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Christoph Gawlik schoss den ERC Ingolstadt im April zum Meistertitel
Christoph Gawlik schoss den ERC Ingolstadt im April zum Meistertitel © getty

München - Im Interview mit SPORT1 spricht Christoph Gawlik über sein Meistertor, den Umbruch im Team sowie die Vorteile der neuen Regeln.

Von Florian Pertsch und Marcus Friedrich

Christoph Gawlik war vergangene Saison der gefeierte Held in Ingolstadt.

Der 27 Jahre alte Stürmer erzielte im entscheidenden Finalspiel bei den Kölner Haien den Führungstreffer für den ERC Ingolstadt.

Als Tabellenneunter stürmten die Ingolstädter damals bis ins Finale und feierten nach dem 2:0 im siebten Spiel der Finalserie den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Vom Meisterteam ist in Ingolstadt jedoch nicht mehr viel übrig.

Elf Spieler verließen den Titelverteidiger, zwölf neue kamen. Auch ein neuer Trainer steht an der Bank.

Zum Liga-Auftakt muss der ERC gleich beim sechsmaligen Champion Adler Mannheim (ab 19.30 Uhr LIVESCORES) antreten.

Vor dem ersten Saisonspiel spricht Christoph Gawlik im SPORT1-Interview über die Erinnerungen an sein Meistertor, den Umbruch im Team, die Vorteile der neuen Regeln sowie über die schärfsten Konkurrenten um den Titel.

SPORT1: Herr Gawlik, wie hat es sich so als Deutscher Meister in der Sommerpause gelebt?

Christoph Gawlik: Sehr gut (lacht). Nach dem Titel habe ich aber schon einige Tage und Wochen gebraucht, bis ich überhaupt realisiert habe, was wir geschafft haben. Wir haben eine sehr schlechte Saison gespielt. Als Tabellenneunter den Titel zu holen, ist schon etwas ganz Besonderes. Das war ein überraschender, aber unglaublich schöner Erfolg.

SPORT1: Sie haben das 1:0 im entscheidenden siebten Spiel geschossen. Denken Sie noch oft an diesen Moment?

Gawlik: Das war das schönste Gefühl, das ich je hatte. Dieses Tor habe ich mir den Sommer über immer wieder angeschaut und auch oft an die Aktion gedacht. Doch nicht nur für das Team, sondern auch für mich persönlich war es ein ganz wichtiges Tor. Ich habe eine schlechte Saison gespielt und an mir gezweifelt. In den Playoffs habe ich zu alter Stärke zurückgefunden und konnte so das Vertrauen in mich zurückzahlen.

SPORT1: Im Profisport heißt es ja immer: Einen Titel zu gewinnen ist schwer, aber ihn zu verteidigen ist noch viel schwerer. Ist diese Mission für den ERC ein Himmelfahrtskommando?

Gawlik: Der Spruch sagt ja schon alles. Wir wollen jetzt nicht über die Meisterschaft sprechen. Unser Ziel ist es, in die Playoffs zu kommen. Zur Not gehen wir wieder in die Pre-Playoffs. Und wie man vergangene Saison gesehen hat, ist alles möglich.

SPORT1: Sie sind einer der dienstältesten Spieler beim ERC. Elf Akteure gingen, zwölf neue Spieler kamen. Wie schwer ist es, schnell ein funktionierendes Mannschaftsgefüge aufzubauen, immerhin geht es gleich nach Mannheim?

Gawlik: Wir haben sehr viele Spieler aus dem Meisterteam verloren. Wir haben jetzt eine neue, komplett andere Mannschaft. Dazu spielen wir unter dem neuen Trainer auch ein neues System. Diese Faktoren machen es natürlich nicht leichter, den Titel zu verteidigen. Unsere Vorbereitung lief noch nicht optimal. Aber wir sind gerade in der Findungsphase.

SPORT1: Was für ein Typ ist der neue Coach Larry Huras?

Gawlik: Er ist immer für einen Spaß zu haben. Das gefällt mir sehr. Auf der anderen Seite verlangt er dann auch volle Konzentration und Einsatz. Niklas Sundblad war auch ein toller Trainer und wir hatten großen Erfolg. Aber gerade in so einer Phase können neue Impulse auch gut tun.

SPORT1: Lassen Sie uns auch einen Blick auf die Konkurrenz werfen. Welches Team ist Ingolstadts schärfster Verfolger?

Gawlik: In der Liga kann fast jeder jeden schlagen. Somit wird es auf viele Kleinigkeiten und manchmal auch auf das Quäntchen Glück ankommen. Es gibt fast kein Team, das abfällt. Auf Köln, Mannheim, Berlin, Hamburg und Krefeld müssen wir natürlich besonders aufpassen. München hat auch einen sehr starken Kader.

SPORT1: In München werden in dieser Saison satte zwölf Millionen ausgegeben. Der Etat des ERC liegt im mittleren einstelligen Millionen-Bereich. Schießt Geld ab einem gewissen Betrag doch Tore?

Gawlik: Nicht unbedingt. In den vergangenen Jahren haben schon einige Teams versucht, mit viel Geld an den schnellen Erfolg zu kommen. Das hat aber nicht immer funktioniert. Viel wichtiger ist ein charakterstarkes Team, das harmoniert und sich immer gegenseitig unterstützt.

SPORT1: Was halten Sie von den Regeländerungen zur neuen Saison - die Angriffsdrittel wurden vergrößert?

Gawlik: Für einen kleinen, wendigen Spieler wie mich, ist das nicht schlecht. So habe ich in den Duellen mit größeren Verteidigern noch die eine Sekunde mehr und zudem noch mehr Platz, die Gegner auszuspielen. Ich freue mich darauf.

SPORT1: Zusätzlich hält ein ganz neues Wort im deutschen Eishockey Einzug - Hybrid Icing. Können Sie das den Fans in einem Satz erklären?

Gawlik: Es ist kein großer Unterschied zum alten Icing. Wenn der angreifende Spieler die Chance hat, schneller als der verteidigende Spieler an den Puck zu kommen, dann wird das Icing aufgehoben. Dass macht das Spiel noch einmal schneller und es ergeben sich mehr Torchancen.

SPORT1: Neben Ihren Leistungen auf dem Eis haben Sie auch in Ihrer eigenen kleinen Show für einen lokalen Radiosender "Gawliks Welt" geglänzt. Haben Sie sich schon etwas Neues überlegt?

Gawlik: Neue Ideen habe ich noch nicht. Aber wenn es um einen Spaß geht, bin ich eigentlich immer dabei. Vielleicht hat der Verein ja auch eine Idee. Ich bin aber offen für alles (lacht).

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