Weg der kleinen Schritte und leisen Worte
Das Ziel waren Podestplätze.
Das haben die deutschen Springer verfehlt, auch wenn Bundestrainer Werner Schuster nicht müde wurde, zu erwähnen, dass sie in Oberstdorf lediglich vier Zehntel vom Stockerl getrennt hat.
Aber Schuster hat auch klar und deutlich, ohne Umschweife eingestanden, dass die gesteckten Vorgaben nicht erreicht wurden.
Dennoch kann der Bundestrainer zufrieden sein.
Seine beiden Hoffnungsträger Severin Freund und Richard Freitag haben beim Saisonhöhepunkt zwar die Konstanz noch vermissen lassen, die sie von den beiden Österreichern Gregor Schlierenzauer und Andreas Kofler deutlich trennt.
Allerdings stellten die beiden erneut unter Beweis, dass mit ihnen zu rechnen ist. Beide sind noch sehr jung, beide haben ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft, insbesondere Freitag, dem der Druck, vor heimischem Publikum zu springen, doch weit mehr zusetzte, als er selbst erwartet hatte.
Man könne keinen großen Sprung bei ihm erwarten, sagt Severin Freund, er ist eher der Typ der kleinen Schritte. Und der leisen Worte.
Das vermisst Schuster bei seinen Topspringern. Einen, der von Beginn an sagt: Ich will die Tournee gewinnen.
Aber Schuster und seine Hoffnungsträger sind auf dem richtigen Weg.
Denn der Weg, den der Österreicher beim DSV eingeschlagen hat, scheint der richtige zu sein. Nach Jahren des Hinterherspringens befinden sich mit Freitag und Freund zwei Weltcupsieger in den Reihen der deutschen Adler.
Und die zweite Reihe um Stephan Hocke, Maximilian Mechler und Michael Neumayer meldet größere Ansprüche an, als sich nur für den zweiten Durchgang zu qualifizieren. Das haben die Ergebnisse in Oberstdorf (Hocke) und Innsbruck (Mechler, Neumayer) gezeigt.
Dem DSV fehlt ein Ausnahmetalent wie Gregor Schlierenzauer, der mit 21 Jahren bereits die Nummer drei der ewigen Bestenliste ist und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit Adam Malysz noch diese Saison als Zweiter ablösen wird.
Aber als Mannschaft überzeugt die Schuster-Truppe. Platz zwei hinter den Österreichern hatte Schuster vor der Saison als Ziel ausgegeben.
Zwar verpasste das DSV-Quartett bei den Teamspringen in Kuusamo und Harrachov jeweils das Podest als Vierter, in der Nationenwertung rangieren die DSV-Adler aber auf Platz zwei.
So wie Schuster sich das vorstellt.
Und vielleicht können seine Topsringer in der kommenden Saison seine Vorstellungen bei der Tournee erfüllen.
Es würde wohl schon helfen, wenn einer der beiden vor dem Auftaktspringen sagen würde: "Ich will gewinnen."
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