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Prag - Das DEB-Team lässt sich gegen Kanada vorführen und verliert mehr als nur ein Spiel. Das Beste aus dem Auftaktwochenende ist die Punkteausbeute.

Vom DEB-Team berichtet Rainer Nachtwey

Spielerisch leicht, die perfekte Kombination von Stickhandling und Schlittschuhlaufen. Es war Anschauungsunterricht vom Feinsten, den die Zuschauer am Sonntag Nachmittag bei der WM in Prag geboten bekommen haben.  

Vom Eishockey-Superstar schlechthin, Sidney Crosby, und seinen Kanadiern.

Auch für die deutsche Mannschaft war es Anschauungsunterricht.

Und zwar Anschauungsunterricht, wie man als deutsche Mannschaft nicht auftreten soll, nicht auftreten darf.

"Haben unsere Identität verloren"

Zumal Cortinas Jungs das Wort Anschauungsunterricht bei der 0:10-Abreibung gegen die Kanadier wörtlich nahmen: Sie schauten zu. "Wir waren in der Position, etwas zu tun, aber wir haben es nicht ", befand Cortina. Sie hielten einfach nicht dagegen. Sie ließen sich den Puck abnehmen, sie wehrten sich nicht.

"Wir haben unsere Identität verloren", sagte Cortina. Keine deutschen Tugenden waren zu erkennen, kein Kampf, kein Einsatz. Das wurmte Cortina sehr: "Es ist okay, ein Eishockeyspiel zu verlieren, aber nicht unsere Identität."

Ergebnis der wehrlosen Vorstellung war eine historische Pleite: 0:10. So hoch hatte eine deutsche Nationalmannschaft gegen Kanada seit dem 21. März 1967 nicht mehr verloren.

Analyse statt abhaken

Aber wie geht man mit so einem Spiel gegen Kanada, so einer Demontage, so einem Debakel um? Am besten einfach vergessen? Christoph Ullmann meint ja. "Ein Bier trinken und schnell abhaken", sagte der Mannheimer Meisterstürmer bei SPORT1.

Cortina hingegen meint nein. Er will das Spiel aufarbeiten, analysieren, Video-Studium betreiben. Von wegen vergessen. (SERVICE: Der WM-Spielplan)

Er will aus dem Anschauungsunterricht doch etwas Positives mitnehmen: "Wir haben hoffentlich unsere Lektion gelernt."

Kein Glanz gegen Frankreich

Schon beim 2:1-Auftaktsieg gegen gegen Frankreich gab es bis auf die drei Punkte wenig Positives zu vermelden.

Am Ende hieß es eh nur: Hauptsache gewonnen. "Man hat es uns angemerkt, dass wir extrem unter Druck standen. Wir haben über 60 Minuten nicht das Eishockey gespielt, das wir uns vorgenommen hatten", meinte Patrick Hager selbstkritisch im Gespräch mit SPORT1.

Es war ein nervöses, für deutsche Auftaktspiele zuletzt typisches Gewürge. Vor allem wenn es gegen Gegner auf Augenhöhe geht.

Das alles sollte aber mit dem Spiel gegen Kanada dann aber gegessen sein.

Cortina wollte daher gegen die Kanadier eine andere deutsche Mannschaft sehen. Eine, die sich etwas zutraut. Agieren statt reagieren, bessere Entscheidungen an der Scheibe, mehr Druck. Zu sehen bekam er davon aber nicht. Gar nichts.

Steigerung gegen Schweiz Pflicht

Nun heißt es gegen die Schweiz (Di. 16 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER) die von Cortina geforderten Maßnahmen umzusetzen. Denn mit der Leistung aus dem Kanada-Spiel ist an einen Erfolg gegen die mit vier NHL-Stars gespickten Schweizer nicht zu denken.

Fakt ist aber auch: Trotz der Absagenflut von 22 Spielern steckt in der vorhandenen Truppe mehr Potential, als sie es bei den bisherigen Auftritten gegen Frankreich und Kanada gezeigt hat.

Für Marcus Kink zählt gegen die "Eisgenossen" daher nur eines: "Wir müssen den Frust als Motivation mitnehmen", sagte der Mannheimer bei SPORT1. "Es ist noch nichts vorbei. Wir haben ein Spiel gewonnen, eines verloren. Jetzt wollen wir das nächste wieder gewinnen."

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