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Severin Freund feierte seine bisher einzigen beiden Weltcupsiege im Januar 2011 © getty

Richard Freitag und Severin Freund, der bei der Planica-Quali weit wie nie fliegt, wecken Erinnerungen an Hannawald und Schmitt.

Köln - Wartende Fans vor dem Hotel, Rummel an den Schanzen und deutsche Adler auf dem Podest: "Wie zu Zeiten von Martin Schmitt und Sven Hannawald" sei es gewesen, verkündete der SC Willingen stolz nach dem Heim-Weltcup im Februar.

Ein Vergleich, den Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster nicht so gerne hört.

Doch kurz vor dem Ende eines außergewöhnlichen Winters muss auch der Coach der Vorflieger Severin Freund und Richard Freitag zugeben: "Wir sind die beste Saison seit vielen Jahren gesprungen. Wir sind auf einem richtig guten Weg."

Die Zahlen belegen den Aufschwung: Zwei DSV-Adler unter den Top 10 des Gesamtweltcups, das gab es zuletzt vor zehn Jahren - eben durch Schmitt und Hannawald.

Freitag einen Tick voraus

Neun Podestplätze, fünf durch Freitag und vier durch Freund, durften die Fans zuletzt 2002/2003 bejubeln. (DATENCENTER: Die Saison 2011/2012)

Das wichtigste Saisonziel hat Schuster damit erreicht: "Wir wollten einen zweiten Springer in die Top 10 bringen, das haben wir eindrucksvoll geschafft. Jetzt dürfen wir optimistisch in die Zukunft schauen", sagt Schuster mit Blick auf die WM 2013 und Olympia 2014.

Insbesondere der erst 20 Jahre alte Freitag, der in seiner ersten kompletten Saison auftrumpfte und in Harrachov den einzigen deutschen Sieg holte, weckt Hoffnungen.

Thoma zollt Freitag Respekt

"Richard hat sich sukzessive nach oben gekämpft. Ich denke, er steht vor einer großen Zukunft", sagt auch TV-Experte Dieter Thoma.

Für den viermaligen Olympiasieger Jens Weißflog hat Freitag sogar "das Potenzial, sich dauerhaft in der Weltspitze zu etablieren. Es ist schön, wenn aus einem Springer, dem man Talent nachsagt, auch etwas wird."

Der Shootingstar aus Aue überflügelte sogar seinen Zimmerkollegen Freund, der vergeblich auf seinen dritten Weltcup-Sieg wartete. "Ich habe zwar nicht gewonnen, aber eine Menge guter Ergebnisse erzielt", sagte der 23 Jahre alte Niederbayer.

Freund kratzt am deutschen Rekord

Das will er auch in Planica, wo er in der Qualifikation für das Saisonfinale mit dem weitesten Sprung seiner Karriere für einen Paukenschlag gesorgt.

Der 23-Jährige aus Rastbüchl stand mit 228,5 m nicht nur die Tagesbestweite, sondern verbesserte auch seinen persönlichen Rekord gleich um vier Meter. Nur 1,5 Meter fehlten zum deutschen Rekord

von Freitag, der sich wie Andreas Wank, Stephan Hocke und Michael Neumayer ebenfalls qualifizierte. Aus dem deutschen Sextett scheiterte nur Maximilian Mechler (Isny).

Wermutstropfen Vierschanzentournee

"Nach vielen schweren Jahren war die Saison eine ziemlich gute für das deutsche Skispringen, vor allem, weil Richard und ich jederzeit aufs Podest springen können. In unserer Mannschaft passiert im Moment sehr viel. Das ist das Ergebnis von harter Arbeit, jetzt ernten wir die Erfolge."

Einzig die mäßige Vierschanzentournee trübte ein wenig die Bilanz. Kein Podestplatz, in der Gesamtwertung "nur" die Ränge sieben und zehn für Freund und Freitag - mehr war beim Saisonhöhepunkt nicht drin.

Dafür schlug das DSV-Team bei der Skiflug-WM in Vikersund zu und holte erstmals Mannschafts-Silber (Bericht).

Wank der dritte Mann?

"Es hätte auch nicht zu unserer guten Saison gepasst, wenn wir dort wieder leer ausgegangen wären", sagte Schuster, der die jüngste deutsche Mannschaft der WM-Geschichte ins Rennen geschickt hatte und belohnt wurde.

Für einen Angriff auf die übermächtigen Österreicher reichte es allerdings weder bei Tournee noch WM. Genau da liegt künftig die große Herausforderung.

"Wenn wir wirklich einmal gewinnen wollen, müssen wir noch ein oder zwei Leute dazubekommen", sagt Schuster. Namen will er keine nennen. Am ehesten kommt Wank (24) in Frage, der zum Saisonende immer stärker wurde und in Predazzo zur Halbzeit sogar führte.

Schmitt denkt nicht ans Aufhören

Der lange verletzte Pascal Bodmer und auch Felix Schoft (beide 21) scheinen dagegen noch nicht reif für den großen Sprung.

Bleibt das Sorgenkind Martin Schmitt. Der Altmeister hat eine verkorkste Saison mit Knieproblemen hinter sich, sammelte ganze acht Weltcup-Pünktchen und flog zur Halbzeit der Tournee aus dem Kader.

An ein Karriereende denkt der 34-Jährige aber nicht, im Sommer will er die Vorbereitung beginnen und dann eine Entscheidung fällen. "Bei Martin muss man abwarten. Wenn er wieder körperlich fit ist, kann man die nächsten Schritte planen", sagt Schuster.

In sein erfolgreiches Konzept des Generationswechsels will die Personalie Schmitt allerdings nicht so recht passen.

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