Stehaufmännchen Schmitt: "Eine Bestätigung für mich"
Garmisch-Partenkirchen - Vom Sorgenkind zum Strahlemann in sechs Tagen: Als Martin Schmitt sein "Zeug" für die unerwartete Weiterreise nach Österreich packte, huschte ein Lächeln über das Gesicht des Altmeisters.
"Es ist schön, hier wieder zwei Wettkämpfe gemacht zu haben und wieder dabei zu sein", antwortete der 34-Jährige auf die SPORT1-Frage. Für ihn geht seine 17. Vierschanzentournee in eine nicht mehr für mögliche gehaltene Verlängerung.
"Vor sechs, sieben Wochen habe ich nicht erwartet, wieder auf so ein Niveau kommen kann. Aber es hat sich im Herbst angedeutet. Und es haben sich gewisse Dinge zueinander gefügt. Wir haben viele kleine Schritte genommen", fügte der Altmeister gegenüber SPORT1 hinzu.
Schmitt: Eine Bestätigung
Genugtuung verspüre er nicht, so Schmitt: "Für mich war es wichtiger, wieder zu meinem Sprung zu finden. Das habe ich geschafft, habe mich auf die Neuerungen mehr und mehr eingestellt. Mittlerweile habe ich einen sehr guten Grundsprung. Für mich ist das eher eine Bestätigung, dass die Qualitäten gefragt sind, die noch vorhanden sind."
Bundestrainer Werner Schuster erläuterte nach dem Neujahrsspringen in Garmisch, weshalb er den Schwarzwälder für die entscheidende zweite Hälfte der Tournee nominiert hat.
"Es war eine sehr knappe Geschichte. Wir haben es nach dem Leistungsprinzip gesehen, Martin gebührt hoher Respekt, er hat sich das verdient", sagte Schuster, der sein zwölfköpfiges Team halbieren musste: "Martin macht einen guten Job und ist mit sich im Reinen. Er wird von Sprung zu Sprung besser, daher gebührt ihm Respekt." (DIASHOW: Die Bilder des Springens)
Rückendeckung von Hörmann
Unmittelbar nach dem Neujahrsspringen, das Schmitt auf dem starken 14. Platz beendet hatte, hatte der Schwarzwälder noch ein vorzeitiges Aus und eine Weiterreise zum zweitklassigen Continentalcup ins polnische Zakopane in Kauf genommen.
"Ob ich beim nächsten Springen in Innsbruck dabei sein werde, spielt für mich heute keine Rolle", sagte Schmitt, der an Neujahr sogar Rückendeckung von DSV-Präsident Alfons Hörmann erhielt: "Martin Schmitt ist einfach sensationell. Er macht uns allen viel Freude."
Leistung gibt Ausschlag
Schmitt erhielt am Ende den Vorzug vor Danny Queck und Maximilian Mechler. "Es tut mir persönlich sehr weh, einen Springer wie Danny Queck nicht mitzunehmen. Auch für Maximilian tut es mir weh", sagte Schuster.
Doch am Ende gab die Leistung den Ausschlag: "Wenn sich Leute aufdrängen, werden sie auch berücksichtigt", hatte der Bundestrainer schon vor dem Neujahrsspringen gesagt.
Fast ein Jahr Weltcup-Pause
Noch Ende Dezember hätte Schmitts Comeback kaum jemand für möglich gehalten. In Schusters vorläufigem Aufgebot hatte sein Name noch gefehlt, erst ein Sieg im zweitklassigen Continental-Cup am 28. Dezember sicherte ihm in letzter Minute das Ticket für die Tournee.
Dort überzeugte der Team-Olympiasieger nach fast einjähriger Weltcup-Pause mit Rang 16 in Oberstdorf und Platz 14 in Garmisch ( DATENCENTER: Die Vierschanzentournee).
"In Oberstdorf habe ich Martin zwischen den Durchgängen lächeln gesehen. Da hatte ich schon das Gefühl, dass er im Moment einen sehr guten Zugang hat", sagte Schuster über das Stehaufmännchen aus dem Schwarzwald: "Er hat sich sehr achtbar geschlagen. Es gibt wenig zu mäkeln."
Liebling der Fans
Die Ovationen der Fans waren dem Team-Olympiasieger ohnehin gewiss. In Garmisch wurde Schmitt als "der Mann, der uns schon so viel Spaß gemacht hat" vom Stadionsprecher angekündigt.
"Zu seinem Auftritt fällt mir nur ein Wort ein: genial!", schrieb auch Schmitts ehemaliger Teamkollege Sven Hannawald in seinem Eurosport-Blog:
"Martin ist auf einem guten Weg, und der Bewegungsablauf ist endlich wieder rund und fast so gut, wie er zu erfolgreicheren Zeiten auch schon war.
Vor allem aber ist er besser als im vergangenen Winter. Da hatte Schmitt nach den Springen in Deutschland noch die Heimreise antreten müssen.
"Ein gutes Gefühl"
Der so gefeierte Schmitt atmete nach seinem Blitz-Comeback erst einmal tief durch.
"Ich wollte noch einmal alles aus mir rausholen. Ich kann noch gut skispringen, und das gibt mir ein gutes Gefühl", sagte der Oldie, der nun sogar auf das Ticket für die WM in Val di Fiemme Ende Februar hoffen darf. So weit wollte in Garmisch aber noch keiner denken. (STATISTIK: Die Tournee-Gesamtwertung)
"Darüber mache ich mir jetzt noch keinen Kopf. Ich bin erst einmal froh, hier dabei zu sein", sagte Schmitt.


