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Center Marcel Noebels (l.) wurde 2011 von den Philadelphia Flyers gedraftet

Vom DEB-Team berichtet Patrick Mayer

München - Marcel Noebels zog aus. In die USA. Knapp fünf Jahre ist das her.

Der heute 22-jährige Crack brachte alles mit. Die Physis. Topwerte aus der Schüler-Bundesliga und der Juniorenbundesliga DNL. Er hatte für den Nachwuchs der Eisbären Berlin und die Jungadler Mannheim gespielt.

Es sah gut aus für ihn. 2011 wurde er von den Philadelphia Flyers gedraftet, unterschrieb einen Vorvertrag für die NHL.

Noebels arbeitete fortan stetg an seinem Können, an Technik, an Chancenverwertung. Doch trotz starker Bilanz im FArmteam reichte es letztlich nicht für den großen Traum.

Nachdem er es in der Preseason wieder nicht in den NHL-Kader geschafft hat, kehrte er anfang Oktober überraschend in die Heimat zurück und unterschrieb bei dem Eisbären in der DEL (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Halt gibt ihm hier auch die Nationalmannschaft für die er bereits zwei Weltmeisterschaften bestritt.

Im Interview mit SPORT1 spricht er vor dem Auftaktspiel gegen die Schweiz (Fr., ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im STREAM) über sein Scheitern in Nordamerika, den Plan B und Perspektiven des jungen DEB-Teams.

SPORT1: Herr Noebels, dass wir Sie zu dieser Jahreszeit bei der Nationalmannschaft antreffen war nicht Ihr Plan, oder?

Marcel Noebels: Nein, natürlich nicht. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so kommen würde. Ich bin jetzt einen anderen Weg gegangen. Ich glaube aber, dass mein Plan B kein schlechter sein wird. Ich freue mich auf die Chance in Berlin.

SPORT1: Wie sieht denn Ihr Plan B konkret aus?

Noebels: Ich habe für drei Jahre unterschrieben. Dort wird immer langfristig geplant. Das zeigt mir das Vertrauen von Management und Trainer. Wir haben zuletzt zwar nicht erfolgreich gespielt, aber ich habe zumindest meine Rolle im Team gefunden. Ich sehe anhand der Eiszeit, dass ich ein Führungsspieler bin und dass auf mich gesetzt wird.

SPORT1: Dennoch: Sind wir mal ehrlich. Ist Ihre aktuelle Situation nicht ein Karriereknick?

Noebels: Wäre ich direkt davon ausgegangen, dass es klappt, wäre die Enttäuschung umso größer. Aber da sind ja so viele Jungs drüben, die Eishockey spielen können. Ich habe fünf Jahre in Amerika gelebt, das war eine schöne Zeit. Jetzt wieder zurück zu sein, ist nicht nur eine Enttäuschung. Ich habe einiges mitnehmen können, ansonsten würde ich in einer Mannschaft wie Berlin nicht direkt eine solche Rolle einnehmen. Es wäre deshalb verkehrt, von einem falschen Schritt zu sprechen.

SPORT1: Welche Erfahrungen haben Sie denn mitgebracht?

Noebels: Ich beherrsche eine neue Sprache fließend. Was das Eishockey betrifft: Die Juniorenligen sind dort so gut. Der eine oder andere der Jungs wird in den kommenden Jahren NHL spielen. Ich hatte das Ziel, mich mit diesen Cracks zu messen und unter den besten in meinem Alter zu spielen. Das habe ich geschafft.

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SPORT1: Aber?

Noebels: Hätte ich dieses Jahr einen anderen Trainer gehabt, wäre ich jetzt vielleicht gar nicht hier. Ich glaube nicht, dass ich nicht gut genug war. Im Eishockey geht es oft um Politik, das weiß man ja. Das war bei mir auch der Fall?

SPORT1: ? Sie meinen, dass Spieler US-amerikanischer Herkunft bevorzugt werden?

Noebels: Ja, in diese Richtung geht es. Ich möchte jetzt aber nicht zu weit ausholen.

SPORT1: Belassen wir es dabei. Woran werden Sie künftig arbeiten, um auf dieses Topniveau zu kommen?

Noebels: Mitgebracht hab ich den ständigen Körpereinsatz. Den versuche ich in Berlin einzubringen, hier und da ein Zeichen zu setzen. Woran ich arbeiten muss, ist das Selbstvertrauen. Das muss ich zurückgewinnen, weil es mir im letzten Jahr genommen wurde. Ich bin 22, wer weiß schon, wie es in zwei, drei Jahren aussieht. Ich habe direkt gesagt, dass ich mit Amerika nicht abschließen will. Vielleicht ist eines Tages die Chance da, wieder ins Ausland zu gehen. Ich werde mich in Berlin nicht auf die faule Haut setzen, sondern versuchen, mich für Topmannschaften in Nordamerika und Europa zu empfehlen.

SPORT1: Wie wichtig ist in dieser Situation die Nationalmannschaft? Schließlich können Sie das DEB-Team als Bühne nutzen.

Noebels: Die Nationalmannschaft ist für mich seit jeher ein Thema. Ich habe die ganzen U-Mannschaften durchlaufen. Ich denke, dass ich bei der kommenden Weltmeisterschaft eine wichtige Rolle spielen werde und einer derjenigen sein werde, auf den gezählt wird.

SPORT1: Bei der WM in Weißrussland lief's nicht wirklich rund. Was fehlt dem DEB-Team, um oben angreifen zu können?

Noebels: Wir haben gut gespielt, aber keine Ergebnisse geliefert. Es gilt, nach guten Leistungen ein Spiel tatsächlich zu gewinnen. Der Deutschland-Cup ist deshalb wichtig. Wir wollen zeigen, dass wir eine gute Truppe haben. Dass wir aber in jedem Spiel sechs Tore erzielen, darf sicher nicht erwartet werden. Wir können nicht im Eins-gegen-Eins wie die Russen jedem drei Mal durch die Hosenträger spielen. Wenn wir diszipliniert einfaches Eishockey spielen, sind wir eine Mannschaft, die unangenehm sein kann. Und das Wort 'unangenehm' ist unser Schlüssel zum Erfolg.

SPORT1: Vielleicht auch bei der Heim-WM 2017. Viele Experten sagen, dass die Generation mit Ihnen, Tobias Rieder und Leon Draisaitl die beste deutsche seit langem ist.

Noebels: Das sehe ich ganz genauso. Jungs wie Yasin Ehliz oder Björn Krupp sind alle mehr oder weniger in meinem Alter. Wir sind gute junge Männer, die in drei Jahren groß aufspielen können. Deswegen finde ich die aktuelle Ausrichtung gut, dass junge Spieler nicht nur bei Trainingsmaßnahmen dabei sind, sondern spielen. Das zeigt, wo es hingehen soll. 2017 sollten wir gut dastehen.

SPORT1: Und wo soll es letzten Endes für Sie hingehen?

Noebels: Ich bin 22, keine 32. Viele in meinem Alter sind nicht so weit wie ich. Ich bin noch nicht mal im perfekten Hockeyalter. Jetzt habe ich zwei, drei Jahre, um mich neu zu sammeln und mich zu beweisen.

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