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München - Tom Kühnhackl bringt Deutschland mit seinem Tor zu Olympia und sichert wichtige Gelder. Der Stanley-Cup-Sieger tritt immer mehr aus dem Schatten seines Vaters.

Welche Vorsätze sich Tom Kühnhackl an Silvester 2015 fürs neue Jahr genau vorgenommen hat, ist nicht überliefert. Aber dieses Szenario für das Jahr 2016 hat er sich wohl nur in seinen kühnsten Träumen ausgemalt.

Es liest sich wie ein persönliches Märchen.

Im Juni reckte Kühnhackl die Stanley-Cup-Trophäe in die Höhe, nicht einmal drei Monate später sicherte er Deutschland mit seinem Treffer das Olympia-Ticket.

"Mit dem Stanley-Cup-Triumph hat die letzte Saison super aufgehört, jetzt fliegen wir zu Olympia - das ist phänomenal", sagte der Matchwinner, dem es "wurscht" war, dass er das goldene Tor erzielt hatte.

Tom Kühnhackl präsentierte im August den Stanley Cup im heimischen Landshut © dpa Picture Alliance

Stochertor zum Sieg

Fünf Minuten und elf Sekunden waren im dramatischen Spiel um die Olympia-Qualifikation zwischen Deutschland und Lettland beim Stand von 2:2 noch zu spielen, als der Puck nach einem abgewehrten Schuss von Brooks Macek direkt vor Kühnhackls Schläger landete.

Der 24-Jährige musste nur noch einschieben, schlug aber zunächst über den Puck. Doch im zweiten Versuch stocherte Kühnhackl die Scheibe unter den Beinschonern des lettischen Keepers Elvis Merzlikins hindurch ins Tor und brachte die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft nach Pyeongchang.

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Kühnhackl rettet deutsches Eishockey

"Ich glaube, es geht derzeit nicht besser für mich. Heute war noch mal das i-Tüpfelchen", sagte der Matchwinner bei SPORT1 über sein wohl wichtigstes, aber definitiv nicht schönstes Tor.

Der Sohn von Eishockey-Legende Erich Kühnhackl erfüllte sich mit der Olympia-Qualifikation nicht nur seinen nächsten Traum, sondern rettete auch die Zukunft des deutschen Eishockeys.

Ein erneutes Verpassen der Olympischen Spiele hätte für den Sport in Deutschland wohl weitreichende Folgen gehabt, nachdem die Nachwuchsfördermittel bereits nach der ersten Nicht-Teilnahme einer Herren-Eishockey-Nationalmannschaft überhaupt bei Olympia 2014 drastisch gekürzt worden waren.

Das Team von Bundestrainer Marco Sturm musste zuvor einen wahren Nervenkrimi überstehen. Nach den Toren von NHL-Profi Leon Draisaitl und Felix Schütz schien das Ticket für Pyeongchang zum Greifen nahe. Doch angeführt von den Fans in der ausverkauften Arena Riga schlug der Gastgeber zurück – ehe Kühnhackl, der in Lettland erstmals das Nationaltrikot überstreifte, das DEB-Team erlöste.

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Aus dem Schatten des Vaters

"Wenn man schon 2:0 vorne gelegen hat, dann sind natürlich die Nerven im Spiel. Aber wir haben als Team zusammengestanden", sagte Kühnhackl, der immer mehr aus den Fußstapfen seines Vaters tritt – auch wenn er dies vor dem Turnier noch als unrealistisch eingestuft hatte.

"Es wird schwierig für mich, aus dem Schatten zu springen", so der Landshuter bei SPORT1. Die Bronzemedaille, die der Senior bei den Spielen 1976 errang, scheint noch weit weg.

Doch mit dem goldenen Tor von Riga hat sich der Junior schon mal ebenfalls für immer in den deutschen Eishockey-Geschichtsbüchern verewigt. 

Und mit dem laut SPORT1-Experte Rick Goldmann besten deutschen Kader der letzten 20 Jahre scheint vieles möglich – allerdings nur, falls Kühnhackl und seine NHL-Kollegen in Südkorea überhaupt dabei sein können. Denn noch ist offen, ob die NHL während der Spiele pausiert.

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Zum Jahreswechsel noch im Farmteam

So oder so: Kühnhackl hat seinem Märchen ein weiteres Kapitel hinzugefügt, dessen Verlauf noch zum Jahreswechsel undenkbar schien. Nach mehreren Verletzungen und schwierigen Phasen kämpfte er in der AHL bei Pittsburghs Farmteam in der Kleinstadt Wilkes-Barre mit schwindender Hoffnung um seine vielleicht letzte NHL-Chance.

Auch an einen Einsatz im DEB-Team, geschweige denn an die Olympia-Teilnahme, war damals nicht zu denken.

Doch mit seinem NHL-Debüt am 9. Januar begann ein Jahr, das mit dem Stanley-Cup-Triumph und der Olympia-Qualifikation ein Märchen wahr werden ließ.

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