Deutschland - Österreich: Wiedergeburt eines Duells
Von Rainer Nachtwey
München - Lange ist es her, dass deutsche gegen österreichische Adler um den Sieg bei der Vierschanzentournee kämpften.
Im Winter 1999/2000 lieferten sich zuletzt Martin Schmitt und Andreas Widhölzl ein packendes Duell um den Gesamtsieg, aus dem der Österreicher Widhölzl als Sieger hervorging.
Seither gab es mit Sven Hannawald, Wolfgang Loitzl, Andreas Kofler, Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer reichlich Sieger aus beiden Ländern, zu einem echten Duell kam es zwischen rot-weiß-rot und schwarz-rot-gold seither nicht mehr ( DATENCENTER: Der Weltcup).
Freund gegen Schlierenzauer
Doch vor der 61. Auflage der Tournee (Qualifikation, Sa. ab 15.45 Uhr im LIVE-TELEGRAMM) deutet viel darauf hin, dass das ewig junge Duell in den Personen Severin Freund gegen die beiden Österreicher Gregor Schlierenzauer und Andreas Kofler seine Fortsetzung findet.
Vier Sieger sah die laufende Saison erst, dreimal hieß der Sieger Schlierenzauer, zweimal Freund und zweimal Kofler. Zudem gewannen die DSV-Adler das bis dato einzige Mannschaftsspringen.
Großer Respekt vor Schuster-Truppe
"Es wird sicher sehr spannend, weil die Deutschen sehr stark sind. Es wird sich meiner Ansicht nach alles erst beim letzten Sprung in Bischofshofen entscheiden", sagt Schlierenzauer mit großem Respekt.
Und auch der 2010-Sieger Kofler weiß um das starke Auftreten der DSV-Adler um ihre Nummer eins Severin Freund.
"Die Deutschen sind immer stärker geworden, letztes Jahr gelangen ihnen schon ein paar Podestplätze plus Siege, von daher war es schon zu erwarten, dass sie heuer gleich Gas geben", sagt der Tiroler.
Herausragende Teamergebnisse
Aber es ist nicht Freund allein, der die deutschen Farben hochhält. Die Mannschaft von Bundestrainer Werner Schuster besticht durch eine starke Teamleistung.
In Sotschi war der damals im Gesamtweltcupführende Freund als Fünfter nur drittbester Deutscher, insgesamt platzierten sich mit Richard Freitag, Andreas Wellinger, Karl Geiger und Andreas Wank gleich fünf unter den Top Ten.
Und in Engelberg legten Wellinger, Michael Neumayer, Freund und Freitag mit vier Springern unter den ersten Acht nach.
Zeit des Erntens
Nach Jahren des Säens, wie Bundestrainer Schuster die Aufbauarbeit der vergangenen Jahre bezeichnet hatte, ist nun Zeit zum Ernten.
"Die Ernte hat auf jeden Fall begonnen. Aber es wird nicht jeden Tag so viel hergeben", sagt Schuster.
Gleichzeitig mahnt der Österreicher aber an, Träumereien wie den Gesamtsieg beiseite zu lassen: "Wir müssen schrittweise vorangehen. Wir haben schon lange keinen Podestplatz mehr beim Einzelspringen gelandet, geschweige denn einen Sieg. Und das ist der nächste Schritt."
DSV-Küken lassen Herz höher schlagen
Dabei denkt Schuster vor allem an Freund. "Severin ist unser stärkster Springer, das hat er mit seinen zwei Siegen nachgewiesen", sagt der Bundestrainer.
Aber auch die Youngster, allen voran Senkrechtstarter Wellinger, schüren die Hoffnungen auf die erste Top-Drei-Platzierung in der Gesamtwertung seit Michael Neumayers Podestplatz 2008 und den ersten Erfolg in einem Einzelspringen seit Sven Hannawald 2002.
"Die Jungen springen unbeschwert drauf los. Das macht richtig Spaß", lobt Schuster seine Küken, und Freund ergänzt: "Es ist schön, dass ich es nicht allein bin, der die Ergebnisse macht, der aufs Podest springen kann. So kann der Winter weitergehen."
Morgenstern mit den Gedanken weit weg
Während im deutschen Team trotz Sorgenkind Freitag, dessen Leistungen noch sehr schwanken, eitel Sonnenschein herrscht, stehen im rot-weiß-roten Lager hinter den Überfliegern Schlierenzauer und Kofler noch Fragezeichen.
Allen voran beim 2011-Sieger Morgenstern läuft es noch nicht. Die Umstellung auf die engeren Anzüge bereiten dem Kärtner noch größere Probleme. Zudem ereilte ihn vor der Tournee-Generalprobe in Engelberg eine Erkältung.
Und Morgensterns Konzentration dürfte während der Tournee auch eher der Heimat gelten denn dem Springen. Freundin Kristina hat in der Nacht zum zweiten Weihnachtsfeiertag Tochter Lilly auf die Welt gebracht.
Loitzl im Aufwind
Dazu schwächelt Martin Koch, und Manuel Fettner sowie Michael Hayböck konnten noch nicht in die Top Ten vorstoßen.
Einzig der Aufwärtstrend von 2009-Sieger Wolfgang Loitzl macht Cheftrainer Alexander Pointner Mut. Mit den Rängen sechs und vier in Engelberg mischt der Steirer wieder in der Weltspitze mit.
"Das war das Beste, das mir im Hinblick auf die Tournee passieren konnte", sagt der mit 32 Jahren Älteste im ÖSV-Team. "Es wird qualitativ immer besser, das bestätigt mich auf meinem Weg."
Heimvorteil nutzen
Und das Duell zwischen DSV- und ÖSV-Adler ging auch im Vorfeld der Tournee weiter. Die Schuster-Truppe nutzte ihren Heimvorteil, trainierte noch in Oberstdorf.
Pointners Mannen nahmen hingegen am Bergisel die Innsbrucker Schanze noch einmal in Augenschein.
Beide Teams sind für das ewig junge Duell gewappnet.


