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Prag - Die deutsche Mannschaft schließt das WM-Turnier mit der fünften Niederlage im siebten Spiel ab - und dem Minimalziel Klassenerhalt. Die SPORT1-Analyse.

Vom DEB-Team berichten Rainer Nachtwey, Jonas Beck und Sascha Bandermann

Es war sicherlich nicht das Ende, wie es sich die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM in Prag vorgestellt hatte. 2:3-Niederlage nach Penaltyschießen gegen Österreich. Ausgerechnet Österreich.

Bundestrainer Pat Cortina fand eine einfache Erklärung dafür. "Der Tank war leer", sagte der Coach zu dem straffsten Programm aller Teilnehmer.

Am Ende steht aller Voraussicht nach der 10. Platz zu Buche. Es hängt noch vom Ausgang der restlichen Spiele ab. Dabei müsste Österreich allerdings gegen Kanada gewinnen, um die deutsche Mannschaft noch vom fünften Gruppenrang zu verdrängen. "Meine Mannschaft hätte mehr verdient", meint Cortina zum Abschneiden.

Fakt ist allerdings, dass seine Mannschaft nur zwei von sieben Spielen gewann. Und hätten die Schweizer nicht gleich zweimal gegen die Österreicher (Niederlage nach Penaltyschießen) und die Letten (Niederlage nach Verlängerung) gepatzt, wäre das Viertelfinale schon frühzeitig außer Reichweite gewesen. (SERVICE: Ergebnisse Eishockey-WM)

Letztlich bleiben nach dem letzten Spiel des deutschen Teams viele Fragen offen: Wie ist das Abschneiden des DEB-Teams sportlich einzuordnen?

Und wie geht es weiter mit Cortina?

Die SPORT1-Bilanz:

  • Wie geht es weiter?

Der Bundestrainer: Diese Frage beantworten die Verantwortlichen in den nächsten Tagen. Ziemlich sicher wird der dann nicht mehr Pat Cortina heißen. Dem Vernehmen nach soll Uwe Krupp in der Doppelfunktion als Trainer der Eisbären Berlin und der Nationalmannschaft zurückkehren.

Und Reindl verdeutlicht immer wieder, was er von Krupps Abschied vom DEB 2011 hält: "Die Uwe-Krupp-Ära zu beenden, war ein Fehler ohne Not."

Germany v Slovakia - Deutschland Cup 2014
Für Pat Cortina war es die dritte WM als deutscher Bundestrainer © Getty Images

Krupp soll sich seit Samstag in Prag aufhalten, die DEB-Spitze und das Kompetenzteam treffen sich mit der DEL in den kommenden Tagen in der tschechischen Hauptstadt.

"Wir werden uns so schnell wie möglich zusammensetzen, um über die Vergangenheit und auch über die Zukunft zu reden", kündigte Reindl am Montag bei SPORT1 an.

Die Olympia-Qualifikation: Durch das Verpassen des Viertelfinals wird sich Deutschland in der Weltrangliste nicht unter die besten elf Nationen schieben. Das bedeutet, die DEB-Auswahl muss sich bei einem Qualifikationsturnier in der Fremde für Pyeongchang 2018 qualifizieren.

Die ersten acht Nationen sind neben dem Gastgeber gesetzt, die Neunt-, Zehnt- und Elftplatzierten der Weltrangliste tragen vor eigenem Publikum eine Qualifikation aus.

  • Was war gut?

Die Moral: Nach der Abreibung gegen Kanada meldete sich die deutsche Mannschaft mit einer soliden Leistung gegen die Schweiz zurück, wurde dafür aber nicht belohnt. Auch gegen Schweden, Lettland und Tschechien zeigte sie, dass sie lebt.

"Diese Mannschaft hat sich nach schweren Niederlagen immer wieder zurückgekämpft. Kanada, Schweiz, Schweden, wir haben jedes Mal eine starke Leistung danach gezeigt", gibt sich auch der Bundestrainer zufrieden.

Das Penaltykilling: In der Vorbereitung noch der Schwachpunkt mit zahlreichen Gegentreffern, gehörte das Spiel in Unterzahl zu den Stabilisatoren. Lediglich zwei Tore bei 21 Situationen kassierte die DEB-Auswahl - Top 5 bei der WM.

Die Torhüter: Auch wenn die Statistik nur einen Platz in der Kellerregion ausgibt - was allen voran an den zehn Gegentoren gegen die Kanadier liegt -, auf die Keeper war wieder Verlass. Sowohl Dennis Endras als auch Timo Pielmeier hielten die Truppe im Spiel.

  • Was war schlecht?

Der Kanada-Auftritt: Beim Duell mit dem Olympiasieger wurde Cortinas Truppe vorgeführt. Es war mehr als ein Klassenunterschied deutlich. "Das müssen wir bei unserer Analyse außen vorlassen", sagt Cortina. Das Positive, das Cortina daraus ziehen kann, ist, dass seine Mannschaft aus der Demütigung gelernt hat.

"Wenn wir uns gegen so eine Mannschaft hinten reinstellen und warten, was die machen, dann wird’s noch bitter. Das haben wir ganz gut zu verstehen bekommen, dass wir so nicht spielen können", sagt Kapitän Michael Wolf.

Die Offensiv-Ausbeute: 11 Tore in 7 Spielen - damit ist auf internationalem Niveau wenig bis nichts zu gewinnen. Mit einer Schusseffizienz von 7,69 gehört das DEB-Team wieder - wie auch schon in den Vorjahren - zur unteren Hälfte.

Ein Problem der deutschen Offensive ist auch, dass von den Verteidigern die Unterstützung fehlte. Kein Verteidiger-Tor, kein abgefälschter Schuss von der blauen Linie - nichts. "Wir wussten, dass von unseren Verteidigern kein großer offensiver Impuls kommen kann", sagt Cortina mit Bezug auf die vielen Ausfälle gerade bei den Verteidigern.

  • Was macht Hoffnung?
Germany v Austria - 2015 IIHF Ice Hockey World Championship
Tobias Rieder machte bei der WM einen guten Eindruck © Getty Images

Die jungen Spieler: Tobias Rieder bewies, warum er in der NHL über 70 Spiele bestritten hatte. Mit seinem Speed können es nur wenige aufnehmen. Zwar blieb er ohne Tor, seine Vorarbeit für Wolf gegen die Tschechen deutete sein großes Potenzial an.

Pielmeier (25) und Nico Krämmer (22) spielten ihre erste WM und gehörten gleich zu den festen Bestandteilen, auch wenn Krämmer erst nach dem Kanada-Spiel zum Einsatz kam. Auch für Thomas Oppenheimer (26) und Matthias Plachta war es erst ihre zweite, dennoch rückten sie gleich in die Rolle eines Führungsspielers.

Und Oppenheimers Kritik rüttelte die Mannschaft wach, sorgte für eine Aussprache innerhalb des Teams. Es folgten die starken Auftritte gegen Schweden und Tschechien sowie das starke Schlussdrittel gegen Lettland.

Die Absagen: Cortina muss sie sich ankreiden lassen. Er ist für die Rekrutierung der Spieler zuständig. "Das ist ganz klar Aufgabe des Bundestrainers", sagt DEB-Präsident Franz Reindl. Und es sagten nicht alle verletzungsbedingt ab.

Aber die Absagen-Flut - 22 Mann sagten aus diversen Gründen ab - macht auch Hoffnung. Mit einem 1A-Kader dürfte mehr drin sein.

"Wenn du als deutsche Mannschaft bei einer WM mit vier der sieben Top-Nationen in einer Gruppe bist, dann brauchst du alle Qualität, die du hast", sagt Reindl. "Wenn du die nicht ganz hast, dann kämpfen die, die da sind. Die geben, was sie können. Aber das reicht halt nicht." Bedeutet: Mehr als Platz 10 ist mit dieser Mannschaft nicht drin.

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