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Richard Freitag hat in seiner Karriere bisher einen Weltcupsieg eingefahren © getty

Bei der Skiflug-WM landen die deutschen Springer im Teamwettbewerb überraschend auf Rang zwei. Gold geht an den Olympiasieger.

Vikersund - Severin Freund fasste sich ungläubig an den Kopf, Richard Freitag hörte gar nicht mehr auf zu grinsen:

Als das ebenso überraschende wie verdiente WM-Silber in trockenen Tüchern war, tollten die deutschen Skispringer strahlend durch den Auslauf der größten Schanze der Welt.

"Die Medaille ist unbeschreiblich. Es ist Wahnsinn, dass es geklappt hat", sagte der überragende Freitag, der bei der Skiflug-WM in Vikersund als Krönung mit 230 Metern noch einen deutschen Rekord erzielt hatte.

Auf dem "Monter-Bakken" in Norwegen mussten sich Freund (Rastbüchl), am Vortag noch unglücklicher Vierter im Einzel, Freitag (Aue), Andreas Wank (Oberhof) und Maximilian Mechler (Isny) mit 1625,2 Punkten einzig Olympiasieger Österreich (1648,4) geschlagen geben.

"Das ist schon überraschend"

"Dass wir so nah herankommen, ist schon ein bisschen überraschend. Aber wir sind auf einem guten Weg. Ich habe immer an die Jungs geglaubt. Dies ist eine Bestätigung für unsere Arbeit", sagte Bundestrainer Werner Schuster nach dem ersten deutschen Team-Silber der WM-Geschichte.

Platz drei sicherte sich Slowenien (1580,4).

Feund mit gutem Gefühl

Vor 27.000 Zuschauern lieferte das deutsche Quartett eine von Beginn an starke Vorstellung, Platz zwei war während des gesamten Wettkampfes die schlechteste Platzierung.

Als Freund schließlich als letzter Deutscher zum Sprung ansetzte, warteten die Kollegen bereits Arm im Arm im Zielraum.

"Wenn die anderen so eine Vorlage liefern, dann geht man mit einem guten Gefühl runter", sagte der 23-jährige deutsche Vorflieger.

Mechler überzeugt

Geliebäugelt hatte das deutsche Team zwar mit einer Medaille. Silber war dann aber doch eine Überraschung, zumal es vor zwei Jahren in Planica nur zu Rang sieben gereicht hatte.

"Wir waren schon Außenseiter. Wenn alle Sprünge zusammenpassen, dann kann es aber schon zu so einem Ergebnis kommen", sagte Mechler, der im Vorfeld ein wenig als Wackelkandidat gegolten hatte, mit starken Leistungen aber alle Kritiker überzeugte.

Fannemel mit weitestem Sprung

Das galt erst recht für Freitag, der im zweiten Durchgang den sieben Jahre alten deutschen Rekord von Michael Neumayer um 2,5 Meter verbesserte.

"Der Sprung ist ganz gut rausgerutscht", sagte der 20-Jährige bescheiden. Den erhofften Weltrekord bekamen die Fans indes nicht zu sehen.

Den weitesten Sprung der Titelkämpfe zeigte der Norweger Anders Fannemel, der mit 244,5 Metern die ein Jahr alte Bestmarke seines Landsmanns Johan Remen Evensen um zwei Meter verfehlte.

Die WM-Organisatoren hatten sich auf dem "Monster-Bakken" den ersten 250-Meter-Sprung der Geschichte erhofft.

Freund verpasst Einzel-Medaille

Für die DSV-Adler war es die erste Medaille nach zwei Weltmeisterschaften ohne Podiumsplatz.

2006 hatte Deutschland zuletzt Team-Bronze geholt, im Einzel wartet das deutsche Team seit Gold durch Sven Hannawald 2002 weiter auf Edelmetall.

Freund fehlten hier am Samstag allerdings nur wenige Meter, Freitag blieb als Neunter hinter den Möglichkeiten zurück, die er 24 Stunden später offenbarte (Bericht).

Wank und Mechler landeten auf den Plätzen 17 und 23.

Schuster fordert Geduld

"Für den ganz großen Wurf im Einzel müssen wir noch etwas Geduld haben", sagte Bundestrainer Schuster, der einen deutlichen Aufwärtstrend ausmachte:

Vor zwei Jahren in Planica hatten die DSV-Adler noch Rang 19 durch Michael Uhrmann als bestes Ergebnis vorzuweisen (DATENCENTER: Die Saison 2011/2012)..

"Wir sind auf dem richtigen Weg. Das war ein guter Wettkampf und ein Schritt nach vorne", so Schuster.

Staatspräsident gratuliert

Zum ältesten Skiflug-Weltmeister der Geschichte krönte sich der Slowene Robert Kranjec.

Der 30-Jährige verwies Lokalmatador Rune Velta und Topfavorit Martin Koch (Österreich) auf die Plätze und krönte eine Karriere, die 1999 nach einem Horror-Sturz bereits beendet schien.

Sogar Sloweniens Staatspräsident gratulierte: "Sie haben den Namens unseres Landes in die gesamte Welt getragen", schrieb Danilo Türk.

Starke Böen hatten am gesamten Wochenende für Verzögerungen gesorgt, der Freitag wurde sogar komplett vom Winde verweht. Zum zweiten Mal in der Geschichte der Skiflug-WM fiel die Entscheidung in zwei statt vier Durchgängen, ehe am Sonntag endlich perfekte Bedingungen herrschten.

Die DSV-Adler nutzten sie wie keine andere Nation - und segelten zum kaum für möglich gehaltenen WM-Silber.

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