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Die Saison 2012/13 ist Andreas Wellingers erste Saison im Weltcup. © getty

Der deutsche Youngster stürzt in Planica - und hat Glück. Dass sein Team das Podest verpasst, wird zur Nebensache.

München/Planica - Nur Platz sechs, Slowenien außer Reichweite, nach einem gewaltigen Schrecken aber doch erleichtert:

Für die deutschen Skispringer geriet das schwache Abschneiden beim letzten Team-Fliegen des Winters in Planica zur Nebensachse.

"Heute brauchen wir nicht auf das Ergebnis zu schauen", sagte nicht nur Oldie Michael Neumayer, nachdem Youngster Andreas Wellinger am Morgen im Probedurchgang Glück im Unglück gehabt und einen heftigen Sturz unverletzt überstanden hatte (DATENCENTER: Ergebnisse Skispringen).

Wellinger trotz Sturz nervenstark

Wellinger, mit 17 Jahren jüngster Starter auf der zweitgrößten Schanze der Welt, war in der Luft aus dem Gleichgewicht geraten, auf den Boden gestürzt und etwa 100 Meter bis in den Zielraum gerutscht.

"Ich habe kurz das Schlimmste befürchtet. Das war eine gefährliche Situation, die er sensationell gelöst hat", sagte Bundestrainer Werner Schuster, der seinen Schützling dennoch im anschließenden Teamspringen einsetzte.

Dort zeigte Wellinger starke Nerven und gute Flüge auf 201,5 und 191,5 Meter. Im Verbund mit Severin Freund (Rastbüchl), Richard Freitag (Aue) und Neumayer (Berchtesgaden) reichte es am Ende aber nur zu 1501,6 Punkten.

Slowenen mit Heimsieg

"Wir hatten hier einige Probleme zu lösen", sagte Bundestrainer Werner Schuster, dessen Team schon am Freitag im Einzel enttäuscht hatte: "Wir sind nicht in der Lage gewesen, das Podest anzugreifen. Mit diesen kleinen Schritten müssen wir uns zufrieden geben."

Zur Halbzeit lag das DSV-Team, das 2012 bei der Skiflug-WM in Vikersund Silber gewonnen hatte, sogar nur auf dem siebten Rang.

An den Gastgebern führte vor 20.000 begeisterten Zuschauern aber kein Weg vorbei: Skiflug-Weltmeister Robert Kranjec, Peter Prevc, Jurij Tepes und Andraz Pograjc sorgten mit 1561,8 Punkten für den ersten Heimsieg eines slowenischen Teams in der Weltcup-Geschichte von Planica.

Nationenwertung: Deutschland verliert Spitze aus den Augen

Ebenfalls auf dem Podest landeten Norwegen (1551,1) und Österreich (1546,7). Die Austria-Adler verteidigten damit auch ihre knappe Führung in der Nationenwertung, die sie in den vergangenen acht Jahren stets gewonnen hatten.

Vor dem Saisonfinale am Sonntag spürt das Team um Tournee-Gewinner Gregor Schlierenzauer mit 5522 Punkten aber Norwegen (5480) im Nacken. Deutschland (5132) verlor auf Platz drei den Anschluss.

Punkte liegen ließ besonders Freitag. Der 21-Jährige, der schon tags zuvor den zweiten Durchgang verpasst hatte, landete im ersten Sprung nur bei 183,5 Metern.

Freitag schwach, Wellinger zufrieden

"Bei Richard ist es zuletzt nicht so gut gegangen. Er hat nicht die Position gefunden. Wenn der Sprung zu steil ist, klatscht der Ski gegen den Körper.

Da muss man aufpassen", sagte Schuster, der nicht gerade als Freund der Schanze in Planica gilt: "Wichtig ist, dass die Jungs heil runter kommen."

Das galt allen voran für Wellinger, der im Wettbewerb Nervenstärke bewies. "Das Herz ist schon ein bisschen schneller gegangen. Aber ich habe es gut hingekriegt. Ich bin froh, dass ich heil runter gekommen bin", sagte der Shootingstar der Saison.

"Er ist toll gesprungen", sagte auch Schuster: "Dafür muss man mental super drauf sein. Das war ein Meilenstein in seiner Entwicklung." Erst am Freitag hatte sich der Norweger Anders Jacobsen bei einem Sturz einen Kreuzbandriss zugezogen.

Am Sonntag steht im "Tal der Schanzen" der letzte Wettbewerb der Saison auf dem Programm. Severin Freund kann dabei als erster DSV-Adler seit Sven Hannawald in der Saison 2002/03 noch einen Platz unter den besten Drei des Gesamtweltcups erobern, muss dafür aber 27 Punkte Rückstand auf den polnischen Weltmeister Kamil Stoch aufholen.

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