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Prag - Bei der WM in Tschechien sind nahezu alle Superstars am Start. Die großen Nationen dürfen sich Hoffnungen auf den Titel machen. SPORT1 macht den Favoritencheck.

Aus Prag berichtet Rainer Nachtwey

Das hatte eigentlich niemand erwartet. Die Eishockey-WM in Prag (ab heute, 16.00 Uhr LIVE im TV bei SPORT1 und im LIVETICKER) sieht bei der Kaderzusammenstellung eher nach Olympischen Spielen aus. Sidney Crosby, Jewgeni Malkin, Ilja Kowaltschuk, Jaromir Jagr – die richtig großen Namen haben sich in Prag eingefunden.

In den letzten Jahren fehlten diese Stars immer wieder, wenn sie mit ihren NHL-Klubs in den Playoffs für Furore sorgten. Aber nun liegt ihr Fokus ganz zwangsläufig auf Prag.

SPORT1 nimmt mit Experte Rick Goldmann die Favoriten unter die Lupe und stellt ein Top-Fünf-Ranking auf. "Dieses Jahr braucht man sich die WM nicht schön reden. Sie ist es einfach. Es sind die absoluten Topstars dabei", sagt der ehemalige deutsche Nationalspieler.

Für die deutsche Mannschaft ist die Ansammlung der Superstars eher ein Nachteil. "Die deutsche Gruppe ist echt stark. Das muss man festhalten", sagt Goldmann und glaubt, dass ein Außenseiter überraschen könnte.

5. Schweden (Gruppe A)

Die Tre Kronor haben eine interessante Mischung aus jungen NHL-Spielern und erfahrenen Akteuren aus der heimischen Liga. Zudem verfügt Coach Pär Marts über den wohl besten Verteidiger des Turniers: Oliver Ekman-Larsson.

Der Teamkollege von Tobias Rieder in Arizona erzielte 23 Tore in 82 Spielen – so viele wie kein anderer Verteidiger. Mit John Klingberg steht zudem die NHL-Rookie-Überraschung der Saison im Kader. Im Kasten kann Marts wieder auf 2013-WM-Held Jhonas Enroth vertrauen.

Im Sturm wirbeln neben den Routiniers Loui Eriksson (Boston) und Joel Lundquist (Frölunda) die Jungspunde Joakim Lindström (Toronto), Elias Lindholm, Victor Rask (beide Carolina) und Filip Forsberg (Nashville).

Rick Goldmann: "Bei den Schweden sind unheimlich viele junge Spieler dabei, die aber bereits in der NHL ihre Erfahrung gesammelt haben. Das sind Erste- und Zweite-Linien-Spieler. Das zeigt die Tiefe und Qualität der Schweden."

4. Schweiz (Gruppe A)

Die Schweizer sind die Anti-Deutschen. Zusagen statt Absagen. Den Eisgenossen stehen die NHL-Starspieler Mark Streit (52 Scorerpunkte) und Roman Josi (55) zur Verfügung, gehören auch in ihren Klubs Philadelphia und Nashville zu den Top-Verteidigern.

Gerade Josi, der die Schweizer schon 2013 zu Überraschungssilber führte, gibt dem Team von Coach Glen Hanlon eine zusätzliche Waffe von der blauen Linie, vor allem im Powerplay.

Der erst 18 Jahre alte Kevin Fiala aus dem Josi-Klub Nashville dürfte nach seiner ersten WM im Vorjahr einen großen Schritt weiter sein. Er gilt zu den aufstrebenden Spielern schlechthin im internationalen Eishockey. Und mit Reto Berra (Colorado) im Tor sind die Schweizer bestens aufgestellt.

Rick Goldmann: "Allein in der Verteidigung mit Josi und Streit stehen über 100 Scorer-Punkte auf dem Eis. Das ist eine unheimliche Power, die sie hinten raus haben. Das ist ein guter Mix. Da darf man echt gespannt sein, wie weit die dieses Jahr kommen. Denen kann man dieses Jahr fast alles zutrauen."

3. Tschechien (Gruppe A)

Jaromir Jagr ist extra für das Turnier von seinem Rücktritt zurückgetreten. Der 43 Jahre alte Stürmer ist die große Hoffnung der Gastgeber. Dazu finden sich mit Jakub Voracek der viertbeste Scorer der NHL-Saison und mit Tomas Hertl ein aufstrebender Jungstar im Kader von Trainer Vladimir Ruzicka wieder.

Carolina Hurricanes  v New Jersey Devils-Jaromir Jagr
Der tschechische Superstar Jaromir Jagr gewann noch nie einen WM-Titel © Getty Images

Jan Hejda (Colorado), Michal Jordan (Carolina) und Ondrej Nemec (ZSKA Moskau) sind die Stützen in der Verteidigung. Zudem steht mit den Keepern Alexander Salak (Nowosibirsk/KHL) und Ondrej Pavelec (Winnipeg) ein sicherer Rückhalt im Kasten der Tschechen. Allerdings: Mit Ausnahme der Schweden 2013 gewann seit 1987 keine Gastgeber die Heim-WM.

Rick Goldmann: "Sie stehen zwar daheim unter enormen Druck, liefern zu müssen, haben aber einen Kader, mit dem sie etwas zeigen können. Allein mit Jagr und Voracek, der ja zu den besten Scorern der NHL gehörte."

2. Russland (Gruppe B)

Jewgeni Malkin, Ilja Kowaltschuk, Wladimir Tarasenko – muss man mehr sagen? Allein der Angriff ist schon wieder eine Allstar-Auswahl. Und sollte Pavel Dazjuk noch zum Team stoßen, dürfte der Gegner von den russischen Angriffswellen seekrank werden.

Im Tor hat der Titelverteidiger den Keeper der NHL-Saison 2014 stehen. In der Abwehr sind die Russen nicht mit einer Offensivpower wie beispielsweise die Schweizer (Josi) oder die Schweden (Ekman-Larsson) ausgestattet, aber Jewgeni Medwedew und Jewgeni Birjukow sind die starken Defensiv-Verteidiger, die eine Mannschaft bei all dem Angriffswirbel braucht.

Allerdings: Bei den Russen ist es immer die Frage, ob sie sich als Mannschaft finden. Das war gerade bei Heim-Olympia 2014 nicht der Fall.

Rick Goldmann: "Mit dem Kommen von Malkin und dem wahnsinnig starken Jahr von Tarasenko setzen die auch noch mal einen drauf. Auf Tarasenko freue ich mich persönlich sehr. Wir haben ihn vor zwei Jahren gesehen, da war er noch jung und unauffällig. Aber dieses Jahr in der NHL… Wow!"

Der Topfavorit: Kanada (Gruppe A)

Er ist hier, um den fehlenden Titel noch zu holen. Der WM-Pokal fehlt Sidney Crosby in seiner Trophäensammlung. Stanley Cup, Olympia-Gold, MVP, Art Ross Trophy, und und und.

Aber er braucht eben noch den WM-Titel, damit der Superstar des Eishockeys als 26. Spieler in den elitären Kreis des Triple-Gold-Club Eintritt erhält. Nicht nur für Crosby, auch für Kanada ist die Sehnsucht nach einem erfolgreichen Abschneiden gewaltig.

Letztmals 2009 kamen die Ahornblätter über das Viertelfinale hinaus, damals in Bern das Finale. Der letzte Titelgewinn datiert aus dem Jahr 2007. Mit einem Star-Aufgebot vom Feinsten soll sich dies nun ändern. Neben Crosby sind auch Ex-Eisbär Claude Giroux sowie Taylor Hall und Tyler Seguin, die Nummer-1- und 2-Picks aus dem NHL-Draft 2010, am Start.

Rick Goldmann: "Kanada ist mein absoluter Topfavorit. Allein der Name Crosby zeigt, wie gefährlich und wie stark die Kanadier aufgestellt sind."

Der Außenseiter: Slowenien (Gruppe B)

Ja, die deutsche Mannschaft hat gegen die Slowenen am Mittwoch gewonnen. Aber, es war nur ein Vorbereitungsspiel. Die Slowenen sind – obwohl Aufsteiger – nicht zu unterschätzen.

Das hängt einerseits allein am Namen Anze Kopitar, sie sind aber mehr als nur Kopitar. Die Mannschaft um die in der DEL bekannten Ziga Jeglic, Rok Ticar, Robert Sabolic, Ales Kranjc spielt seit längerem zusammen, und zu was sie fähig ist, zeigte sie bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi.

Kopitar – Papa Matjaz trainiert die Mannschaft – ist einer der komplettesten Spieler in der NHL und hatte in den letzten drei Jahren großen Anteil am zweimaligen Stanley-Cup-Triumph der Los Angeles Kings.

Rick Goldmann: "Die Gruppe B ist definitiv ausgeglichener. Da werden sich die Teams untereinander die Punkte wegnehmen. Deshalb kann es um den vierten Platz richtig eng werden. Und die Nutznießer könnten die Slowenen sein. Sie sind eingespielt und haben mit Anze Kopitar den Topscorer der letztjährigen NHL-Playoffs. Mit einer guten Torhüterleistung traue ich den Slowenen die eine oder andere Überraschung zu."

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