vergrößernverkleinern
Don Jackson (M.) wurde mit den Eisbären Berlin fünfmal Deutscher Meister

München - Bei SPORT1 spricht EHC-Coach Don Jackson über das Image seines Arbeitgebers, Neid der Konkurrenz und ein Megaprojekt in München.

Von Robbin Wigger und Patrick Mayer

Don Jackson weiß damit umzugehen.

Mit Eifersüchteleien der Konkurrenz. Mit der Rolle des Gejagten. Mit großen Siegen.

Fünfmal wurde der 58 Jahre alte Amerikaner mit den Eisbären Berlin Deutscher Meister. Vor der Saison beauftragte ihn der Red Bull-Konzern mit der Mission DEL-Titel - er wechselte aus Salzburg zum EHC nach München.

Zwölf Millionen Etat

Dessen Geldgeber wartete bisher vergeblich auf eine Meisterschaft.

Jackson soll das ändern - mit einem Etat von zwölf Millionen Euro. Dem höchsten der Liga. Wenn er nach seinem Erfolgsrezept gefragt wird, antwortet er sachlich: "Sieger-Eishockey!"

Nach vier Spieltagen ist München Tabellenführer (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vor den Spielen an diesem Freitag gegen die Iserlohn Roosters (19.30 Uhr) und am Sonntag beim Meister ERC Ingolstadt (16.30 Uhr, jeweils in den LIVESCORES) sprach er mit SPORT1 über das Image seines Arbeitgebers, Neid der Konkurrenz und ein Megaprojekt in München.

SHOP: Jetzt Eishockey-Fanartikel kaufen

SPORT1: Herr Jackson, am Sonntag geht's gegen Ingolstadt. Viele Fans und Experten erwarten, dass Sie den ERC als Meister beerben werden.

Don Jackson: Ingolstadt hat zwar einige wichtige Spieler ausgetauscht, aber sie haben immer noch Topleute wie John Laliberte und mit Timo Pielmeier einen starken Keeper. Sie sind eine gefährliche Mannschaft und haben sich an den Geschmack von Siegen gewöhnt.

SPORT1: Dennoch: Sie sind souverän in die Saison gestartet und Tabellenführer. Da muss die Meisterschaft doch das Ziel sein, oder nicht?

Jackson: Die Saison ist noch jung. Wir müssen jeden Tag arbeiten und gesund bleiben, dann werden wir am Ende hoffentlich Meister. Aber noch ist es zu früh für Vorhersagen. Drei Teams sind mit drei Siegen und einer Niederlage direkt hinter uns. Es wird richtig eng. Wir sind die Gejagten, jedes Team will uns schlagen. Und alle Mannschaften werden im Saisonverlauf noch besser.

SPORT1: Bisher steht München ganz oben - warum?

Jackson: Wir laufen gut Schlittschuh und arbeiten hart am Zusammenspiel. Zudem haben wir viele torgefährliche Spieler. Trotzdem bin ich etwas überrascht über unseren Start. Ich hatte glaube ich noch nie einen solch' guten Start. Nicht unbedingt, was die Bilanz betrifft, sondern eher, dass wir so viele Chancen herausspielen und Tore erzielen, aber gleichzeitig defensiv gut stehen. Die Defensive ist unser Schlüssel, denn gute Defensive kreiert gute Offensive ?

SPORT1: ? und schafft Neider. Schließlich sind Red Bull-Teams sportartenübergreifend als Kommerz- und Dosenklubs verschrien.

Jackson: Die Geldfrage liegt nicht in meinen Händen. Ich weiß nicht, wie es mit dem Etat aussieht. Natürlich eröffnet Red Bull viele Möglichkeiten. Aber auch wir können nicht jeden guten Spieler bekommen und wissen nicht sicher, wie sich ein Crack bei uns entwickelt. Eine Mannschaft wird nicht automatisch zum großen Team des Geldes wegen. Selbst ein gutes Hauptrundenergebnis bedeutet nichts. 2010 hatten wir mit Berlin über 120 Punkte und flogen in der ersten Playoff-Runde raus.

SPORT1: Und trotzdem, können Sie die Leute verstehen, die Ihren Erfolg einzig den Möglichkeiten durch Red Bull zuschreiben?

Jackson: Über solche Gefühle habe ich keine Kontrolle. Über sowas denke ich nicht nach. Für mich gibt es zwei Dinge: Gewinnen oder Verlieren. Ich verschwende meine Zeit nicht damit, um darüber zu spekulieren, wie Leute denken oder fühlen. Ich weiß, was mein Job ist.

SPORT1: München an die Spitze zu führen, sicher. Es fiel auf, dass der Klub sich besonders um deutsche Topspieler bemüht - zuletzt um Felix Schütz. Strebt Red Bull ein deutsches Erfolgsmodell an?

Jackson: Felix Schütz ist ein Topspieler, ein Vorbild, der auch im Training vorangeht. Generell arbeiten alle hart, das ist wichtig für ein Spitzenteam. Ich glaube aber nicht, dass wir besonders viele Deutsche haben. Wir haben ja auch neun Importspieler, mehr geht nicht?

SPORT1: ? mit Dominik Kahun auch eines der größten Talente des deutschen Eishockeys. Was trauen Sie ihm künftig zu?

Jackson: Wichtig bei ihm und generell jedem Spieler von jung bis alt ist, dass er Konstanz in seine Leistungen im Training und Spiel bringt und weiter hart arbeitet. Er ist aber sehr talentiert. Seine Zukunft ist rosig.

SPORT1: Das gilt wohl auch für den Klub. Die Champions Hockey League ohne den EHC dürfte bald Geschichte sein, oder nicht?

Jackson: Das ist auf jeden Fall ein großes Ziel. Ich mache aber keine Statements. Ich sage nicht: 'Ich verspreche, dass wir das erreichen', denn wir sind im Sport. Jeden, der sowas sagt, kann ich nicht verstehen. Nicht, dass ich Angst hätte. Wir sind voller Zuversicht. Aber dieses Selbstbewusstsein müssen wir aufrechterhalten, dann ist unsere Zukunft glänzend und wir können das Ziel CHL auch erreichen. Wenn wir es schließlich doch nicht schaffen, sind wir gescheitert.

SPORT1: München ist erfolgsverwöhnt. Das beste Beispiel ist der FC Bayern. Doch während andere Sportarten boomen, tut sich das Eishockey traditionell schwer in der Gunst der Fans.

Jackson: Generell kann man das nicht wirklich vergleichen, denn Fußball ist mit Abstand die größte Sportart hier. Allerdings ist das natürlich eine große Herausforderung für das Marketing. Wir können mit Siegen helfen, hatten aber auch bisher schon gute Zuschauerzahlen. Es ist eine Ehre, in der gleichen Stadt zu sein wie eine Organisation, die so brillant ist wie der FCB. Eine der erstklassigsten Organisationen der Welt.

SPORT1: Die trieb unter Uli Hoeneß Gespräche über den Bau einer großen Multifunktionshalle voran, wie sie andere Städte haben - München aber nicht. Hoeneß sitzt nun im Gefängnis. Doch wie wichtig wäre eine solche Arena?

Jackson: Wir freuen uns auf die Möglichkeit, irgendwann in einer neuen Halle spielen zu können. Aber das wird erst in etwa drei Jahren auf uns zukommen. Es ist ein sehr großes, aufregendes Projekt und sehr wichtig für die Zukunft des Eishockeys von Red Bull München.

SPORT1: Dem wer den Titel streitig macht?

Jackson: Ich sehe Berlin als einen harten Konkurrenten. Sie haben mit Petr Pohl einen starken Spieler verpflichtet. Mit Florian Busch, Darin Olver und Barry Tallackson und weiteren haben sie zudem super Angriffsreihen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel