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Jonathan Rheault und die Adler Mannheim machten mit dem Sieg im Finalspiel 6 ihr Meisterstück
Jonathan Rheault und die Adler Mannheim machten mit dem Sieg im Finalspiel 6 ihr Meisterstück © getty images

Ingolstadt - Dauerfavorit Mannheim beendet mit dem Meisterstück in Ingolstadt seine Leidenszeit. "Das kann nichts toppen", sagt Dennis Endras bei SPORT1. Jochen Hecht kriegt Spott ab.

Von den DEL-Finals berichtet Rainer Nachtwey

Dennis Endras reißt die Arme in die Höhe, dreht den Schläger in den Armen, fährt auf die Bank zu, stoppt ab, wieder zurück ins Tor, noch einmal die Faust. So richtig jubeln kann er noch nicht. 24 Sekunden sind noch auf der Uhr.

Aber nach dem 3:1 von Jon Rheault (60.) ins leere Tor des ERC Ingolstadt in Spiel sechs der DEL-Finals ist allen in der Saturn Arena von Ingolstadt klar: Die Adler Mannheim sind Meister. Auch wenn es offiziell erst mit der Sirene so weit ist.

"Ich hatte direkt Tränen in den Augen. Da habe ich verstanden, dass wir Meister sind", sagt der Keeper der Adler Mannheim im Gespräch mit SPORT1. " Das ist unbeschreiblich. Es gibt nichts Schöneres. Das hier kann nichts toppen."

Immer wieder am Druck gescheitert

Als die Sirene ertönt, feuert Endras Schläger, Fanghandschuh und Blocker von sich. Und kaum hat er sich von seinen Ausrüstungsgegenständen befreit - zur Torwartmaske schafft er es nicht mehr -, ist er schon in einer Traube aus Männern verschwunden, die sich wie kleine Kinder freuen.

Geschafft. Endlich. Der Ballast fällt ab. Acht Jahre hatten die Adler auf einen Titel gewartet, acht Jahre galten sie immer wieder als heißer Favorit, gereicht hat es nie. "Eine lange Wartezeit", sagt Christoph Ullmann, der bei der letzten Meisterschaft 2007 bereits das Adler-Trikot trug.

Lange Wartezeit und bittere Niederlagen. 2012, in seiner ersten Saison nach der Rückkehr hatten die Mannheimer in den letzten 14 Minuten eine 5:2-Führung im vierten Duell gegen die Eisbären Berlin verspielt und im alles entscheidenden fünften den Titel.

Hecht ringt ums richte Wort

"Die ganze Last fällt ab. Man zählt immer zum Favoritenkreis", führt Ullmann aus. "2012 eine bittere Niederlage erlebt. Das Jahr drauf auch Vorrundensieger, mit großen Erwartungen in die Playoffs und dann in der ersten Runde ausgeschieden. Das war alles Lehrgeld, das wir bezahlt haben, damit wir solche Momente erleben dürfen."

Solche Momente, das ist die Pokalübergabe im Konfettiregen, die Champagnerspritzerei, die Bierdusche für Trainer Geoff Ward, das Siegerfoto, das Feiern mit den rund 500 mitgereisten Mannheimer Fans.

Einer der diese Momente bereits erlebt hat, ist Jochen Hecht. In dieser Form ist der Titelgewinn für den NHL-Rückkehrer dennoch etwas Außergewöhnliches. "Das ist so…", Hecht sucht  nach Worten: "Super, klasse", und dann hat er es gefunden: "Geil!"

Hecht war bereits bei den Meisterschaften 1997 und 1998 der Adler Teil der Mannschaft. Als junger aufstrebender Spieler, bevor er sich mit dem Titel zu den St. Louis Blues verabschiedete. "Das war damals anders. Wir waren noch eine unerfahrene Truppe. Da war nicht viel Erwartungsdruck", sagt Hecht.

"Den Alten haben wir mitgezogen"

Das war diese Saison ganz anders. Sie waren der Topfavorit. Aber die Adler hielten dem Erwartungsdruck Stand. Sie wurden souveräner Vorrundenmeister, meisterten auch als Comeback-Könige die Playoff-Hürde Wolfsburg. Auch in der Finalserie gegen Ingolstadt gerieten sie mit 1:2 ins Hintertreffen.

"Der Glaube an uns war immens hoch", sagt Hecht. Und an sich selbst. Dass der bald 38 Jahre alte Stürmer es immer noch drauf hat, zeigt die Auszeichnung zum wertvollsten Spieler der Endrunde.

Obwohl Ullmann mit einem Augenzwinkern behauptet: "Den Alten haben wir mitgezogen. Den mussten wir mit durchnehmen."

Große Party nach der Ankunft

Aber Hecht ist auch am letzten Sieg der Saison maßgeblich beteiligt. Er holt die - wenn auch fragwürdige - Strafe vor dem 1:1 heraus, bereitet den Ausgleich im Powerplay vor.

Seine 12. Torvorlage - keinem gelangen in den Playoffs mehr. "MVP zu werden, ist natürlich schön. Aber den großen Pott zu holen, ist um einiges besser."

Und das wird ausgiebig gefeiert. Noch in der Nacht geht es zurück nach Mannheim zur SAP-Arena, in der über 10.000 Fans beim Public Viewing die Partie in Ingolstadt verfolgten. "Das wird eine lange kurze Busfahrt. Die Ankunft in Mannheim, die Feier mit den Fans, das wird eine geile Zeit."

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