vergrößernverkleinern
© Freaks 4U Gaming

Adrian „CandyPanda“ Wübbelmann ist einer von vier Profispielern beim League of Legends-Event „The Main“. Zusammen mit seinen Kollegen bewies er in der Analyseecke seine Expertise.

Von Johannes Gorzel

CandyPanda ist nicht überrascht, dass neben der vollen Mercedes-Benz Arena auch die Arena Berlin einen enormen Andrang erfuhr.

„In Korea waren letztes Jahr 40.000 Leute im Stadion, als das Finale gespielt wurde. In Deutschland ist League of Legends ebenfalls sehr populär“, erklärt er. „Videospiele sind beliebt und der Übergang vom aktiven Spielen zum passiven Zuschauen liegt nahe. Das ist in meinen Augen eine natürliche Entwicklung.“

Für ihn ist es auch nicht so wichtig, dass Seinesgleichen inzwischen als Athleten gesehen werden: „Es ist ein netter Nebeneffekt, aber ein persönliches Ziel war das für mich nie.“

CandyPanda meint, dass die meisten erfolgreichen eSportler vom Siegeswillen getrieben werden – nicht davon, dass sie unbedingt bekannt werden wollen. „Aber es ist natürlich schön, wenn viele Leute mitbekommen, dass man gewinnt“, fügt er hinzu.

"Ich schätze, dass ich auch heute noch mithalten könnte"

CandyPanda blickt aus der Perspektive eines Veteranen auf das Geschehen. Zwar bestritt er auch die diesjährige Sommersaison der europäischen Top-Liga, jedoch erreichte der Deutsche seinen Zenit, als er letztes Jahr mit SK Gaming bei der Weltmeisterschaft antrat. „Ich schätze, dass ich auch heute noch spielerisch bei der WM mithalten könnte, weil ich in Sachen Team-Play viel Erfahrung mitbringe.“

HandOfBlood (l.) lässt sich von den Profis PowerOfEvil (M.) und CandyPanda das Spiel erklären © Freaks 4U Gaming

Seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2014 war geprägt von Hindernissen. „Damals hat einer meiner Teamkollegen bei der Namenswahl für seinen Account auf dem asiatischen Server die Grenze des guten Geschmacks übertreten. Dafür wurde er mit einer Geldstrafe von 2.500 US-Dollar sowie einer Spielsperre für die gesamte Hinrunde der Gruppenphase belegt“, erinnert er sich.

Resultat war, dass man drei Matches mit einem Ersatzspieler im Jungle bestritt. „In den letzten Partien zeigten wir dann in richtiger Aufstellung, wie gut wir wirklich sein konnten – nur leider war es zu spät.“ Die Strafe für seinen Teamkollegen kostete CandyPanda und seinem Landsmann Christoph „nRated“ Seitz in ihren Augen die Playoff-Teilnahme.

Die Notwendigkeit, auf einen Ersatzspieler zurückgreifen zu müssen, stellt für fast alle Teams in League of Legends ein großes Problem dar. „Eigentlich verfügen nur die koreanischen Teams über wirklich relevante Akteure auf der Bank – für jedes westliche Team ist der Ausfall eines Spielers ein Desaster“, offenbart CandyPanda.

Er sieht in dieser Hinsicht noch viel Entwicklungsspielraum: „Ein durchschnittliches LoL-Team hat fünf Spieler und einen Coach. In Korea gibt es derweil Teams wie SK Telecom T1, welche neben knapp zehn Spielern über einen Head Coach, unterstützende Analysten, Manager, Sportpsychologen und auch einen Koch verfügen. Ihr Erfolg gibt ihnen bei dieser WM recht.“

Der Wert des Coaches ist laut CandyPanda in League of Legends jedoch noch nicht mit dem ihrer Pedanten aus dem Fußball zu vergleichen: „In Europa ist es verbreitet, dass die Spieler mehr Autorität genießen als ihr beratender Coach. Deshalb wird dieser oft überstimmt. Gleichzeitig wird ihm öffentlich jedoch auch selten die Schuld zugeschoben, wenn etwas schief geht.“

So verkommt die so wichtige Rolle hierzulande noch zum Maskottchen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel