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Am Freitag reichte Schmitt ein Sprung für Silber. Am Samstag gab es nichts zu holen © getty

Noch am Freitag waren die deutschen Springer in Feierlaune. Einen Tag später stürzen sie in die Tristesse vergangener Tage zurück.

Liberec - Am Tag nach dem Silbergewinn von Martin Schmitt haben die deutschen Skispringer im Teamwettbewerb mit Platz zehn ein WM-Debakel erlebt.

Der Vorflieger stand fassungslos im Regen von Liberec, als die Medaillenkandidaten nach seinem völlig missratenen 112,5-Meter-Hüpfer im ersten Durchgang ausgeschieden waren.

Schlechter war ein deutsches Team zuletzt bei der WM 1993 in Falun mit Rang elf gewesen.

Schmitt und Co. schauten im Finale traurig zu, wie die seit 2005 ungeschlagenen Österreicher erwartungsgemäß Gold holten (Ergebnisse).

"Das war der sportliche Supergau", meinte der restlos frustrierte Bundestrainer Werner Schuster: "Eine im negativen Sinne faszinierende Anhäufung individueller Fehler. Das tut sehr weh, wir wollten hier eine Medaille holen."

427,4 Punkte sammelte sein Quartett, das waren 11,7 Punkte zu wenig, um das Finale der besten Acht zu erreichen. Österreich triumphierte mit 1034,3 Punkten, wodurch sich Normalschanzen-Champion Wolfgang Loitzl mit sechs Titeln zum Rekordweltmeister krönte. Silber gewann Norwegen (1000, 8) vor Japan (981,2).

"Jetzt sind wir traurig"

"Das ist absolut enttäuschend. Vielleicht wollten wir es innerlich zu sehr erzwingen und die Lockerheit hat gefehlt", meinte Schmitt, der noch am Vorabend mit dem Team die erste deutsche Einzelmedaille seit acht Jahren gefeiert hatte (Schneesturm sichert Schmitt Silber).

"Das trübt die Laune. Ich hatte gehofft, dass wir alle noch einmal gemeinsam auf dem Podest feiern können. Aber jetzt sind wir traurig", sagte Schmitt.

Nur Uhrmann zeigt Leistung

Stattdessen nahm das Unglück im Schneeballsystem mit einem viel zu kurzen 121,5-Meter-Sprung von Michael Neumayer seinen Lauf. Stephan Hocke (Schuster: "Der wollte es rausreißen und war verkrampft") stürzte bei 113 Meter ab.

Uhrmann lieferte bei schwierigen Bedingungen mit 121 Metern "den einzigen guten Sprung von uns ab" (Schuster). Es folgte der wohl schwächste Sprung von Schmitt in diesem Winter und das Aus.

Dank Frauen Ziel erreicht

Sportdirektor Thomas Pfüller blickte trotzdem nicht unzufrieden auf die Gesamtbilanz: "Natürlich ist das enttäuschend. Aber wir haben im Skispringen das Soll erfüllt. Eine Medaille war das Ziel - jetzt haben wir zwei", erklärte Pfüller.

Neben Schmitt war auch Ulrike Gräßler bei der WM-Premiere der Skispringerinnen als Zweite aufs Podest geflogen. Schuster zog folgende Bilanz: "Gestern war nicht alles super und heute ist nicht alles Scheiße. Aber sehr unangenehm ist es schon, so was habe ich noch nicht erlebt."

Die Hoffnung auf die erste deutsche Teammedaille nach Silber 2005 in Oberstdorf endete im Debekal.

Bier und Lasagne

Die erste deutsche WM-Einzelmedaille seit acht Jahren hatte Schmitt mit seiner Freundin Patricia in der deutschen "Fliegerpension" gefeiert.

Bei Bier und Lasagne stieß er mit seinen Teamkollegen an, die ihren Kapitän mit dem auf ein Bettlaken gemalten Spruch "Wir gratulieren dem Silbermedaillengewinner" empfangen hatten. Von Patricia gab es einen Siegerkuss.

Gestern top, heute flop

"Nur ganz große Sportler wie er schaffen es, nach einer so langen Durststrecke so zurückzukommen", sagte Schuster. Pfüller stimmte ebenfalls ein Loblied an: "Es hatten ihn auch im Verband schon viele abgeschrieben, er ist durch ganz schwere Zeiten gegangen, aber Martin hat es mit seinem Comeback allen gezeigt."

Nach seiner langersehnten Rückkehr aufs Siegerpodest kehrte Schmitt aber nach nur 24 Stunden knallhart auf den Boden der Tatsachen zurück.

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