vergrößernverkleinern
Die deutschen Skispringer gewannen im Team-Wettbewerb die Silbermedaille © getty

Generationswechsel geglückt: Die DSV-Youngster fliegen in Vikersund zu Silber. Leidtragender des Jugendwahns ist Martin Schmitt.

Vikersund - Zur Feier des Tages gab es ein Heißgetränk, ein Plätzchen und einen Fischburger.

Zumindest, wenn man den deutschen Skispringern Glauben schenkt.

"Wir feiern mit einem Tee und einem Keks", sagte Andreas Wank nach der überraschenden Silbermedaille bei der Skiflug-WM scherzhaft, während Teamkollege Severin Freund vom Sponsor einen Burger vor die Nase gesetzt bekam. (BERICHT: DSV-Adler fliegen zu Silber)

"Ich verzichte freiwillig", sagte der 23-Jährige und verschwand lachend im Mannschaftsbus, um mit den DSV-Adlern doch noch angemessen zu feiern. (DATENCENTER: Die Saison 2011/2012)

Von sieben auf zwei

Die neue deutsche Skisprung-Generation, sie verbreitet Spaß.

Und sie hat allen Grund dazu. Richard Freitag (20), Freund (23), Wank (24) und Maximilian Mechler (28) bildeten nicht nur die jüngste DSV-Mannschaft, die je bei einer Skiflug-WM an den Start ging, sondern mit dem ersten Team-Silber auch die erfolgreichste.

Noch vor zwei Jahren war das DSV-Quartett mit drei Springern jenseits der 30 Jahre angetreten und auf einen katastrophalen siebten Platz gestürzt.

Generationswechsel geglückt

Seither ist viel passiert.

"Der Generationswechsel ist in gewisser Hinsicht bewältigt, aber noch auf einem dünnen Eis", sagte Bundestrainer Werner Schuster nach dem unerwarteten Erfolg auf der größten Schanze der Welt in Vikersund:

"Wir sind hier mit einer völlig veränderten Mannschaft angetreten. Aber wenn wir wirklich einmal gewinnen wollen, brauchen wir mehr Springer in den Top 10. Sonst schlägt man die anderen Nationen nicht."

Duo in der Weltspitze

Regelmäßig in der Weltspitze, das waren in dieser Saison immerhin zwei DSV-Springer: Freitag und Freund.

"Damit haben wir schon viel erreicht", sagt Schuster, der seit 2008 im Amt ist und dessen Jugendstil in Vikersund erstmals Früchte trug. Nach dem mäßigen Abschneiden bei der Vierschanzentournee ohne jeden Podestplatz war auch bei dem Österreicher ein wenig Anspannung zu spüren.

"Es hätte nicht zu unserer guten Saison gepasst, wenn wir hier leer ausgegangen wären", sagte Schuster.

Freitag macht Hoffnung

Hoffnung machte besonders das "Küken" Freitag.

Im Team-Wettbewerb sprang der Shootingstar aus Aue mit 230,0 Metern nicht nur deutschen Rekord, sondern sammelte auch die meisten Punkte aller Teilnehmer. Dabei galt der 20-Jährige bislang gar nicht als ausgemachter Skiflieger.

"Vor einem Jahr in Planica mussten wir ihn wegen schwieriger Verhältnisse noch aus dem Wettkampf nehmen, inzwischen ist er bombensicher. Er ist mit jedem Sprung besser geworden, und am Ende hat er endlich einmal die Flugzeugflügel ausgefahren", sagt Schuster.

Saison-Aus für Schmitt?

Doch der Generationswechsel, er hat auch seine Verlierer. Einer davon saß während der WM vor dem Fernseher und heißt Martin Schmitt, der 34-Jährige kuriert derzeit eine Knieverletzung aus.

Schwer vorstellbar, dass der viermalige Weltmeister noch einmal die jungen Wilden angreifen kann. Zunächst muss ohnehin die Frage nach dem Comeback-Zeitpunkt geklärt werden.

"Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir ihn in diesem Weltcup nicht mehr sehen. Wenn er wieder fit ist, kann man die nächsten Schritte planen", sagt Schuster.

Tür ist weiter offen

Geschlossen sei die Tür deswegen aber nicht. "Wenn die Leistung stimmt, ist auch für einen etablierten Springer noch Platz im Team", sagt der Bundestrainer.

Zunächst gelte es allerdings, den Winter ordentlich zu Ende zu bringen.

"Wir hatten zuletzt oft keinen guten Ausklang. Diesmal möchte ich die Mannschaft in die Pflicht nehmen, die Saison bis zum Finale in Planica gut durchzubringen. Mit unserer Flugerfahrung sollte es uns gelingen, auch dort eine bessere Rolle zu spielen."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel