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Prag - Dank einer wahren Energieleistung im Schlussdrittel öffnet das deutsche Team eine Tür Richtung Viertelfinale. Der Abstieg ist rechnerisch noch möglich, aber abgehakt.

Vom DEB-Team berichten Rainer Nachtwey, Jonas Beck und Sascha Bandermann

Christoph Ullmann lief, nein, er hüpfte Matthias Plachta in die Arme, umarmte ihn, drückte ihn ganz fest an sich. Es hatte den Anschein, er wollte ihn nicht mehr loslassen.

Nur war Ullmann als überzähliger 14. Stürmer im feinen Ausgehzwirn des DEB gekleidet, Plachta in seinem von Schweiß durchtränkten Nationalmannschaftstrikot. Und nachdem Ullmann von Plachta losließ hatte die innige Umarmung auf Ullmanns Anzug Spuren hinterlassen.

Aber nicht nur Ullmanns feiner Zwirn, auch die Nerven hatten unter dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Lettland zu leiden.

"Ich habe die ganze Zeit gebangt, zum Schiri geschaut und gedacht: 'Himmel noch eins, jetzt gib das Tor endlich'", meinte Keeper Dennis Endras zur vier Minuten dauernden Wartephase (Die Eishockey-WM LIVE im TV auf SPORT1).

Videobeweis spannt DEB-Team auf die Folter

Der 2:1-Sieg gegen die Letten im fünften Spiel der WM in Tschechien war Schwerstarbeit – und benötigte das Quäntchen Glück. Nachdem Plachta 2:25 Minuten vor Ende abgezogen und an die Unterkante der Latte getroffen hatte, musste der Videobeweis herhalten.

War der Puck drin, nachdem der Puck von der Querstange zu Boden gesprungen war? Ja, war er. Nur dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis die Schiedsrichter auf Tor entschieden.

"Wir hatten die ganze Zeit keine Ahnung. Plachti selbst wusste nicht, ob er drin war", meinte Patrick Köppchen.

Abstieg nur noch theoretisch möglich

Durch das zweite Erfolgserlebnis trennt die deutsche Mannschaft nur noch zwei Punkte in der Tabelle von den Schweizern, die noch gegen die großen Drei Kanada, Schweden und Tschechien ran muss.

Nach unten ist durch den Dreier der Abstand zu den Kontrahenten gewaltig angewachsen, der Abstieg eigentlich kein Thema mehr. Auch wenn er rechnerisch noch möglich wäre, dadurch, dass die Franzosen, Österreicher und Letten noch gegeneinander spielen und sich gegenseitig die Punkte wegnehmen.

Was der fast perfekte Nichtabstieg für die deutsche Mannschaft bedeutet, welche Last er von ihren Schultern nimmt, zeigt die Aussage von Keeper Endras: "Es war extrem wichtig für uns, dass wir da unten mal rauskommen."

Köppchen nimmt Viertelfinale ins Visier

Unten raus, oben rein. Denn jetzt heißt es eh nur noch Mission Viertelfinale und mit der Energieleistung wie im letzten Drittel ist es auch möglich. "Das muss jetzt die Zielsetzung sein", sagte auch Köppchen.

Drei Punkte aus den Spielen gegen Tschechien (So., ab 16.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) und Österreich, keine für die Schweizer - und die deutsche Mannschaft steht erstmals seit 2011 wieder unter den letzten Acht.

"Nach unten ist Platz und nach oben wird es für die anderen Teams enger. Man hat sich ein kleines Türchen aufgestoßen für das Viertelfinale", meinte Siegtorschütze Plachta.

Nach dem bisherigen Turnierverlauf ist es mehr als nur ein kleines Türchen. Die Hoffnung ist da. "Sie lebt", sagte Bundestrainer Pat Cortina.

Strafe bringt Deutschland zurück

Dass sie überhaupt am Leben ist, verdankt sie einem starken Schlussdrittel und einer Disziplinlosigkeit der Letten. Ein Kniecheck von Janis Sprukts gegen Köppchen ermöglichte der deutschen Mannschaft eine fünfminütige Überzahl.

"Ich hätte gerne auf den Zwischenfall verzichtet", meinte Köppchen, der nach kurzer Behandlung weiterspielen konnte, "Aber das hat uns sicherlich geholfen, das Momentum auf unsere Seite zu bringen."

Aus dem Powerplay folgte das 1:1 (47.). Und das Anrennen auf den lettischen Kasten endete auch nicht mit der Überzahl. 14:2 lautete die Schussbilanz im Schlussdrittel.

"In den letzten 20 Minuten waren wir die klar bessere Mannschaft. Wenn man gesehen hat, wie die Mannschaft das letzte Drittel gespielt hat, mit welcher Kraft, welcher Leidenschaft, das ist schon ein Lob wert", meinte Endras.

Und Köppchen meinte: "Wir freuen uns jetzt ganz schön." Mehr konnte er nicht sagen. Dann wurde auch er Opfer der Ullmannschen Jubelarie.

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