Weit weg vom Anspruch: DSV-Adler im neuen Jahr flügellahm
Von der Vierschanzentournee berichtet Rainer Nachtwey
Garmisch-Partenkirchen - Zwar kam Lob von höchster Stelle, über die große Enttäuschung beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen konnte es aber nicht hinweghelfen.
"Das ist ein Ergebnis, das man sich kaum besser vorstellen kann", sagte DSV-Präsident Alfons Hörmann, schob dann aber schnell nach, dass nur die Quantität wirklich herausragend war.
"Acht Deutsche im zweiten Durchgang, wann haben wir das das letzte Mal gesehen?" (DIASHOW: Die Bilder des Springens)
Für Bundestrainer Werner Schuster war dies jedoch nicht zufriedenstellend. Die Erwartungen, um einen Podestplatz mitzumischen, wurden nicht erfüllt.
"Die Acht sollen nicht darüber hinweg täuschen, dass ich nicht zufrieden bin. Wenn keiner um die Spitze fliegt, ist das nicht unser Anspruch", analysierte Schuster knallhart.
Wellinger bester Deutscher
Beim erneuten Sieg des Norwegers Anders Jacobsen belegte der beste deutsche Springer Andreas Wellinger den neunten Platz..
Tournee-Hoffnung Severin Freund schob sich nach schwachem ersten Sprung immerhin noch vom 20. auf den 15. Rang vor.
Vor Freund platzierten sich noch Andreas Wank als 11. und Martin Schmitt als 14. Die beiden Athleten nutzten damit ihre Chance, sich neben Freund, Wellinger, Richard Freitag (25.) und Michael Neumayer (21.) für die weiteren Springen in Innsbruck und Bischofshofen zu empfehlen.( DATENCENTER: Die Vierschanzentournee)
Schmitt wird belohnt
"Es war eine sehr knappe Geschichte. Wir haben es nach dem Leistungsprinzip gesehen, Martin gebührt hoher Respekt, er hat sich das verdient", begründete Schuster den Schritt, Wank und Schmitt für den bei den österreichischen Springen nur noch aus sechs Springern bestehenden Kader zu nominieren.
Bei seiner Analyse von Freunds Leistung meinte Schuster knapp: "Severin hat zu lange gebraucht, um mit der Schanze zurechtzukommen."
Für den zweifachen Saisonsieger Freund war das Ergebnis nach den Anpassungsproblemen mit der Olympiaschanze eine logische Konsequenz.
"Die Dichte im Weltcup ist sehr groß. Wenn mal ein Sprung nicht so klappt, ist man ganz schnell aus der Spitzengruppe", sagte Freund, der in der Tournee-Gesamtwertung hinter Tom Hilde aus Norwegen und den Russen Dimitri Wassiljew auf Rang fünf zurückfiel. (STATISTIK: Die Tournee-Gesamtwertung)
Jacobsen und Schlierenzauer enteilt
Weit enteilt an der Spitze thronen mit großem Vorsprung der zweifache Sieger Jacobsen und der zweifache Zweite Gregor Schlierenzauer.
Dass ein dritter Springer in das Duell noch eingreift, scheint ausgeschlossen. 38 Punkte beträgt Jacobsens Vorsprung bereits auf Landsmann Hilde.
"Hinter Jacobsen und Schlierenzauer herrscht eine Kluft zu den anderen Springern", stellte auch Schuster fest.
Rang drei als Ziel
Für Severin Freund geht es daher nur noch um den dritten Platz im Gesamtklassement. Dies gab auch Schuster als Ziel aus. "Es wird schwer die beiden zu schlagen. Wir werden alles daran setzen, den dritten Gesamtrang zu sichern."
Freund zeigte sich zur Tournee-Halbzeit dennoch nicht unglücklich.
"Dass ich in dem Wettkampf hier besser sein wollte, ist klar", sagte Freund, "aber wenn man bei der Tournee auf dem Podest steht und das vorher als Ziel ausgegeben hat, dann kann man zufrieden sein."
Lob für Wellinger
Einen guten Eindruck hinterlässt Debütant Wellinger, dem im zweiten Tournee-Springen sein zweites Top-Ten-Ergebnis gelang. "Andreas Wellinger ist die letzten Tage ein richtiger Lichtblick", lobte Schuster sein Küken unter den DSV-Adlern.
"Der 9. Platz ist wieder ein super Ergebnis. Ich kann mich gut auf neue Schanzen einstellen", sagte der 17 Jahre alte Ruhpoldinger.
Kritik an Freitag
Enttäuschend verläuft dagegen das Abschneiden von Richard Freitag. Die Plätze 15 in Oberstdorf und 25 in Garmisch passen in die bisher sehr wechselhaft verlaufende Saison des Sachsen.
"Richie will es ein bisschen erzwingen. Er schafft es nicht, seine Stärken einzubringen", sagte Schuster.
Freund hofft auf Innsbruck
Für die weiteren Stationen Innsbruck und Bischofshofen ist der Bundestrainer aber guter Hoffnung. "Wir werden jetzt Luft holen und dann in Innsbruck wieder angreifen. Ich hoffe, dass wir unsere Spitzenleute hinbekommen, um vorne mitmischen zu können."
Vor allem Freund will dann wieder weiter vorne zu finden sein.
"Vom Profil her ist Innsbruck eine Schanze, die mir sehr, sehr liegt", sagte er, schränkte aber zugleich ein: "Leider habe ich dort aber noch nie ein richtig gutes Ergebnis gehabt. Das ist auf jeden Fall ein Anreiz, es dieses Mal besser zu machen."


