Tristan „PowerOfEvil“ Schrage war beim deutschen Public Viewing zum League of Legends WM-Finale als Analytiker im Einsatz. Einer der besten deutschen Spieler gab dort seine Expertenmeinung zum Besten.

Von Johannes Gorzel

PowerOfEvil, neben Maurice „Amazing“ Stückenschneider der beste deutsche Spieler, verpasste die Qualifikation zur WM. „League of Legends ist im Endeffekt ein Teamspiel und deshalb kann man die Gründe für unser Scheitern nicht kurz und bündig zusammenfassen“, hält er sich zu den Gründen zunächst bedeckt.

"Unicorns of Love" schaffte Qualifikation nicht

(v.l.n.r.) kev1n, dexter, NiksDa, PowerOfEvil und CandyPanda erläutern SKTs Geheimrezept © Freaks 4U Gaming

„Für uns war die größte Hürde, im Rahmen der langen Matches auf eigene Fehler und die Spielweisen der Gegner einzugehen, um daraufhin richtig zu adaptieren.“ Sein Team, Unicorns of Love, hatte dreimal die Chance, beim wichtigsten Turnier des Jahres dabei zu sein. In diesen „Best-of-Five“-Partien, welche aus bis zu fünf Matches bestehen, konnten sie ihre Kontrahenten jedoch nicht bezwingen.

Als Beispiel für potenzielle Fehlerquellen nennt PowerOfEvil die nötige Einstellung: „Wenn der eigene Spielcharakter stirbt oder das Team zurückfällt, dann darf man auf keinen Fall sofort Trübsal blasen. Man muss ganz bei der Sache sein und das Reflektieren über die eigenen Fehler auf die Pause nach dem Match verschieben können.“

Man darf keinen Moment verpassen

Während des Spiels seien andere Gedanken angesagt. „Was ist der nächste Schritt? Welches Objekt sollten wir auf der Karte als nächstes belagern?“ zum Beispiel.

In League of Legends zählt vor allem gutes Multitasking zu den Qualitäten der Top-Athleten. „Ich muss als Mid-Laner sehr oft in die untere rechte Bildecke schauen, wo auf der Mini-Map die Positionen aller sichtbaren Spieler auf der Karte gezeigt werden. Nur manchmal sieht man dort auch die Gegner.

Wenn man diesen Moment verpasst, hat man keine Ahnung, wo sie sind. Ist man zu lange unachtsam, so kann plötzlich der gegnerischen Jungler überraschend neben einem auftauchen.“ Ganz nebenbei muss er natürlich seinen Champion kontrollieren.

Außerdem geht es um Erfahrung. PowerOfEvil spielt am liebsten mit Magiern, welche über viele Fähigkeiten verfügen, die gezielt eingesetzt werden müssen – so genannte Skill-Shots. „Mit der Zeit lernt man, wie man mit seinem Champion in kleinen Manövern kurz zur Seite läuft, um den Skill-Shots des Gegners auszuweichen. Ebenso kann er natürlich die Platzierung seiner Fähigkeiten daran anpassen.“ Diese Spielmechanik ist sehr essenziell, jedoch kann man daran bereits die Amateure von den Profis unterscheiden.

"Werden allmählich als Sportler angesehen"

Um mit den Fähigkeiten der besten League of Legends-Spieler mitzuhalten, ist ebenso viel Training nötig, wie in anderen Sportarten. „Die Zeit, welche ich bislang im Spiel zubrachte, beläuft sich inzwischen auf 151 Tage.“ Dabei hatte der Deutsche erst vor circa einem Jahr seinen Durchbruch in die internationale Szene.

© Unicorns of Love

Er schaffte es jedoch zum besten Zeitpunkt in die Profi-Szene, denn mit der diesjährigen Weltmeisterschaft in Europa erhält seine Profession mehr Aufmerksamkeit als je zuvor. „Zum einen gewinnen wir an Reichweite und das erleichtert die Suche nach Sponsoren. Zum anderen freut es mich persönlich natürlich auch, dass wir allmählich tatsächlich als Sportler akzeptiert werden.“ 

Stundenlang höchste Konzentration

„Einige Kritiker haben das vielleicht noch nicht eingesehen, jedoch ist unser Job dem von anderen Athleten ziemlich ähnlich. Wir sind nach einer Partie zwar nicht verschwitzt, wie nach einem Marathonlauf, aber ein Best-of-Five, welches auch schon einmal sieben Stunden dauerte, nagt auch an der Kondition, weil man sich durchgängig konzentrieren muss. Vor und nach jedem Match machen deswegen auch wir Dehnübungen“, so PowerOfEvil. Ob er seine eigene Ernährung schon angepasst hat, um stetig auf höchsten Niveau mithalten zu können, dazu schweigt er jedoch.

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