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Richard Freitag holte bei der Skiflug-WM 2012 Silber mit der Mannschaft © getty

Nach schwachem Saisonstart platzt beim DSV-Adler in Sotschi endlich der Knoten. Selbst ein Blitzschlag kann ihm nichts anhaben.

München/Sotschi - Als Richard Freitag seine Rückkehr in die Weltspitze feierte, war die Unsicherheit der Vorwochen wie weggeblasen.

"Das war einer der wichtigsten Podestplätze meiner Karriere", sagte der 21-Jährige nach seinem starken zweiten Rang in Sotschi und wirkte wie befreit. (NACHBERICHT: Freitag Zweiter, Freund in Gelb: DSV-Flugshow geht weiter )

Sogar eine kleine Kampfansage ließ sich der sonst eher vorsichtige Sachse entlocken: "Ich hoffe, dass ich jetzt noch weitere Weltcupsiege schaffe."

Dabei hatte Freitags Wochenende denkbar schlecht begonnen. Beim Anflug auf die Olympiastadt von 2014 schlug ein Blitz in das Flugzeug mit dem DSV-Team ein, nach einer Schrecksekunde brachte der Pilot die Maschine sicher auf den Boden.

Kaum gelandet, hob der 59-kg-Floh aus Aue auch schon wieder ab. Und wie: Den guten sechsten Rang am Samstag krönte er 24 Stunden später mit dem sechsten Podiumsplatz seiner Karriere.

Erfolg durch "harte Arbeit"

"Mein Erfolgsgeheimnis ist die harte Arbeit der vergangenen Wochen", sagte Freitag, der beim Start in den WM-Winter noch mit seiner Form gehadert hatte.

Sowohl in Lillehammer als auch in Kuusamo verfehlte der Aufsteiger der vergangenen Saison die Top 10. Dann platzte der Knoten. (DATENCENTER: Der Weltcup)

Sorgenkind vor der Saison

"Richie ist in Sotschi sehr gut zurechtgekommen", sagte Bundestrainer Werner Schuster: "Er hat immer mehr Vertrauen in seinen Bewegungsablauf, wird immer lockerer. Für ihn geht es jetzt darum, weiter auf dieser Welle zu reiten."

Vor der Saison war Freitag ein wenig das deutsche Sorgenkind gewesen. Mit dem neuen, hautengen Anzug kam der Sportsoldat nicht zurecht, die alte Stabilität fehlte.

"Richie hat ein bisschen Schwierigkeiten, das muss man sagen", sagte Schuster noch im Oktober. Besonders sein Ehrgeiz machte dem DSV-Adler zu schaffen.

"Wenn es Phasen gibt, wo er sich schwer tut, ist er ungeduldig. Ihm steht noch eine Entwicklung in seiner Persönlichkeit bevor", so Schuster.

Hannawald zunächst skeptisch

Auch Sven Hannawald, 2002 letzter deutscher Gewinner der Vierschanzentournee, prophezeite Freitag einen harten Winter.

"Es ist immer schwierig für Shootingstars, an die ersten Erfolge aus dem Vorjahr anzuknüpfen. Ich möchte ihm keine Angst machen, aber ich denke, er wird schon einen kleinen Rucksack mit sich herumschleppen", schrieb der 38-Jährige in seinem "Eurosport"-Blog. Die ersten Weltcups gaben ihm recht.

Lockerheit durch Freund-Erfolge

Doch dann waren es die Siege seines Zimmerkollegen Severin Freund, die Freitag die nötige Ruhe gaben. Im Windschatten des bayerischen Vorfliegers fand Freitag zur Lockerheit und Form des vergangenen Winters zurück.

Die gute Stimmung in der deutschen Mannschaft tat ihr Übriges. "Der Teamgeist spielt eine wichtige Rolle. Mit jedem Sprung kommt die Lockerheit zurück", sagt Freitag zu seinem Aufwärtstrend.

Fokus auf Vierschanzentournee

Bei der Vierschanzentournee soll der Höhenflug nun möglichst seine Fortsetzung finden. Genau ein Jahr ist Freitags bislang einziger Weltcup-Erfolg her, Sieg Nummer zwei wäre schon aus familiären Gründen ein Befreiungsschlag.

Denn genau wie Richard Freitag holte auch Vater Holger einst im tschechischen Harrachov seinen ersten Weltcup-Erfolg. Es sollte sein einziger bleiben.