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SPORT1-Experte Rick Goldmann gratuliert dem EHC Red Bull München zur Titelverteidigung © SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1

SPORT1-Experte Rick Goldmann zieht den Hut vor dem alten und neuen deutschen Meister Red Bull München. Ein Vergleich mit dem FC Bayern käme aber noch zu früh.

Liebe Eishockey-Freunde,

wir haben unseren neuen und alten Meister. Glückwunsch an den EHC Red Bull München.

Aber auch Hut ab, was die Grizzlys Wolfsburg geleistet haben. Es war schon beeindruckend, was die Mannschaft von Pavel Gross an Rückschlägen weggesteckt hat und mit Beginn jedes neuen Finalspiels immer wieder mit neuer Energie aufs Eis zurückgekehrt ist.

Allerdings hat diese Energie allein nicht gereicht, denn die Münchner hatten auf alles, was die Grizzlys gezeigt haben, die passende Antwort.

Bestes Beispiel war das vierte Finale. Wolfsburg gelingt endlich ein Powerplay-Tor in den Finals und was macht München? Sie treffen in Unterzahl. Wolfsburg legt mit dem zweiten Power-Play-Tor nach. Und was machen die Münchner? Sie schießen dann halt gleich drei Tore in Überzahl.

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Den EHC macht einfach die Geschlossenheit und Tiefe im Kader aus. Das zeigte sich auch in den Special Teams, die überragend waren. Es war kein einzelner Spieler, der aus dem Münchner Kollektiv herausragte.

Ja, Yannic Seidenberg hat die Trophäe als MVP der Finalserie erhalten - und das auch verdient. Er steht für das Münchner Spiel. Er ist sehr variabel. Während der Saison wurde er zeitweise als Verteidiger eingesetzt, im Powerplay hat er das Spiel von der blauen Linie mit unglaublich viel Gespür dirigiert und in seiner Sturmreihe ging er dahin, wo es weh tut. Aber der EHC war nie abhängig von einem Spieler allein.

Vielmehr hat sich die Mannschaft unglaublich abgezockt präsentiert. Sie waren vielleicht nicht so überragend wie vergangene Saison, aber sie haben die Fehler der Gegner einfach eiskalt ausgenutzt. Und wenn sie es gebraucht haben, waren ihre Special Teams zur Stelle.

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Klar stellt sich nach dem zweiten Titelgewinn in zwei Jahren die Frage: Dominiert Red Bull München jetzt die kommenden Jahre?

Die Münchner Medien ziehen da gerne und schnell den Vergleich zur Dominanz des FC Bayern München im deutschen Fußball. Aber das kann man einfach nicht vergleichen.

Das, was der FC Bayern über 30, 40 Jahre gezeigt hat und auch zeigen wird, kann man einfach nicht mit dem EHC nach zwei Meisterschaften vergleichen.

Und München könnte ein Umbruch bevorstehen. Zahlreiche Leistungsträger sind nicht allzu weit vom Karriere-Ende entfernt und beschäftigen sich auch schon damit. Wie Keith Aucoin. Der Amerikaner ist bereits 38 Jahre alt und sich noch nicht sicher, ob er weitermacht. Deron Quint ist 41, Michi Wolf 36, Jason Jaffray 35.

Aber die Münchner werden auch in den kommenden Jahren immer zu den Favoriten zählen. Sie haben einen guten Kern an deutschen Spielern.

Auf die darf sich auch Bundestrainer Marco Sturm freuen. Denn mit dem Ende der DEL-Saison läuten wir ja zugleich auch den Endspurt der WM-Vorbereitung ein. Sechs, sieben Spieler vom Meister und Vizemeister erwarte ich WM-Kader.

Sturm wird dann die Qual der Wahl haben. Vor allem weil jeder Spieler natürlich darauf brennt, bei der Heim-WM dabei zu sein.

Auch ich freue mich schon unglaublich auf das Turnier. Und wenn wir uns daran erinnern, wie grandios die letzte WM in Deutschland war, wird die Vorfreude noch größer.

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