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Patrick Reimer spielt in der DEL für die Thomas Sabo Ice Tigers

Vom Deutschland Cup berichtet Patrick Mayer

München - Sein Äußeres hat ein bisschen was von einem amerikanischen Fernsehcop der 1970er Jahre.

Locker-lässig fährt sich Patrick Reimer mit gespreizten Zeigefingern über seinen viel zu langen Schnurrbart.

Er spricht mit rauer Stimme, kneift die Augenlieder eng zusammen und wird ernst. Der Nürnberger bewirbt sich nicht etwa um eine Rolle als Statist in einem Remake der Kultserie Starsky & Hutch. Nein, er erzählt von seinem Job: dem Toreschießen.

Cooler Erfolgsgarant

Cool, schnörkellos und ausgebufft wie Dave Starsky und Ken ?Hutch? Hutchinson einst auf Verbrecherjagd gingen, bringt er die Scheibe im Tor unter.

Dass das DEB-Team bei der 25. Auflage zum sechsten Mal den Deutschland Cup gewonnen hat (BERICHT: Deutschland holt den Cup), ist vor allem der Verdienst des 31-Jährigen. Dabei schien die Liaison mit der Nationalmannschaft zwischenzeitlich beendet.

Pat Cortina ist begeistert von seinen Qualitäten. Aber es gehört eben zu seinem Beruf als Bundestrainer, das Kollektiv hervorzuheben.

Doch der Flügelstürmer hat den 50-Jährigen beim Vier-Nationen-Turnier in München besonders überzeugt.

Verhältnis einst zerrüttet

"Er weiß, wo das Tor steht", sagt Cortina auf Nachfrage von SPORT1 über Reimer und schmunzelt zufrieden. Keine Selbstverständlichkeit.

Das Verhältnis zwischen dem Coach und seinem Torjäger vom Dienst schien zeitweilig zerrüttet.

Cortina hatte Reimer nicht für die WM 2013 in Finnland und Schweden berücksichtigt. Das habe diesem gar nicht gepasst, heißt es.

Reimer wiederum sagte Cortina für die WM im Mai in Weißrussland ab. Und das, obwohl er in der DEL (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) zum Spieler der Hauptrunde gewählt worden war und mit 33 Treffern die Torschützenliste angeführt hatte.

Instinkt seit Kindertagen

Er musste aus persönlichen Gründen verzichten. So lautete zumindest die offizielle Version. Jetzt ist er zurück. Mit neuem Look. Und, so wirkt es, kaltschnäuziger denn je.

Wie er das 1:0 gegen die Schweiz erzielte, war extraklasse (BERICHT: Reimer schießt DEB-Team zum Sieg). Kurz angetäuscht, mit der einen Seite des Schlägers am Torhüter vorbeigezogen, mit der anderen am Goalie vorbei abgeschlossen.

Er trägt diese Gabe in sich. Seit damals, als er im Knabenalter erstmals für den Traditionsklub ESV Kaufbeuren auflief.

Er habe schon als Kind gewusst, wo er hinlaufen muss, damit er eine gute Einschussmöglichkeit bekommt, schildert er einst im Interview mit SPORT1. "Wichtig ist der Instinkt." Den hat er zweifelsohne.

Lob von den Kollegen

Beim Deutschland Cup trifft er nicht nur gegen die Schweiz doppelt, sondern bereitet gegen die Slowakei auch das 1:0 durch Patrick Hager vor. In der Liga kommt er aktuell auf sechs Tore und sieben Vorlagen.

"Reimi ist schon ein cooler Typ, lässig drauf, macht ab und zu einen Witz auch auf Kosten der jungen Spieler", sagt Abwehrcrack Sinan Akdag im Gespräch mit SPORT1 über den Routinier. "Er weiß, was er kann und ist nicht umsonst immer einer der Topscorer. Hut ab, er macht uns viel besser."

Reimer ist gestählt durch eine Karriere mit Höhen und Tiefen. Einst wählt ihn das Fachmagazin "Eishockey-News" zum besten deutschen Nachwuchsspieler. In der Nationalmannschaft kann er sich auf Anhieb jedoch nicht durchsetzen.

Mit der Düsseldorfer EG verpasst er 2006 die Meisterschaft erst im Finale gegen die Eisbären Berlin. Als letzter Spieler erzielt er ein Tor im altehrwürdigen Stadion an der Brehmstraße.

Zweikampfstarker Führungsspieler

"Er ist ein Leader. Ein erfahrener Spieler, der genau weiß, was er zu Tisch bringt", sagt der 23-jährige Björn Krupp bei SPORT1 über ihn. Reimer ist ihm ein Vorbild.

"Was mir richtig gefällt, sind seine Zweikämpfe", meint Coach Cortina. "Er arbeitet sehr, sehr gut ohne Scheibe."

Es wirkt in diesen Tagen geradeso, als fänden die Beiden in der Schieflage des deutschen Eishockeys wieder zueinander.

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) kommt angeschlagen daher, interne Querelen auf der Führungsebene werden offen ausgetragen, finanzielle Probleme sollen den Verband belasten.

Typen wie Reimer gefragt

Eine Gemengelage, in der Typen gefragt sind.

Typen, wie Reimer. "Es weiß jeder, dass es nicht gut ums deutsche Eishockey steht und dass wir als Mannschaft sportlich dazu beitragen können, dass es besser wird, dass sich das deutsche Eishockey wieder besser verkauft", sagt er im Gespräch mit SPORT1. "Und da wollen wir helfen. Das ist für jeden eine Herzensangelegenheit."

Er erinnert daran, wie er schon als junger Spieler voller stolz "das Land repräsentiert" habe.

Auch, wenn er zwischenzeitlich für nicht gut genug befunden wurde. Reimer ist keiner für Eitelkeiten. Dazu ist er zu cool, zu lässig, zu ausgebufft. Wie amerikanische Fernsehcops eben.

Und so wird er auch im abschließenden Spiel gegen Kanada (ab 16.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 u. im STREAM) nur eines im Sinn haben: Tore, Tore, Tore.

Die zwei ausstehenden Partien des Deutschland Cups gibt es live und exklusiv auf SPORT1 im TV zu sehen. Alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft überträgt SPORT1 live im Free-TV und im LIVESTREAM. Die Begegnungen ohne deutsche Beteiligung laufen im LIVESTREAM.

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