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Pat Cortina
Ob Pat Cortina über die WM hinaus Bundestrainer bleibt, ist momentan fraglich © Imago

Oberhausen - Vor den Tests gegen Finnland gibt es im DEB-Team noch viele Baustellen. Bundestrainer Pat Cortina ändert sein Credo. Hoffnungsvoll schielt man nach Nordamerika und aufs DEL-Finale.

Von Rainer Nachtwey

Vor dem ersten von zwei Länderspielen gegen Finnland (ab 17.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) ist bei der deutschen Nationalmannschaft das Lächeln zurück. Grund dafür: Die couragierte Leistung und das Ende der Torflaute beim zweiten Test gegen Russland.

"Das war schon sehr wichtig", sagte Patrick Reimer nach der 2:3-Niederlage nach Penaltyschießen. "Es ist natürlich immer frustrierend, wenn man keine Tore schießt."

Keine Tore, das war die bittere Realität über fünf Drittel in der ersten Vorbereitungsphase des DEB-Teams für die Eishockey-WM in Tschechien (1. Mai bis 17. Mai). 105 Minuten ohne eigenen Treffer sind im Eishockey eine lange, eine sehr lange Zeit.

Dann aber fälschte Yasin Ehliz einen Schuss Reimers zum 1:2-Anschlusstreffer im zweiten Spiel gegen Rekordweltmeister Russland ab. Am Ende stand die knappe Niederlage im Penalty-Shootout. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Nachdem fünf Drittel ein Katastrophenstart gedroht hatte, war die Erleichterung spürbar. Allen voran bei Bundestrainer Pat Cortina. "Ich bin zufrieden und glücklich für mein Team", sagte der DEB-Coach.

Tags zuvor hatte der Italo-Kanadier noch anders geklungen. "Es fehlt noch alles", hatte er gesagt. Dass durch die beiden Tore und den Achtungserfolg alle Sorgen weggewischt sind, wäre Augenwischerei. Das weiß Cortina, das wissen seine Spieler. Sie wissen aber auch: Nach dem schwachen ersten Auftritt war es laut Reimer ein "richtiger Schritt".

Bleibt die Frage: Wo steht die Nationalmannschaft drei Wochen und sieben weitere Testspiele vor der WM? Eine Analyse.

  • Spielweise:

Bisher war Cortinas Credo "Defense first", nun denkt er um. Es sollen endlich wieder Tore fallen. "Der Fokus liegt dieses Jahr mehr auf der Offensive. Daran arbeiten wir", sagte Marcel Noebels im Gespräch mit SPORT1.

Marcel Noebels (l.) beim Torschuss gegen Russland
Marcel Noebels (l.) beim Torschuss gegen Russland © Getty Images

Davon war fünf Drittel nur wenig bis nichts zu sehen. Es hakte noch gewaltig im Angriffs-Spiel. Erst im Schlussabschnitt des zweiten Spiels gelang es der Auswahlmannschaft, Druck auf den Kasten der Russen auszuüben, Schüsse aufs Tor abzufeuern. "Wir wissen, dass wir mehr Tore schießen müssen, um bei der WM Richtung Viertelfinale zu schauen", führte Noebels aus und gab damit ein ambitioniertes Ziel aus.

  • Special Teams

20 Strafminuten im ersten, 24 im zweiten Spiel. Das sind zu viele. Vor allem, wenn es gegen Topnationen wie Russland geht. Vier der fünf Gegentore fielen in Unterzahl. Cortina weiß, dass die Special Teams gerade in engen Spielen bei der WM den Unterschied ausmachen, sagte daher: "Unser Unter- und Überzahlspiel muss besser werden."

Auch das Powerplay, trotz der zwei Treffer von Ehliz und Reimer bei vier Überzahlsituationen. "Da hatten wir im zweiten Spiel eine gute Quote, aber trotzdem noch Verbesserungsbedarf", analysierte auch Reimer.

  • Psyche:

Der Achtungserfolg gegen die Russen war extrem wichtig für den Kopf. Die deutsche Mannschaft bewies Moral und holte einen Zwei-Tore-Rückstand auf. "Das tut schon gut, auch wenn bei Russland nicht die Top-Elite dabei war. Aber es sind alles gestandene KHL-Spieler", sagte Reimer.

  • Physis:

Fünf Trainingseinheiten und zwei Spiele standen in den fünf Tagen in Oberhausen auf dem Programm. Teilweise hatten die Akteure nach dem Ende der DEL-Hauptrunde vier Wochen keine Partie mehr bestritten. "Wir haben uns sehr schwer getan, wieder in den Rhythmus zu kommen", meinte daher auch Noebels.

Vor den Spielen gegen Finnland legte Cortina den Augenmerk auf Übungseinheiten auf dem Eis.

  • Kader:

Mit Reimer, Kapitän Michael Wolf und Justin Krueger kamen nur drei Spieler zum Einsatz, die bei den WM-Endrunden in Deutschland 2010 (4. Platz) und/oder Slowakei 2011 (Viertelfinale, Sieg über Russland) teilnahmen. Wie sich eine erfolgreiche WM anfühlt, weiß kaum einer aus dem Kader. "Bei diesem Lehrgang gehöre ich schon zu den erfahrensten", sagte Noebels. Der Stürmer der Eisbären Berlin bestreitet seine dritte WM-Vorbereitung.

Die erfahrenen Frank Hördler und Alexander Sulzer sind zwar im Kader, aber angeschlagen. Ob sie bis zum WM-Start fit sind, ist äußerst fraglich.

  • Nachnominierung:

Mit den Wolfsburgern Björn Krupp und Armin Wurm sowie dem Düsseldorfer Stephan Daschner verstärken drei Verteidiger das Team für die zweite Test-Phase gegen Finnlandan Donnerstag und Freitag.

Mit  Felix Brückmann (Wolfsburg) kommt auch noch ein Keeper hinzu.

Zudem hat Cortina jetzt auch einen Co-Trainer an seiner Seite. Der frühere Eisbären-Coach Jeff Tomlinson unterstützt den Bundestrainer ab sofort an der Bande.

  • Hoffnung DEL-Finale
Frank Mauer (l.) steht mit den Adlern im DEL-Finale
Frank Mauer (l.) steht mit den Adlern im DEL-Finale © Getty Images

In der Endspielserie Mannheim gegen Ingolstadt stehen elf potenzielle WM-Fahrer. Matthias Plachta, Kai Hospelt, Frank Mauer, Christoph Ullmann, Marcus Kink, Sinan Akdag, Niki Goc, Denis Reul und Dennis Endras gehören zu den Stützen Mannheims – und der Nationalmannschaft. Vor allem Mauer, Hospelt und Plachta befinden sich derzeit in herausragender Form, Akdag, Reul und Endras spielen ihre wahrscheinlich beste DEL-Saison.

Und aus Ingolstadt dürften noch Patrick Hager und Keeper Timo Pielmeier zum Team stoßen. "Hager ist ein ganz wichtiger Spieler für unser Team", sagt Cortina.

  • Hoffnung NHL/AHL

Einzig bei Tobias Rieder (Arizona) und Rob Zepp (in Philadelphias Farmteam Leigh Valley) stehen die Chancen gut. Alle anderen sind mit ihren Teams sind bereits für die Playoffs qualifiziert bzw. haben gute Aussichten.

Beim DEB hoffen Trainer und Spieler auf die Verstärkungen aus Übersee. "Wir sind nicht mit lauter Superstars gespickt, wir können nicht sagen, dass wir keinen brauchen", sagt Kapitän Michael Wolf.

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