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Gesamtweltcupsieger Schlierenzauer (r.) und Olympiasieger Nykänen (1984 und 1988) © getty

Gregor Schlierenzauer wird nach seinem Triumph im Gesamtweltcup von Nykänen geadelt. Zur Krönung fehlt aber noch ein Titel.

Kuopio - Skisprung-Legende Matti Nykänen stand frierend im finnischen Schneegestöber und blickte hinauf zu Gregor Schlierenzauer.

Dann endlich hob der von zahlreichen Eskapaden gezeichnete Finne die österreichische Fahne, wartete ein paar Sekunden und gab schließlich die Schanze frei für seinen legitimen Nachfolger.

Die Szene am Dienstag in Kuopio, sie war ein Bild mit Symbolcharakter. Und für Rekordjäger Schlierenzauer der endgültige Ritterschlag. (DATENCENTER: Ergebnisse Skispringen)

"Gregor, du bist jetzt ein ganz großer Skispringer, für mich der größte aller Zeiten. Es war eine große Ehre für mich, dich abzuwinken", sagte Nykänen, als er im Auslauf der Schanze den Österreicher innig umarmte.

Zweiter Weltcup-Gesamtsieg mit 23

Ganz falsch lag der viermalige Olympiasieger damit nicht. Denn Schlierenzauer, der am Dienstag zum zweiten Mal in seiner Karriere den Gesamtweltcup gewann, hat schon mit 23 Jahren fast alles erreicht, was ein Skispringer erreichen kann.

Alleine in diesem Winter siegte der Tiroler bei acht Weltcups, hat nun 48 Siege auf dem Konto und klaute Nykänen seinen Uralt-Rekord von 46 Erfolgen.

Nachdem die Bestmarke Anfang Februar gefallen war, tauchte der Finne plötzlich mehrere Tage unter, Gerüchte um eine erneute Flucht in den Alkohol machten die Runde.

Nun zeigte er sich wieder in der Öffentlichkeit - auch zur Freude von Schlierenzauer.

Schlieri: "bewegender Moment"

"Das war schon ein bewegender Moment. Matti war unglaublich freundlich, er hat das mit dem neuen Rekord absolut sportlich gesehen. Auch wenn er in dieser Wertung nicht mehr der Größte ist, bleibt er doch immer einer der Größten oder vielleicht der größte Skispringer aller Zeiten", sagte der Überflieger.

Doch eigentlich, das weiß spätestens seit Dienstag wohl auch Nykänen, hat Schlierenzauer den Staffelstab längst übernommen.

"Ich glaube, ich darf es jetzt sagen: Ich bin eine Legende", hatte Schlierenzauer schon im Februar posaunt, als er nach dem Gewinn der Vierschanzentournee Nykänens Rekord knackte.

Nun holte er nach 2008/09 zum zweiten Mal den Gesamtweltcup.

"Beim ersten Mal war ich noch ein Teenager. Seither hat sich viel getan", sagte der sechsmalige Weltmeister und freute sich wie ein Kind über die zweite Kristallkugel: "Super - jetzt habe ich für den linken und für den rechten Nachttisch zwei gleiche russische Lampen."

Früher ein schwieriger Fall

Zu Beginn seiner Karriere galt Schlierenzauer als schwieriger Fall. Als Teenager wurde ihm Arroganz vorgeworfen, die Sympathien flogen anderen zu.

"Es ist schwierig, wenn du mit 16 erwachsen sein sollst. Wenn du auf einmal der Chef bist in deinem Job und plötzlich von allen Seiten belagert wirst", sagt er heute.

Prägend war der Winter 2006/2007, als binnen weniger Tage des Leben des Teenagers auf den Kopf gestellt und Persönliches wie die Taubheit auf seinem linken Ohr in den Medien ausgeschlachtet wurde.

Ziel: Olympisches Gold

Heute gilt Schlierenzauer als gereift. Seine Siege und die große Erfahrung haben den 1,77 m großen und 62 kg leichten Schlaks locker gemacht, von Druck will er nichts mehr wissen.

"Ich bin entspannter geworden", sagte der Team-Olympiasieger von 2010. Zu verlieren hat er ohnehin nichts mehr. Viel zu gewinnen aber auch nicht. Ein großes Ziel bleibt: Olympia-Gold im Einzel.

Wie das geht, weiß Matti Nykänen, der 1984 und 1988 von der Großschanze gewann. Wie er das gemacht hat, kann der große Finne seinem Nachfolger vielleicht schon im Sommer erzählen.

Denn Schlierenzauer spielte in Kuopio nicht nur noch eine Partie Basketball mit dem Finnen, sondern lud ihn auch gleich nach Österreich ein. Schlierenzauer: "Vielleicht bleibt da eine Verbindung erhalten."

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