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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Richard Freitag (l.) holte bei der WM 2013 ein Mal Silber und ein Mal Bronze © getty

Freitag und Co. sind im Weltcup so erfolgreich wie seit zehn Jahren nicht. Umso enttäuschender ist der Blick zurück auf die WM.

Kuopio - Wirklich anstrengend wurde es für die deutschen Skispringer erst nach der Siegerehrung. (DATENCENTER: Ergebnisse Skispringen)

Mit dem Reisebus traten Richard Freitag und Co. noch am Sonntagabend die 300 Kilometer lange Ochsentour von Lahti nach Kuopio an, schnell vorwärts ging es in der Dunkelheit der finnischen Wälder nicht wirklich.

"So eine Fahrt dauert", sagte Severin Freund über den ermüdenden Abschluss eines perfekten Wochenende:

"Wenn man in Finnland nämlich so schnell fährt wie bei uns, bekommt man leider Probleme."

Eine echte Gala-Vorstellung

Immerhin: Im Gepäck hatten die DSV-Adler nicht nur ihre unzähligen Skier und Koffer, sondern auch die Gewissheit, nach der eher unglücklichen WM weiter zur absoluten Weltspitze zu gehören.

Am Samstag der haushohe Sieg mit der Mannschaft, dann im Einzel die Plätze eins und drei durch Freitag und Freund (Bericht) - das "schöne Wochenende in Lahti", von dem der überragende Freitag nach seinem zweiten Weltcup-Sieg in Folge sprach, war genau genommen eine echte Gala-Vorstellung.

Und doch offenbarte der glanzvolle Auftritt auf der WM-Schanze von 2017 auch, woran es den deutschen Skispringern derzeit noch fehlt.

Erfolgreich wie seit zehn Jahren nicht

Denn während das Team im Weltcup so erfolgreich wie seit zehn Jahren nicht mehr ist, ließ das erhoffte Top-Ergebnis bei einem Großereignis auch in diesem Winter auf sich warten.

Bestes Beispiel ist Richard Freitag: Der 21-Jährige gewann in Oberstdorf den letzten Weltcup vor der WM und nun auch das erste Springen danach.

In Val di Fiemme aber ging der Sachse mit zwei sechsten Plätzen leer aus.

13 Podestplätze durch fünf verschiedene Athleten

"Den letzten Punch" hatte Bundestrainer Werner Schuster während der WM bei seinen Schützlingen vermisst, ähnlich hatte es vorher schon bei der Vierschanzentournee ausgesehen.

Anders ausgedrückt: Immerhin 13 Podestplätze durch fünf verschiedene Athleten gab es bislang in diesem Winter, aber nur einer davon gelang bei der Tournee, als Freund in Oberstdorf Dritter wurde.

Auch bei der WM standen andere auf dem Podest. Fast scheint es, als ob die deutschen Springer nur ohne den ganz großen Druck zu Höchstleistungen auflaufen.

Hoffnung für Olympia

Mit Blick auf den kommenden Olympia-Winter dürfen allen voran Freund (24) und Freitag (21) dennoch optimistisch sein.

Beide sind noch jung, beiden gehört die Zukunft. Und gemeinsam mit Andreas Wank, Michael Neumayer und Andreas Wellinger haben beide noch in diesem Winter die Chance, Österreich von Rang eins der Nationenwertung zu verdrängen.

Nur noch 182 Punkte beträgt fünf Springen vor Saisonende der Rückstand, Austria-Trainer Alexander Pointner, seit 2004 im Amt, rechnet bereits: "Seit ich Cheftrainer bin, haben wir den Nationencup immer gewonnen."

Freund auf Hannawalds Spuren

Und dann ist da auch noch der Gesamtweltcup, in dem Freund als Vierter nur noch 33 Punkte Rückstand auf den Dritten Anders Jacobsen aus Norwegen aufweist.

Eine Top-3-Platzierung hatte als letzter DSV-Adler Sven Hannawald im Winter 2002/2003 geschafft.

"In Kuopio starte ich einen neuen Angriff", sagte Freund vor der Busfahrt in die 100.000-Einwohner-Stadt im Norden, wo am Dienstag (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) erstmals seit 2010 wieder ein Weltcup-Springen stattfindet.

In Finnland ungeschlagen

Freund und Freitag kann derzeit jedes Springen auf finnischem Boden nur recht sein, die DSV-Mannschaft ist dort in diesem Winter in vier Wettbewerben noch ungeschlagen.

Eine Serie, die nun auch beim letzten Gastspiel im Land der 1000 Seen halten soll.

Die Strapazen einer stundenlangen Bustour durch dunkle Wälder nehmen die DSV-Adler dafür nur allzu gerne in Kauf.

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