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Rick Goldmann und Stefan Kretzschmar
Die SPORT1-Experten Rick Goldmann und Stefan Kretzschmar blicken auf Deutschland Cup und Handball-Supercup © SPORT1

München - Die SPORT1-Experten Rick Goldmann und Stefan Kretzschmar sprechen vor den Vierländerturnieren über die Bedeutung der Nationalteams und den neuen Eishockey-Bundestrainer.

Zusammen haben sie fast 400 Länderspiele für Deutschland auf dem Buckel, die SPORT1-Experten Stefan Kretzschmar und Rick Goldmann.

Am Wochenende sind der Handball-Star und der Eishockey-Experte wieder für Schwarz-Rot-Gold im Einsatz.

Beim Handball-Supercup (ab 17.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVESTREAM u. LIVETICKER) und dem Deutschland Cup im Eishockey (ab 15.55 Uhr LIVESTREAM, ab 19.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 u. LIVESTREAM) stehen sie als Co-Kommentatoren für  SPORT1 parat.

Zuvor trafen Sie sich zum Expertengipfel und sprachen bei SPORT1 über die Bedeutung der Nationalmannschaften, den neuen Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm und die Vorfreude auf die beiden Turniere.

(Adler verpflichtet: Alle Infos zu Handball-Supercup und Deutschland Cup)

SPORT1: Was hat es für Sie bedeutet, im Nationaltrikot aufzulaufen? Was war es für ein Unterschied zu den Spielen im Vereinstrikot?

Stefan Kretzschmar: Als wir in der Nationalmannschaft gespielt haben, war es nicht ansatzweise so, dass man das aus materiellen Gründen gemacht hätte. Bei uns gab es maximal eine Prämie für eine Medaille, aber ansonsten hat man damit kein Geld verdient.

Daraus resultiert auch die Antwort: Für Deutschland zu spielen war immer die höchste Auszeichnung - aus zweierlei Gründen. Zum einen hast du zu den Besten deines Landes gehört, wenn du für Deutschland spielen durftest. Das war das, worauf du jahrelang hin trainiert hast.

Zum anderen war die Nationalmannschaft, in der ich spielte, über Jahre hinweg auch ein Zusammenschluss von Freunden mit einer unfassbaren Teamchemie. Man kam aus dem Alltag des Vereinslebens raus. Ich will jetzt nicht vom tristen Alltag sprechen, aber ab und zu ging mir der Verein schon auf den Sack. 

Man hat sich darauf gefreut, die Jungs wieder zu sehen, gemeinsam ins Trainingslager zu fahren und natürlich große Turniere zu spielen. Wir waren ein verschworener Haufen. Deswegen war das aus mehrerlei Hinsicht immer extrem geil, für Deutschland zu spielen.

Rick Goldmann: Ja, das hatte einen anderen Stellenwert, aus genau den Gründen. Wir waren damals alle in einem Alter, plus minus sechs oder sieben Jahre. Man hat sich gekannt, zum Teil noch von den Juniorennationalmannschaften. Da haben wir über viele Jahre gegeneinander gespielt, aber auch für die Nationalmannschaft miteinander gekämpft. Es war etwas Besonderes, das Nationaltrikot zu tragen, weil ein Teamspirit da war.

Ich glaube, der ist im Eishockey in den letzten Jahren etwas verloren gegangen. Da war die Nationalmannschaft mehr eine Pflicht, die man zusätzlich auf sich nehmen musste. Aus unterschiedlichen Gründen hat es ziemlich viele Absagen gegeben. Wenn die Nationalmannschaft erfolgreich sein will, ist es wichtig, dass die Jungs wieder gerne kommen, alles geben und dementsprechend auch stolz drauf sind.

Rick Goldmann
Rick Goldmann ist als Co-Kommentator der Eishockeyweltmeisterschaften bei den SPORT1-Zuschauern äußerst beliebt © SPORT1

SPORT1: Ist Marco Sturm der richtige Mann, um den Spirit wieder reinzubringen?

Goldmann: Ja, weil der Marco aus dieser Zeit kommt. Natürlich ist er jung und komplett unerfahren als Trainer. Aber er ist neben Uwe Krupp der erfolgreichste Eishockeyspieler der letzten 15 Jahre in Deutschland. Allein durch seinen Namen und dadurch, dass er noch mit einigen Leuten gespielt hat und immer zur Nationalmannschaft gekommen ist, wenn die NHL nicht gespielt hat, ist er der richtige Mann, der die Mannschaft wieder einen und etwas aufbauen kann. (EXKLUSIV: Marco Sturm im SPORT1-Interview)

SPORT1: Die Skeptiker sagen, dass Marco Sturm keine Erfahrung als Vereinstrainer hat. Wie wichtig ist das als Bundestrainer?

Goldmann: Die Ernennung von Sturm war zu diesem Zeitpunkt alternativlos, weil gar kein anderer Mann auf Markt war. Für einen Nationaltrainer sind ganz große Erfahrungen nicht so wichtig, weil man beim Nationalteam die Spieler nur kurz sieht. Da geht es mehr um Motivation und darum, einen Spirit reinzubringen. Einfache Dinge.

Für die wirklich komplizierteren Sachen, was Coaching, Trainingslehre und Trainingssteuerung bei solchen Turnieren betrifft, kann man sich ja erfahrene Trainer dazu holen. Deswegen sehe ich Sturms fehlende Erfahrung nicht als Problem.

Kretzschmar: Goldi hat da schon Recht. Ein Nationaltrainer ist nicht jeden Tag mit den Spielern zusammen wie ein Vereinstrainer, der an Basis und Physis arbeiten und über die Saison hinweg neue Spielsysteme und Taktiken entwickeln muss.

Ein Nationaltrainer muss die Auswahl von Spielern, die er für das beste Team des Landes hält, in kurzer Zeit auf einen Höhepunkt punktuell und zielgerichtet vorbereiten.

Heiner Brand zum Beispiel, der war nicht wirklich der beste Trainer der Welt, wenn man das als Maßstab für gute Trainer nimmt (lacht). Aber Brand war eine Persönlichkeit, eine Institution. Er hat diese Mannschaft geführt, sie hat zu ihm aufgeschaut. Wenn er was gesagt hat, war das Gesetz.

Am Ende unserer Generation hat sich diese Mannschaft auch selbst trainiert. Sie wusste auf dem Spielfeld ganz alleine, was sie zu tun hat. Die verlängerten Arme vom Bundestrainer, Daniel Stephan und Markus Baur, waren dann mehr oder weniger dafür zuständig, was gespielt wird.

Hans Zach
Hans Zach war von 1999 bis 2003 deutscher Eishockey-Bundestrainer © Getty Images

Natürlich ist es schön, wenn ein Bundestrainer Qualität und Erfahrung hat. Ich glaube, so ein Hans Zach bei euch im Eishockey ist ein unfassbarer Motivator mit einer unglaublichen Persönlichkeit gewesen. Vom Trainerstandpunkt kann ich das überhaupt nicht einschätzen. Ich würde Zach ein wenig mit Heiner Brand vergleichen.

Goldmann: Der Vergleich passt. Hans Zach war ein Pendant zu Brand. Er hatte einfach Persönlichkeit und Erfahrung. Sein Wort war in der Mannschaft Gesetz. Aber trotzdem hat er auch Freiräume gegeben.

Kretzschmar: Wir haben im Handball ja auch seit einiger Zeit einen jungen Trainer mit Dagur Sigurdsson. Da gab es am Anfang - auch von mir - ein paar negative Stimmen, warum man denn einen ausländischen Trainer nimmt, obwohl wir doch genügend gute deutsche Trainer haben. Aber er hat bei der ersten WM in Katar überzeugt. Er baut junge Nachwuchsspieler ein, von denen wir einige in Deutschland haben.

Stefan Kretzschmar
Stefan Kretzschmar ist seit Jahren meinungsstarker SPORT1-Experte © SPORT1

In den letzten Jahren wirkte der Adler auf der Brust oft erdrückend. Die Spieler hatten dann immer Angst vor dem Versagen. Nach einer verpassten Qualifikation oder dem schlechten Abschneiden bei einem Turnier bist du dann auf einmal schon mit zittrigen Knien zum neuen Event gefahren und hast nur gedacht: "Hoffentlich versemmeln wir das nicht."

Jetzt haben wir wieder eine andere Mentalität. Sigurdsson hat auch bewirkt, dass die Mannschaft sagt "Wir gewinnen hier was." Bei seiner Antrittsrede hat er gesagt: "Was wir zuerst ändern müssen: Wir müssen mehr gewinnen." Dieser Satz hatte für dieses relativ junge Team ist eine Signalwirkung.

SPORT1: Auf was oder wen freuen Sie sich am meisten bei den Spielen am Wochenende?

Kretzschmar: Goldi, wo spielt ihr eigentlich?

Goldmann: Wir sind in Augsburg. Da kannst du dich auf nichts freuen (lacht). Aber Spaß beiseite: Sportlich gesehen freue ich mich auf die Mischung in der Mannschaft. Sturm hat ein paar junge Spieler dabei wie Dominik Kahun, der schon einmal vor zwei Jahren in der Nationalmannschaft war und jetzt den kompletten Durchbruch in der DEL geschafft hat. 

Zudem sind auch Rückkehrer dabei wie David Wolf, der letztes Jahr in Nordamerika gespielt hat. Jerome Flaake ist zurückgekommen, Sinan Akdag ist nicht mehr verletzt. Die Mischung hört sich echt gut an. Ich bin echt gespannt, wie die gemeinsam spielen.

Kretzschmar: Wir haben natürlich mit Hamburg, Flensburg und Kiel ein schönes Wochenende vor Augen

Ich freue mich in erster Linie darauf, die Nationalmannschaft mal wieder spielen zu sehen. Die WM in Katar liegt jetzt schon eine Weile zurück. Die Atmosphäre ist geil, selbst als Kommentator, wenn die Jungs da unten stehen, die Nationalhymne kommt und in der Kieler Ostseehalle sind 10.000 Fans, die dieses Mal ein Deutschland-Trikot anhaben. Das ist immer etwas ganz Besonderes, was ein bisschen auch an die Heim-WM von 2007 erinnert.

Von der WM haben wir viel Positives mitgenommen, man hat gesehen: Wir sind wieder wer. Ich bin gespannt, ob diese noch relativ junge Mannschaft den positiven Trend fortsetzt. Einige neue Spieler spielen zum ersten Mal Nationalmannschaft. Ich bin gespannt, wie sie mit dem Adler auf der Brust zurechtkommen.

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