelassen waren, musste Michael Neumayer zuschauen. Die Qualifikation gewann der Österreicher Andreas Kofler (221 m) vor dem Franzosen Vincent Descombes Sevoie, der mit 222,5 m für den weitesten Flug sorgte.

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