vergrößernverkleinern
Richie Regher muss mit seinem Team einen 0:3 Rückstand in den Playoffs aufholen © Getty Images

Es ist gerade mal acht Tage her, da sprach Don Jackson noch optimistisch vom Titel.

Inzwischen geht es für Red Bull München im Viertelfinale der DEL ums blanke sportliche Überleben. Und die Aufgabe des EHC scheint vor Spiel vier am Dienstag (LIVESCORES ab 19.30 Uhr) beim vermeintlichen Außenseiter Grizzly Adams Wolfsburg fast aussichtslos.

Noch keinem Team ist es in der Playoff-Historie der DEL gelungen, einen 0:3-Rückstand zu drehen.

Ein würdiger Hedos-Nachfolger?

Als Zweiter der Hauptrunde waren die Münchner in die Playoffs eingezogen, ganz nach dem Geschmack des erfolgsverwöhnten und fordernden Namensgebers. Nach einem enttäuschenden Anlauf unter Trainer Pierre Pagé in der vergangenen Saison stand diesmal mit Don Jackson an der Bande.

Der wurde seit fünf Spielzeiten jedes Mal Meister, viermal mit den Eisbären Berlin, einmal mit Red Bull Salzburg, ehe ihn der Konzern nach München kommandierte.

Dort präsentierte sich die Mannschaft in der Hauptrunde phasenweise tatsächlich in einer Form, die an einen würdigen Nachfolger des in München so beliebten und 1994 finanziell gescheiterten EC Hedos denken ließ.

Der Meistertrainer ist ratlos

Nun steht diese Mannschaft vor einer praktisch unlösbaren Aufgabe: In den bisherigen 55 Serien, die im Modus Best of Seven ausgetragen wurden, hatten zwölf Teams mit 0:3 zurückgelegen. Neunmal endete die Serie mit 0:4, dreimal mit 1:4.

Vielleicht machte sich deshalb bei den Münchnern am Sonntag nach dem 0:2 gegen Wolfsburg schon eine gewisse Resignation breit. Selbst Meistermacher Jackson wirkte ratlos.

"Die Spieler waren nervös. Ich weiß nicht, ob ich sie so nervös mache, aber wir müssen das abstellen", sagte der 59-jährige Amerikaner mit finsterer Miene. Zuvor hatte er noch gefordert, dass das Play-off-Gefühl kommen müsse - "und zwar sofort".

"Bitter und sehr frustrierend"

Es kam nicht, sodass die mit großen Ambitionen in die Saison gestarteten Münchner "mit dem Rücken zur Wand stehen", wie der frühere Nationalspieler Alexander Barta anmerkte.

Die Lage sei "bitter und sehr frustrierend", fügte der Center an, aber er sei nach wie vor der Meinung, "dass wir die bessere Mannschaft sind". Doch bislang war der Hauptrunden-Zweite EHC gegen den Siebten nicht in der Lage, dies auch nur ansatzweise aufs Eis zu bringen.

Vor allem die mickrige Ausbeute von nur zwei Treffern in drei Spielen bereitet Jackson und seinen Spielern reichlich Kopfzerbrechen. Man habe bisher "keinen Weg zum Tor gefunden", sagte Benedikt Brückner, um die in solch brenzligen Situationen üblichen Durchhalteparolen anzuhängen: "Wir müssen und werden Tore schießen, es ist noch nichts verloren."

Neun Spieler fehlen

Allerdings verbessert sich beim EHC auch vor dem vierten Spiel die prekäre personelle Situation nicht entscheidend. Thomas Holzmann war schon am Sonntag zurückgekehrt. Ein Comeback-Versuch von Mads Christensen musste dagegen abgebrochen werden.

Damit fehlen Jackson in der möglicherweise entscheidenden Partie am Dienstag immer noch neun angeschlagene Profis. Neben Christensen stehen Topscorer Garrett Roe, Torwart Niklas Treutle, die Verteidiger Andy Wozniewski, Felix Petermann und Grant Lewis sowie die Angreifer Uli Maurer, Maximilian Kastner und Evan Brophey nicht zur Verfügung.

Kann Red Bull Playoffs?

Der EHC spielt seit 2010 in der Bundesliga, seit 2012 trägt er den Namen des Getränke- und Lifestyle-Konzerns aus Fuschl am See. Kein einziges Mal überstand er vor 2015 die Pre-Playoffs - sofern er sich überhaupt qualifizierte.

Natürlich wünschen sich die Fans und das Umfeld des Vereins, die mit dem großen und vielerorts umstrittenen Namensgeber bisweilen fremdelten, nun wenigstens Erfolg.

Aller Wahrscheinlichkeit nach bleibt der auch in dieser Saison aus. Das würde nicht nur der Nordkurve nicht gefallen. Sondern ganz sicher auch nicht der Red-Bull-Spitze um Firmengründer Dietrich Mateschitz.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel