Der frühere Vierschanzentournee-Sieger Sven Hannawald hat neun Jahre nach seinem Burnout einen Einblick in sein damaliges Seelenleben gewährt.

"Ich war ein totales körperliches Wrack. Ich spürte eine totale Unruhe in mir und hatten keinen Schimmer, warum", sagte der ehemalige Weltklasse-Skispringer dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

"Ich ging nachts in der Wohnung auf und ab, auch draußen spazieren. Ich ahnte, dass ich dort nicht lange wohnen würde."

Der heute 38-Jährige, der 2001/2002 als bislang einziger Skispringer den "Grand Slam" mit Siegen bei allen Tourneespringen geholt hatte, hatte 2005 seine Karriere beendet.

Er habe seinen Alltag "kaum noch bewältigen können", so Hannawald: "Stand ein Lehrgang an, wollte ich mich vergraben und hoffte, wieder normal zu sein, wenn ich mich nach 30 Tagen ausbuddle."

Suizidgefährdet wie der deutsche Fußball-Nationaltorwart Robert Enke sei er nicht gewesen: "Solche Selbstmordgedanken hätte ich womöglich bekommen, wenn ich nicht mit dem Sport aufgehört hätte. Robert Enke war ja schon lange in Behandlung gewesen und hatte sich dennoch weiter dem Druck und Stress ausgesetzt. Ich hatte zwar keinen Bock mehr, aber nicht auf das Leben, sondern nur auf den ganzen Mist, in dem ich drinsteckte."

Hannawald, 2002 in Salt Lake City Olympiasieger mit der Mannschaft und zuletzt als Rennfahrer aktiv, sieht sich in seinem öffentlichen Bekenntnis zum Burnout als Vorbild für andere Sportler.

"Ich habe gezeigt, dass erfolgreiche Athleten nicht unbedingt Superhelden sind, die nichts und niemand aufhält", so der Sachse: "Ich hatte alles für den Sport gegeben - bis mein Körper streikte."

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