vergrößernverkleinern
Uwe Krupp gewann 1996 und 2002 den Stanley Cup
Uwe Krupp gewann 1996 und 2002 den Stanley Cup

Köln - Die Haie ziehen nach sechs Niederlagen in Serie die Reißleine und entlassen Uwe Krupp. Sein Nachfolger ist ein alter Bekannter.

Eiszeit in Köln: Trainer Uwe Krupp und Manager Lance Nethery sind beim Eishockey-Traditionsklub Kölner Haie in der Nacht zu Freitag entlassen worden.

Neuer Coach wird Niklas Sundblad, der bereits als Spieler sowie als und Co- und Chef-Trainer bei den Haien war und in der vergangenen Saison als Coach des ERC Ingolstadt die DEL-Finalserie gewann - gegen die Kölner Haie.

Katastrophaler Saisonstart

Der Verein reagierte damit auf den schwachen Saisonstart des achtmaligen Meisters, der in der Liga nach acht Spielen auf dem vorletzten Platz steht und in der neugegründeten Champions Hockey League (CHL) in der Vorrunde ausschied.

Krupp war seit Sommer 2011 Cheftrainer der Haie. Mit ihm wurden auch seine Assistenten Brian McCutcheon und Ron Pasco entlassen.

Die Haie hatten die letzten sechs Spiele in Folge in der DEL und der Champions League verloren, am Mittwoch unterlag Köln beim slowakischen Meister HC Kosice mit 3:4. In der Liga liegt der Ex-Meister auf dem vorletzten Tabellenplatz. Am Freitagabend (ab 19.30 Uhr in den LIVESCORES) steht die nächste Partie gegen die Krefeld Pinguine auf dem Programm.

Entschluss länger gereift

Nach SPORT1-Informationen stand der Entschluss nach der jüngsten Ergebniskrise schon länger fest.

Unmittelbar nach der Rückkehr aus Kosice setzte sich Geschäftsführer Peter Schönberger mit dem ehemaligen Stanley-Cup-Sieger zusammen und verkündete ihm die Entscheidung.

"In einem längeren Prozess sind die Gesellschafter zu der Überzeugung gelangt, dass unser sehr gutes Team seine Leistungen nur mit einem grundlegenden Neustart abrufen kann, um unsere hohen Ziele verwirklichen zu können", wird Schönberger in der Pressemitteilung des Klubs zitiert.

Der Wechsel von Mentor Krupp zu dessen ehemaligen Schüler Sundblad war demnach kein Schnellschuss, sondern langfristig vorbereitet.

Investoren fürchten um Geld

Die Ergebniskrise ist nach SPORT1-Informationen vielmehr Auslöser, aber nicht der Hauptgrund.

Schönberger und weitere Gesellschafter stemmen einen Teil des Saisonetats des Vizemeisters mit und sorgen im Hintergrund für dessen finanzielle Liquidität.

Zu der Gruppe von Investoren zählt unter anderem Frank Gotthardt von der CompuGroup Medical, einem börsennotierten Softwareunternehmen aus Koblenz. Sie sollen nach den jüngsten Misserfolgen und dem deutlichen Negativtrend schlicht um ihr investiertes Geld gefürchtet haben.

Nethery: "So ist das Sportgeschäft"

Nethery gab sich nach seiner Suspendierung diplomatisch und wollte nicht kommentieren, wie überraschend die Trennung für ihn tatsächlich kam - oder eben nicht.

"Ich akzeptiere das. Mit bleibt nichts anderes übrig. So ist das Sportgeschäft. Ich bin lange genug dabei. Wenn man so was nicht akzeptiert, macht man einen Fehler", sagte der Kanadier im Gespräch mit SPORT1.

"Reine Spekulation", antwortete er auf die Frage, ob Krupp und er nochmal die Wende geschafft hätten. "Es macht keinen Sinn, darüber zu spekulieren. Was passiert ist, ist passiert. Ich habe mit der Zukunft der Haie ab sofort nicht mehr zu tun."

Am Erfolgsdruck gescheitert

In den vergangenen drei Jahren hatte es Krupp nicht geschafft, den Verein trotz hoher Investitionen zum neunten Meistertitel und dem ersten seit 2002 zu führen. Zweimal unterlagen die Haie unter Krupp erst in den Endspielen der Play-off-Serie.

Diese bitteren Niederlagen kosteten den früheren Bundestrainer jetzt den Job, das Vertrauen der Gesellschafter rund um Investor Gotthardt war anscheinend nicht wiederherzustellen. Über die Besetzung des sport-administrativen Bereichs soll in Kürze entschieden werden.

Sundblad ein alter Bekannter

Sundblad, der am Freitagabend mit seinem neuen Assistenten Franz Fritzmeier erstmals hinter der Bande stand, hatte die Haie bereits nach der Entlassung von Bill Stewart 2010 als Cheftrainer betreut.

Für die Titelwünsche des Klubs ist er zudem ein gutes Omen: 2002 war er als Spieler an der letzten Meisterschaft beteiligt, in der vergangenen Saison gewann der 41-Jährige mit Außenseiter ERC Ingolstadt den in Köln so gewünschten Titel - ausgerechnet gegen seinen neuen Arbeitgeber.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel