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Der Österreicher Werner Schuster ist seit 2008 Deutschlands Skisprung-Bundestrainer © getty

Bei SPORT1 spricht Bundestrainer Werner Schuster über die Winter-Bilanz, Ziele bei Olympia und die Chancen von Martin Schmitt.

Von Lars Becker

Am Wochenende wird auf dem Riesenbakken von Planica mit dem Weltcup-Skifliegen (Fr. ab 15.15 Uhr im LIVE-TICKER) traditionell der Winter beendet.

Beim Saisonhöhepunkt WM gab es zwei Teammedaillen, aber nicht die erhoffte Einzelplakette. Auch bei der Vierschanzentournee spielte das deutsche Team nur eine Nebenrolle.

Bundestrainer Werner Schuster spricht im SPORT1-Interview über die Bilanz des Winters, die Ziele bei Olympia und die Chancen von Martin Schmitt.

SPORT1: Herr Schuster, gehen Sie nach einer langen Saison zufrieden in die Pause?

Werner Schuster: Sehr zufrieden. Es war nicht absehbar, ob wir noch einen Schritt weiterkommen, aber es ist uns gelungen. Den großen Schritt Richtung Weltspitze haben wir in der Saison davor gemacht. Mit Severin Freund und Richard Freitag haben zwei junge Springer Verantwortung übernommen. Sie haben ihre Leistungen in diesem Winter bestätigt. Dazu sind weitere junge Springer wie Wellinger oder Geiger gekommen. Das hat den Generationswechsel untermauert. (DATENCENTER: Ergebnisse Skispringen)

SPORT1: Trotzdem war festzustellen, dass die Hoffnungsträger Freund und Freitag gerade bei den Saisonhöhepunkten nicht ihre absolute Topleistung abrufen konnten.

Schuster: Richard Freitag hat mit dem Heimspringen in Oberstdorf oder dem am Traditionsort Lahti ja keine unbedeutenden Weltcups gewonnen hat. Festzuhalten bleibt aber, dass wir weder bei der Tournee noch der WM in den Einzelspringen die Ziele erreicht haben. Severin Freund war mit Platz drei beim Tournee-Auftakt und als Vierter bei der WM zwar nah dran, aber ist eben nicht um den Sieg mitgesprungen. Aber das ist eine Entwicklungsfrage.

SPORT1: Haben Sie denn im Laufe der ablaufenden Saison schon Fortschritte gespürt?

Schuster: Auf jeden Fall. Als wir in Lahti vor kurzem das Teamspringen gewonnen haben, lagen wir schon nach dem ersten Durchgang in Führung. Die Jungs sind in der Pause vor dem zweiten Sprung ganz normal damit umgegangen und haben den Vorsprung sogar noch ausgebaut. Das war bemerkenswert. Es wird normaler, wenn wir gewinnen. Bei unserem Sieg zum Saison-Auftakt in Kuusamo war das noch anders: Da haben wir unseren Vorsprung aus dem ersten Durchgang ins Ziel gezittert.

SPORT1: Macht Ihnen diese Entwicklung Hoffnung für den anstehenden Olympia-Winter?

Schuster: Wir schieben uns schrittweise nach oben, haben mehr und mehr personelle Optionen. Wir wollen im Team in Sotschi definitiv um Gold mitspringen. Aber da sind fünf bis sechs Teams auf Augenhöhe. So eine Situation gab es noch nie.

SPORT1: Sie sprachen von personellen Alternativen. Spielt Routinier Martin Schmitt in Ihren Planungen für Sotschi noch eine Rolle?

Schuster: Er hat in Sachen Training alle Möglichkeiten im Stützpunkt. Und wird definitiv im Weltcup seine Chance erhalten, wenn er die Leistungen bringt.

Er muss vom ersten Tag an in der Vorbereitung die Herausforderung annehmen. Michael Neumayer hat ja gezeigt, was möglich ist. Er ist mit 34 die beste Saison seines Lebens gesprungen.

SPORT1: Die Olympiaschanzen in Sotschi scheinen dem deutschen Team ja generell zu liegen.

Schuster: Wir sind ja im Weltcup nur auf der kleinen gesprungen und mit unseren absprungstarken Leuten gegen die Fliegertypen sehr gut zurechtgekommen. Dort haben wir offenbar einen kleinen Vorteil. Die große Schanze sehe ich eher neutral. Aber natürlich ist es mit Blick auf die Winterspiele praktisch, dass wir dort sehr gut zurechtgekommen sind.

SPORT1: Mit welchen Zielen gehen Sie denn ins Saison-Finale in Planica?

Schuster: Wir haben drei junge Leute dabei, die das auf dieser Riesenschanze erstmals machen. Das ist schon eine kribbelige Situation. Bei denen hoffe ich vor allem erstmal, dass alles glatt geht. Von allen anderen erwarte ich mir einen würdigen Saisonabschluss. Die Krönung wäre natürlich, mal ein Team-Skifliegen zu gewinnen. Auch der Nationencup ist ja noch nicht gänzlich entschieden. Das hätte vor der Saison auch niemand gedacht. Im letzten Jahr hatten wir erstmals über 4000 Punkte im Weltcup, jetzt sind es um die 5000. Als ich angefangen habe, waren es unter 2000. Wir sind schon ganz schön vorangekommen.

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