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Bevor er zu SK Gaming wechselte, spielte Pimp für Team Dignitas. © SK Gaming

Jacob "Pimp" Winneche ist seit Dezember 2015 beim deutschen Traditionsclan SK Gaming unter Vertrag. Zuletzt sorgte er u.a. in der ESL Pro League für Furore.

Das aktuelle Squad von SK Gaming rund um Pimp zeigte in kurzer Zeit große Verbesserungen und ist gewillt, nach zwei Siegen gegen Natus Vincere in der ESL Pro League diesen Weg weiterzugehen. Im SPORT1-Interview spricht der Däne über mousesports Leistung bei den Acer Predator Masters S2 Finals, seine Zeit im Team, was es braucht, um Fnatic zu schlagen und die Probleme des dänischen Quintetts von Astralis.

SPORT1: Ihr habt in der ESL Pro League einen guten Start hingelegt. Unterm Strich stehen zwei Siege gegen Natus Vincere und zwei Niederlagen gegen Team EnVyUs, von denen eine sehr knapp war. Habt ihr im Vorfeld erwartet, dass ihr so gut starten würdet?

Pimp: Unser Spielplan zu Beginn der ESL Pro League war fast schon beängstigend. Nach Na’Vi und EnVyUs folgt bald auch noch Fnatic – also möglicherweise die drei besten Teams der Welt im Moment. Wir hatten keine Angst, aber wir wussten, dass wir unsere beste Leistung zeigen müssen, um auch nur eine Map zu holen. Ich würde schon sagen, dass die beiden Siege gegen Na’Vi ein wenig überraschend waren. Es ist mehr, als wir uns hätten erhoffen können. EnVyUs ist wahrscheinlich zurzeit das beste oder zweitbeste Team der Welt. Wir haben auf Mirage zwei Overtimes gespielt und ich würde fast sagen, dass wir eine Map hätten gewinnen können. Es ist ein wenig enttäuschend, aber in Anbetracht der Gegner ist es trotzdem ein großartiger Start. Wir wollen auf jeden Fall in der Liga bleiben und versuchen, die Relegationsplätze zu vermeiden.

SPORT1: Das nächste Match für SK Gaming ist, wie du schon sagtest, gegen Fnatic. Das Team hat die letzten Offline-Events gewonnen und scheint fast unschlagbar zu sein. Was muss ein Team machen, um eine Chance gegen Fnatic zu haben?

Pimp: Das ist eine sehr gute Frage, die ich kaum beantworten kann. Wenn du auf Fnatic triffst, dann musst du quasi perfekt spielen. Alle müssten in Bestform sein. Wenn das bei nur einem Spieler nicht der Fall ist, dann wird Fnatic das gegen dich ausnutzen, weil das Team fünf unglaublich gute Spieler hat, die alle ein Match entscheiden können. Du musst eigentlich zwei Spieler haben, die sogar ihre Bestform übertreffen. Zusätzlich brauchst du natürlich Glück, denn Fnatic sieht wirklich unschlagbar aus. Ich erinnere mich nicht daran, wann das Team zuletzt eine wichtige Series verloren hat. Wir müssen das beste Counter-Strike unserer Karrieren zeigen, um vielleicht eine Map gegen Fnatic zu gewinnen.

Pimp schwingt seit Dezember 2015 für SK Gaming die Maus. © DreamHack - Adela Sznajder

SPORT1: Du hast dich mit deinem Team kürzlich für den MLG Columbus Offline Qualifier qualifiziert. Was sind deiner Meinung nach die Chancen, dass ihr euer Ticket für das Major lösen werdet?

Pimp: Ich würde sagen, dass unsere Chancen gut sind – ungefähr 50:50. Viele gute Teams sind dabei, die sich alle qualifizieren können. Major-Qualifiers sind hart, wahrscheinlich sogar härter, als die Majors selbst, weil der Druck größer ist. Beim Major zu sein bedeutet alles. Das kann man vielleicht mit Fussball im traditionellen Sport vergleichen. Es ist so ein großer Unterschied, ob man international spielt, oder nicht. Mit Dignitas war ich über einen längeren Zeitraum in den Top 10. Wir hatten es aber zwei Mal versäumt, uns für ein Major zu qualifizieren. Obwohl wir in all den anderen Wettbewerben gut gespielt haben, wurden wir nicht als Top 10-Team angesehen.

SPORT1: mousesports ist das Aushängeschild der deutschen Szene, die, trotz der fehlenden internationalen Erfolge, sehr leidenschaftlich ist. Was ist deine Meinung zur Leistung von mousesports bei ihrem Triumph bei den Acer Predator Masters S2 Finals in Krefeld?

Pimp: Ich freue mich für sie. Vor dem Turnier hätte ich sie wohl auch als Favoriten gesehen. Wenn sie Zweiter oder Dritter geworden wären, dann wäre die Enttäuschung groß gewesen. Sie hatten praktisch nichts zu gewinnen, aber alles zu verlieren. Der Sieg war wichtig, weil sie dem Druck, gewinnen zu müssen, standgehalten haben. Mousesports war mit Abstand das stärkste Team. Auch bei der DreamHack Leipzig haben sie gut gespielt. Dort hätten sie wahrscheinlich Astralis schlagen sollen. Ich freue mich, dass das Team stärker aussieht und der deutschen Szene etwas Erfolg bringen konnte, weil diese zuletzt eine recht glanzlose Zeit erlebt hat. Sie hat einen guten Pool an Talenten, aber wohl noch nicht die richtige Kombination gefunden. Es scheint so, als wäre mousesports auf einem guten Weg.

SPORT1: Dänemark ist schon lange eine der Counter-Strike-Nationen. Mit Astralis zählt ein rein dänisches Team seit über einem Jahr zu den besten Teams der Welt. In den letzten Monaten schien es aber so, dass die Spieler nie liefern konnten, wenn es darauf ankam. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Pimp: Es fällt mir schwer, zu sehen, was das Problem bei Astralis ist. Die Spieler sind individuell richtig gut. Ich bin immer ein Fan von Astralis gewesen – nicht nur, weil sie aus meinem Land sind, sondern auch, weil die Spieler stark sind und angenehme Persönlichkeiten haben. Sie hatten letztes Jahr eine Phase, die ähnlich war, wie die aktuelle. Sie haben die Tier 2-Teams regelmäßig geschlagen, aber im Anschluss gegen die Tier 1-Teams verloren. Dann haben sie angefangen, Turniere zu gewinnen. Nach drei oder vier Wettbewerben ging es wieder von vorne los. Es ist interessant, weil es so scheint, als würde immer das letzte bisschen Selbstsicherheit fehlen. Wenn das so ist, dann schleichen sich Fehler ein, da die rationale Denkweise davon beeinflusst wird und das auf diesem Niveau Matches kosten kann. Das Team hat alles, was es braucht. Sie können natürlich einen Spieler austauschen, um vielleicht frischen Wind reinzubringen, aber ich sehe das nicht als nötig an.

SPORT1: Die letzten Wochen waren für dich und SK Gaming ziemlich erfolgreich. Was ist, deiner Meinung nach, der korrekte Weg in der nahen Zukunft, um sich weiter zu verbessern?

Pimp: Die letzten beiden Wochen waren wirklich gut für uns. Das kam etwas überraschend. Wir haben Dignitas und Na’Vi geschlagen, die beide wahrscheinlich besser sind, als je zuvor. Wenn wir diesen Pfad weitergehen, können wir noch bessere Auftritte zeigen. Es ist nicht schwierig, gut zu werden. Es ist schwierig, gut zu werden und ganz oben und damit konstant zu bleiben. Wir sind zurzeit weltweit auf Platz 15 und das hätte nach nur zwei Monaten wohl niemand erwartet. Es gibt viel zu verbessern, denn wir machen immer noch viele Fehler und die Abstimmung im Spiel stimmt noch nicht ganz. Wenn wir weiterhin gut trainieren und gute Ergebnisse erzielen, bin ich mir sicher, dass das der korrekte Weg ist und dieser uns weiterbringen wird. Die Zukunft sieht gut aus.

SPORT1: Was hat in den letzten Wochen am meisten geholfen, wenn es um das Thema Verbesserung geht?

Pimp: Ich denke die Tatsache, dass wir uns besser kennengelernt haben, hat geholfen. Ich hatte das Gefühl, dass es an uns lag, dass wir die ganzen Matches verloren haben. Wir haben die Fehler gemacht und die Gegner ins Spiel haben kommen lassen. In den letzten beiden Wochen haben wir einige dieser Fehler abgestellt und unser individuelles Niveau ist besser geworden, weswegen wir nun insgesamt besser spielen.

SPORT1: Ihr habt rasch vielversprechende Ergebnisse erzielt. Was könnt ihr als Team erreichen?

Pimp: Den Himmel. (lacht) Realistisch gesehen wäre es großartig, wenn wir in die Top 8 der Welt kommen könnten. Die Szene ist so kompetitiv und es gibt so viele starke Teams. Wir haben in Europa vielleicht 30 Teams, die das Potential haben, in die Top 16 zu kommen. Wir haben die Brasilianer, wir haben die asiatischen Teams, die vielversprechende Resultate zeigen. In die Top 8 oder 10 zu kommen, wäre fantastisch. Ich glaube, dass wenn man ein Top 8-Team ist, man an gewissen Tagen Turniere gewinnen oder zumindest ins Finale kommen kann. Ich würde nicht sagen, dass das unsere Grenze ist. Es ist unser Ziel, in der Lage zu sein, Wettbewerbe zu gewinnen und uns sowie SK Gaming würdig zu präsentieren.

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