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Baku - Dimitrij Ovtcharov steigert sich in Baku zum richtigen Zeitpunkt. Nach dem Aus der Damen fehlen ihm zwei Schritte zu Olympia. Ganz nebenbei muss er die deutsche Bilanz retten.

Nur keine Zeit verlieren auf dem Weg nach Rio de Janeiro. 

Mit zwei Auftritten auf beindruckend hohem Niveau und im Blitztempo hat Deutschlands Europameister Dimitrij Ovtcharov seine Ansprüche auf den Sieg bei den Europaspielen in Baku (tägl. LIVE auf SPORT1) und damit ein direktes Olympiaticket unter Beweis gestellt.

SPORT1 vor Ort in Baku
SPORT1 vor Ort in Baku © SPORT1/Getty Images

Zunächst fegte er im Achtelfinale den Franzosen Adrien Mattenet in gerade einmal 20 Minuten Spielzeit mit 4:0 von der Platte, und auch am Abend im Viertelfinale hatte der Kroate Andrej Gacina (27 Minuten) nicht den Hauch einer Chance.

"Ich bin mehr als zufrieden", sagte Ovtcharov dann auch sichtlich gelöst am SPORT1-Mikrofon: "Ich habe mich auf schwere Partien vorbereitet, das lief aber aus einem Guss. Das waren die mit Abstand besten Spiele des Turniers heute."

Von Kreuzschmerzen keine Spur

Die Probleme mit dem Iliosakralgelenk, mit denen er sich seit geraumer Zeit herumschlägt, waren Ovtcharov nicht anzumerken.

"Ich bewege mich viel besser, der Rücken ist freier", sagte der 26-Jährige, für den die täglichen Behandlungen zur Routine geworden sind: "Das Ärzte-Team macht einen Top-Job, und ich hoffe, dass es noch einen Tag gut halten wird."

Auf dem Weg zum ersten Sieger im Tischtennis der Europaspiele scheint die Nummer eins der Rangliste jetzt nichts mehr aufhalten zu können. Zumal im Halbfinale (Fr., 10 Uhr) mit dem Briten Paul Drinkhall, Nummer 22 in Europa, eigentlich keine allzu hohe Hürde wartet.  

Doch Ovtcharov ist gewarnt. "Auf dem Papier sieht das relativ einfach aus, aber unsere letzte Partie sagt etwas anderes. Bei den Russian Open vor gut fünf Monaten hat er mich 4:3 geschlagen, obwohl ich gar nicht schlecht drauf war", erzählte er.  

Schlägt der Underdog erneut zu?

Drinkhall schaltete am Donnerstag den deutlich besser eingestuften Portugiesen Marcos Freitas aus. Und Ovtcharov weiß: "Wenn Paul mal ins Rollen kommt, dann ist der kaum zu bremsen."

Am Freitag geht es auch um die deutsche Tischtennis-Bilanz in Baku - einmal Gold ist fast zu wenig. Und "Dima" muss es nun als Einzelkämpfer richten. Timo Boll hatte wegen einer Lebensmittelvergiftung nicht starten können und ist schon wieder in die Heimat gereist, im Teamwettbewerb war Deutschland in der Folge chancenlos.

Und die in der Mannschaft mit Gold dekorierten Damen haben sich im Einzel nahezu im Gleichschritt verabschiedet am Donnerstag. Erst unterlag die topgesetzte Ying Han im Viertelfinale überraschend Jie Li aus den Niederlanden in einem Krimi mit 3:4 Sätzen. Petrissa Solja zog wenig später gegen Li Jiao, ebenfalls aus den Niederlanden, den Kürzeren.

Han: "Unheimlicher Druck"

Besonders Han war untröstlich: "Mein Problem war, dass ich an Nummer eins gesetzt war und alle erwartet haben, dass ich gewinne. Es war ein unheimlicher Druck da. Ich war noch nie bei Olympia und wollte unbedingt das Ticket lösen."

Solja war mit ihrem Auftritt zwar auch nicht zufrieden, sah das Abschneiden in Baku in der Summe etwas lockerer: "Ich fahre hier mit einmal Gold weg, das ist schon okay. Ich wollte natürlich auch im Einzel eine Medaille und das Ticket nach Rio. Aber ich werde noch Chancen bekommen."

Ovtcharov hat Rio "nicht im Kopf", aber vor Augen

Ovtcharov ist da schon deutlich näher dran. "Rio habe ich gar nicht groß im Kopf, ich möchte einfach das Turnier gewinnen", sagte er zwar, wohlwissend, dass sich auch ihm noch weitere Chancen bieten würden.

Doch nach den gezeigten Leistungen wäre alles andere als Gold in Baku für ihn eine Enttäuschung. Und das Ticket nach Rio nähme Ovtcharov als willkommene Beigabe sicher gerne mit.

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